Verfahren wegen rassistisch motivierter Hetzjagd fand heute vor dem Amtsgericht Hoyerswerda fragwürdiges Ende
Das AG Hoyerswerda unter Vorsitz von Richter Goebel stellte in der heutigen Hauptverhandlung das Verfahren gegen Enrico B. (33), Maik S. (27) und Maik S. (24) ein. Gegen die ursprünglich mitangeklagten Rechtsradikalen Thomas W. (19) und Norman S. (21) wurde das Verfahren bereits im Vorfeld eingestellt, da sie wegen anderer schwerer Delikte vor kurzem zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden.
Zur Last gelegt wurde den Angeklagten, sich am Abend des 21.6.2002 an einem rechten Übergriff auf dem Rummelplatz in Hoyerswerda beteiligt zu haben. Dabei wurde der damals 23-jährige Kurde Cengiz K. von etlichen Rechten über den Platz gehetzt, mehrfach getreten und geschlagen und dabei schwer verletzt. Einer der zahlreichen Zeugen gab bei der Polizei zu Protokoll, dass die Angreifer dabei an den Kopf des am Boden liegenden Betroffenen traten „wie an einen Fußball“.
Zwei Gründe führten maßgeblich zum Scheitern des Verfahrens. Zum Einen waren die polizeilichen Ermittlungen lückenhaft. Zum Anderen erschienen etliche Zeugen verängstigt, zwei Zeugen folgten der Vorladung gar nicht. So wurde z.B. der stadtbekannte und einschlägig vorbestrafte rechte Schläger Maik S. (27) von mehreren Zeugen auf der Lichtbildvorlage der Polizei erkannt, im Gerichtssaal jedoch wollte ihn keiner identifizieren. Bereits im Vorfeld hatte AMAL mehrere Zeugen recherchiert, die aus Angst vor Repressalien aus der rechten Szene unbedingt ungenannt bleiben wollten. Immerhin bot jener Maik S., der vorgab sich aus der rechten Szene gelöst zu haben, über seinen Verteidiger ein Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro an.
Für den Geschädigten, der als Nebenkläger am gesamten Prozess teilnahm, ist das nur ein schwacher Trost. Im Zeugenstand schilderte Herr K. vor allem die psychischen Verletzungen, die bis heute seinen Alltag beeinträchtigen: „Seit dem Übergriff bin ich vergesslich und ängstlich geworden.“ Die damals erlebte Todesangst wird ihn ein Leben lang prägen. Dass keiner der vielen Angreifer verurteilt wurde, ruft bei ihm Unverständnis hervor. Seit wir Herrn K. beraten, spricht er davon, aus Hoyerswerda wegzugehen. „Wenn ich an den Übergriff denke, fängt mein Herz an zu rennen. Ich habe Angst hier weiter zu leben. Ich will es in einer anderen Stadt probieren, wo es nicht so viele Nazis gibt.“ Vor wenigen Wochen hat Herr K. eine Arbeitsstelle in den alten Bundesländern gefunden. Die Rechtsextremen sind ihrem Ziel - ein ausländerfreies Hoyerswerda - ein Stück näher gekommen. Geholfen haben ihnen dabei auch jene, die nicht die Courage besaßen, ihren Beitrag zu einer juristischen Aufarbeitung zu leisten.
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