AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

Sie sind hier: Startseite » Artikelarchiv » Statistik

Sächsische Opferberatungsprojekte legen Statistik 2006 vor: Starke Zunahme rechtsextremer Übergriffe

Presseinformation

Görlitz, Dresden, Leipzig und Wurzen, 12. Februar 2007

Sächsische Opferberatungsprojekte legen Statistik 2006 vor: Starke Zunahme rechtsextremer Übergriffe

Die Opferberatungsprojekte in Sachsen (RAA Sachsen e.V. und AMAL e.V.) erhielten im Jahr 2006 Kenntnis von 208 Übergriffen (2005: 168) mit rechtsextremer bzw. fremdenfeindlicher Tatmotivation. Dazu zählen die Beratungsprojekte lediglich Vorfälle von Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung, Sachbeschädigung und Brandstiftung. Die durchaus hohe Anzahl bekannt gewordener Vorfälle fremdenfeindlicher Beleidigung, Verwendung von verfassungswidrigen Symbolen, fremdenfeindlicher Diskriminierung und Mobbing sind in der benannten Zahl von Übergriffen nicht berücksichtigt. Die Beratungsprojekte AMAL e.V. als auch RAA Sachsen e.V. haben in ihren Beratungsgebieten einen zum Teil starken Zuwachs an rechtsextremen / fremdenfeindlichen Übergriffen zu verzeichnen. Wöchentlich ereigneten sich in Sachsen etwa vier rechtsextrem motivierte Übergriffe. Das ist die höchste Anzahl an rechtsextremen Gewalttaten, von der die sächsischen Opferberatungsprojekte in ihrer bisherigen Arbeit je Kenntnis erhielten. Darüber hinaus muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. „Der fast 25%ige Anstieg von Übergriffen ist beunruhigend. Hinter jedem Übergriff stehen Betroffene, deren Lebensqualität zum Teil für lange Zeit eingeschränkt ist. Die Gesellschaft findet darauf offenbar keine angemessene Antwort“, so der Mitarbeiter des Wurzener AMAL-Beratungsteams Jamil Jawabra.

Von den 208 Übergriffen waren in Sachsen mindestens 298 Personen direkt und mind. 117 Personen indirekt betroffen. In mindestens 157 Fällen wurde eine Anzeige erstattet. Erfahrungsgemäß erhöht sich die Anzahl der Übergriffe noch, da den Beratungsstellen in den kommenden Monaten weitere Angriffe aus 2006 gemeldet werden. Die Betroffenen sind vor allem Jugendliche, die nicht der rechten Szene angehören sowie Menschen mit Migrationshintergrund. „In der Stadt Leipzig sind ca. die Hälfte der Ratsuchenden Migranten. Wobei hier auffällig ist, dass die Täter nicht nur dem rechtsextremen Rand, sondern in einer sehr hohen Zahl auch der Mitte der Gesellschaft zuzuordnen sind", so die Mitarbeiterin der Opferberatung der RAA in Leipzig Diana Eichhorn.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit konnten die MitarbeiterInnen der Beratungsstellen im Jahr 2006 insgesamt 407 Personen bei der Bewältigung von Tatfolgen (direkt Betroffene 308 / indirekt Betroffene 99) unterstützen. Dazu zählen viele Geschädigte von Übergriffen der Vorjahre. Zum einen dauern viele Betreuungsbeziehungen in der Regel über einen längeren Zeitraum an. Zum anderen nehmen die Betroffenen oftmals erst viele Monate bzw. sogar Jahre später Hilfe in Anspruch.

Rechtsextreme Gewalt entwickelt sich zu einem zunehmend ernsthafteren Problem für die sächsische Gesellschaft. Mancherorts mangelt es an Sensibilität und der Bereitschaft dieses Problem überhaupt wahrzunehmen. Es zu lösen erfordert einen langen Atem und gesamtgesellschaftliches Engagement. Solange rechtsextrem und fremdenfeindlich eingestellte Menschen agieren, brauchen vor allem die Betroffenen Unterstützung auf breiter Basis. Letztlich wird sich auch daran erfolgreiches Handeln gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit messen lassen.

Wir bitten um Veröffentlichung bzw. Verwendung der Presseinformation. Bei Rückfragen können Sie sich unter den unten aufgeführten Telefonnummern gern an uns wenden.

Kontakte:

RAA Sachsen e.V.
Opferberatung
Bautzner Str. 45
01099 Dresden
Fon: 0172 / 9741268

www.raa-sachsen.de
Ansprechpartnerin: Marianne Thum

RAA Sachsen e.V.
Opferberatung
Härtelstr. 11
04107 Leipzig
Fon: 0341 / 26 18 647

www.raa-sachsen.de
Ansprechpartnerin: Diana Eichhorn

Das Beratungsgebiet der RAA Sachsen e.V. umfasst die kreisfreien Städte und Landkreise Dresden, Leipzig, Kamenz, Riesa-Großenhain, Meißen, Sächsische Schweiz, Weißeritzkreis, Freiberg, Mittlerer Erzgebirgskreis, Leipziger-Land, Delitzsch-Eilenburg, Torgau-Oschatz.

AMAL – Hilfe für Betroffene rechter Gewalt
Bautzener Str. 20,
02826 Görlitz
Fon: 03581 / 878583
0170 / 3180755

www.amal-sachsen.de
Ansprechpartner: Hagen Kreisel

AMAL – Hilfe für Betroffene rechter Gewalt
Domplatz 5
04808 Wurzen
Fon: 03425 / 85 15 41
0172 / 9 74 36 74

www.amal-sachsen.de
Ansprechpartner: Ingo Stange

Das Beratungsgebiet von AMAL Sachsen e.V. umfasst die kreisfreien Städte und Landkreise Görlitz, Hoyerswerda, Plauen, Chemnitz, Zwickau, Löbau-Zittau, Niederschlesischer Oberlausitzkreis, Bautzen, Annaberg, Aue-Schwarzenberg, Chemnitzer Land, Döbeln, Mittweida, Muldentalkreis, Stollberg, Vogtlandkreis, Zwickauer Land.