AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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Pressemitteilung des Bündnis für Menschenwürde – gegen Rechtsextremismus im Landkreis Mittweida zu dem rechtsextremistischen Übergriff auf eine 17-Jährige Jugendliche am 3.11.2007

Trügerische Ruhe – Wir müssen wach bleiben und hinsehen!

Das Bündnis für Menschenwürde gegen Rechtsextremismus im Landkreis Mittweida möchte der 17-Jährigen Jugendlichen, die am 3.11.2007 im Mittweida Opfer eines rechtsextremen Übergriffes geworden ist, den größten Respekt für ihre Zivilcourage entgegenbringen. Sie hat den Mut bewiesen, der immer wieder von den BürgerInnen gefordert wird und ist dadurch selbst zum Opfer geworden. Wir hoffen, dass dieser Mut nun mit einer konsequenten Verfolgung und Bestrafung der Täter belohnt wird. Dazu gehört auch, dass sich alle ZeugInnen, die etwas zur Aufklärung beitragen können, sofort bei der Polizei melden. Ebenfalls möchten wir dem 6-Jährigen Mädchen und ihrer Familie unsere besten Wünsche zukommen lassen.
Wir als Bündnis freuen uns, dass es viele Menschen gibt, welche den öffentlichen Raum nicht den RechtsextremistInnen überlassen wollen. Das zeigt welches demokratische Potential an Widerstand in unserem Landkreis vorhanden ist. Wir danken deshalb nicht nur der Jugendlichen, sondern auch den Menschen die sich am Sonntag zu Demonstrationen zusammengefunden haben und denen, die dies am Dienstag vorhaben. Wir möchten alle BürgerInnen ermutigen sich weiterhin aktiv gegen Rechtsextremismus zu engagieren.

Wir möchten sowohl dem 6-Jährigen Kind und ihrer Familie als auch der Jugendlichen anbieten sich mit uns in Verbindung zu setzen. „Wir würden euch gern unsere Unterstützung zukommen zu lassen und euch in der kommenden Zeit helfen. Wir finden es richtig, dass eure Namen als Opfer nicht veröffentlicht werden, um Euch zu schützen. Deshalb versuchen wir auf diesem Weg mit Euch in Kontakt zu treten. Wir werden natürlich alles anonym behandeln. Wir würden uns sehr über einen Kontakt freuen, da wir weltweite Zuschriften bekommen haben und diese gern an Euch weiterleiten würden. Zudem könnten wir einen Kontakt zur Opferberatungsstelle AMAL herstellen, die auch bei den folgenden Aufgaben, wie Anzeigen und Aussagen helfen können.“

Die Tat an sich hat verdeutlicht, dass die scheinbare Ruhe um rechtsextremistische Vorfälle im Landkreis in den letzten Wochen sehr trügerisch war. Das Problem ist eines in der Mitte unserer Gesellschaft und dies erledigt sich nicht von allein, wenn wir einige der TäterInnen inhaftieren. Es zeigt sich mit diesem Vorfall auch eine neue Qualität der Übergriffe in unserem Landkreis, indem inzwischen auch Kinder angegriffen werden, bzw. eine couragierte Jugendliche mit rechtsextremistischen Symbolen „gebrandmarkt“ wird. Die rechtsextremistische Gewaltbereitschaft im Landkreis ist nach wie vor hoch und verlangt nach einer demokratischen Auseinandersetzung auch in „ruhigen“ Zeiten. Im Jahr 2007 gab es im Landkreis bereits 66 uns bekannt gewordene rechtsextremistische Vorfälle. Wir fordern, gerade für die Opfer, schneller sichtbare gerichtliche Konsequenzen für die TäterInnen. Bei Vergehen, wie im Fall des Überfalles auf das Dorffest in Breitenborn, musste sich bis heute -mehr als 2 ½ Jahren nach der Tat- kein einziger Täter vor Gericht verantworten. Das ist keine ermutigende Vorraussetzung für Zivilcourage und kein gutes Zeichen gegen Rechtsextremismus.

Zivilcourage bedeutet nicht immer einen tätlichen Eingriff in eine Situation, jeder kann sie mit verschiedensten Mitteln beweisen. Zunächst sollte in derartigen Situationen immer die Polizei gerufen und auf die Dringlichkeit der Lage hingewiesen werden.

Nachtrag: AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt e.V. schließt sich der o.a. Pressemitteilung des Bündnisses selbstverständlich an und unterstützt diese.