Rechte Schläger aus dem Umfeld der BOOT BOYS gehen straffrei aus
Rechte Schläger aus dem Umfeld der BOOT BOYS gehen straffrei aus
Das Amtsgericht Görlitz unter Vorsitz von Richter Schettgen stellte in der gestrigen Hauptverhandlung das Verfahren gegen Mario D. (24), Tino N. (19) und Mario V. (20) ein. Die drei Männer mußten sich für einen Übergriff am Abend des 25.9.2004 auf dem Görlitzer Marienplatz verantworten.
Damals schlugen und traten sie gemeinsam mit weiteren Tätern auf Jugendliche und Heranwachsende ein, die zum Teil der Punkszene angehörten. Dabei erlitten zwei Geschädigte erhebliche Kopfverletzungen; die Brutalität der Täter hinterläßt bei vielen Betroffenen bis zum heutigen Tag Gefühle der Angst und Ohnmacht.
Entsprechend groß ist die Enttäuschung über die Entscheidung des Gerichts, die nach Absprache mit den Verteidigern und der Staatsanwaltschaft erfolgte. Als Gründe wurden genannt: Provokationen der Jugendlichen als möglicher Auslöser für den Übergriff, das Fernbleiben eines der Hauptgeschädigten von der Verhandlung sowie der große Zeitraum seit der Tat und das straffreie Verhalten der Angeklagten seitdem.
Als Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt möchten wir keine Bewertung im juristischen Sinne vornehmen. Wir befürchten jedoch, daß mit der heutigen Entscheidung ein fatales Signal ausgesendet wird.
Die Betroffenen haben wenig Verständnis dafür, daß der Übergriff und die erlittenen Verletzungen ohne strafrechtliche Konsequenzen für die Täter bleiben. Sie konnten Täter identifizieren und haben in der Verhandlung die Teilgeständnisse der Angeklagten gehört. Unklar bleibt für sie ebenfalls, warum zwei weitere Tatverdächtige, Marcel T. und Marco J., nicht auf der Anklagebank zu finden waren. Für die beiden Hauptgeschädigten bildet die getroffene Entscheidung zudem eine schlechte Ausgangslage für den Erfolg einer Schmerzensgeldklage.
In der rechten Szene – vor allem bei den Görlitzer BOOT BOYS – wird der Ausgang des Prozesses hingegen für Freude sorgen. Der Tatverdächtige Marco J., der sich mit weiteren Szeneangehörigen im Publikum befand, war in der Tatnacht mit den Worten „Der Marienplatz war schon immer braune Zone und wird auch immer braune Zone bleiben!“ auf einen der Jugendlichen losgegangen, konnte jedoch von zwei couragierten jungen Frauen von weiteren Tätlichkeiten abgehalten werden. Entscheidungen wie die gestrige Einstellung mögen eine juristische Rechtfertigung haben, für rechte Schläger, die sich gewalttätig für „braune Zonen“ einsetzen, sind sie ein Geschenk, das auch als Freibrief verstanden werden kann.
Görlitz, 22.02.2006
- Schwere Übergriffe auf Asylbewerber in Löbau markieren Höhepunkte eines rassistischen Alltags
- Rechte und rassistische Gewalt: (K)eine Frage der Wahrnehmung
- 8. April Bautzen: Hingehen, hinschauen, handeln!
- Rechter Übergriff in Wurzen führt statt Urteil zu einem Vergleich
- Rechte Schläger aus dem Umfeld der BOOT BOYS gehen straffrei aus
- Rechtsextremist in Plauen verurteilt
- Keine Entwarnung bei rechter Gewalt – Opferberatungsprojekt AMAL Sachsen legt Statistik 2005 vor
- AMAL-Redebeitrag auf der antifaschistischen Demonstration „Weg mit dem rechten Sounddreck!“
- Wiederholter Neonaziangriff auf ein Wohn- und Kulturprojekt in Dresden
- Enttäuschendes Urteil nach rassistischen Übergriffen auf dem Herbstfest in Niesky