AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

Sie sind hier: Startseite » Artikelarchiv » Pressemitteilungen

Rechtsextremist in Plauen verurteilt

Rechtsextremist in Plauen verurteilt
Betroffener ist zufrieden mit dem Urteil

Plauen/ Wurzen, 26. Januar 2006. Mit der Verurteilung ging heute der Prozess gegen einen Rechtsextremisten im Amtsgericht Plauen zu Ende. Angeklagt war der 21jährige Sven Krüger wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Die Tat ereignete sich am 22. Mai 2005. Der Prozess hatte erwiesen, dass er an diesem Tag in der Innenstadt von Plauen einem damals 20 Jahre alten Jugendlichen brutal mit dem Fuß ins Gesicht trat und ihn mit der Faust schlug. Dabei erlitt das Opfer Verletzungen im Mundbereich. Mehrere Tage musste der Lackierer-Azubi zu Hause bleiben. Das Urteil, welches der vorsitzende Richter verhängte, lag mit 150 Tagessätzen zu je 30 Euro noch über der Forderung des anklagenden Staatsanwaltes von 150 Tagessätzen zu je 20 Euro. "Ich bin sehr zufrieden damit. Für mich war es einfach wichtig, dass die Tat nicht ungestraft bleibt.", so der Betroffene nach dem Prozess. Krüger hat noch eine Woche Zeit, gegen das Urteil Berufung bzw. Revision einzulegen.

Mitarbeiter des sächsischen Opferberatungsprojektes AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt begleiteten zusammen mit Ehrenamtlichen aus Plauen den jungen Mann während der Prozessvorbeitung und des Prozesses. Ingo Stange von AMAL: "Dass Krüger verurteilt wird, haben wir natürlich alle gehofft. Wichtig ist aber auch, dass dem Richter die wahre Gesinnung des Täters nicht verborgen blieb und er dies in seiner Urteilsbegründung auch als mögliche eigentliche Motivation der Straftat benannte: Hass auf Andersaussehende. Das ist aus unserer Erfahrung heraus leider noch sehr selten der Fall."

Der einschlägig wegen Körperverletzung verurteilte Krüger rannte zum damaligen Tatzeitpunkt aus einer Gruppe mutmaßlich rechter Fußballhooligans heraus auf den Jugendlichen zu, der essend auf dem Boden saß, und trat ohne zu zögern auf ihn ein und schlug ihn. Dann konnte das Opfer flüchten, musste jedoch seinen Rucksack zurück lassen. Den fand man später wieder, jedoch blieb das darin befindliche Funktelefon bis heute verschwunden.

Krüger, der im Prozess jegliche politisch rechtsextreme Aktivität vehemment bestritt, ist neben dem ebenfalls bekannten Rechten Sebastian Georgi Inhaber des kürzlich in die Schlagzeilen geratenen Plauener "Szeneladens" Broken Dreams in der Forststraße. Dort werden - so der Vorwurf - seit Dezember letzten Jahres u.a. Lifestyleprodukte und Textilien für die rechtsextremistische Szene verkauft. Krüger und Georgi waren, so berichten zudem ZeugInnen, auch beim Überfall auf das soziokulturelle Zentrum Alte Kaffeerösterei in Plauen am 25. Dezember 2005 aktiv dabei. Georgi soll deshalb kurzzeitig in Untersuchungshaft gewesen sein, so die ZeugInnen weiter.

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt betreut und berät seit 2001 Opfer von Rassismus und Rechtsextremismus in Sachsen. 2005 ereigneten sich im Beratungsgebiet 68 Übergriffe mit rechter Tatmotivation. Von diesen Übergriffen waren 116 Personen direkt betroffen, davon überwiegend Männer zwischen 14 und 26 Jahren. Zwei Betroffenengruppen prägen das Bild: einerseits Menschen, die aus einer rassistischen Tatmotivation heraus angegriffen werden und andererseits Menschen, die von den Angreifern als Nicht-Rechte wahrgenommen werden und in der Regel auf Grund ihres Äußeren zur Zielscheibe rechter Attacken werden. Bei fast allen recherchierten Angriffen handelt es sich um versuchte bzw. vollendete Körperverletzungen sowie Nötigungen und Bedrohungen.