AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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Pressemitteilung AMAL: Gerechtes Urteil wegen Zerstörung des Zirkuszeltes in Triebel (29.06.07)

Kritik an Ausblendung des rechtsextremen Hintergrundes

Wurzen/ Triebel, 29.06.2007: Zufrieden zeigt sich das sächsische Opferberatungsprojekt AMAL – Hilfe für Betroffene rechter Gewalt e.V. mit der Verhängung einer Haftstrafe für einen der Täter - Tommy H. - von 1 Jahr und 8 Monaten im Prozess wegen des Überfalls auf den Zirkus Barni im August letzten Jahres. Dieser Prozess ging am Mittwochabend zu Ende, zumindest für fünf Angeklagte. Das Verfahren gegen einen der mutmaßlichen Haupttäter wird am Montag im Amtsgericht Plauen fortgesetzt.

Tommy H. konnte mittels einer DNA-Analyse zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass er für die Zerstörung des Zirkuszeltes und des Inventars in der Nacht zum 26.August 2006 verantwortlich sei. Sein Blut wurde an Zirkusplanen und an weiteren Gegenständen gefunden. Der Verurteilte erhielt von Richterin Stange acht Monate mehr als von der Staatsanwaltschaft gefordert, ohne Bewährung.

Kritisch sieht AMAL, dass der Hauptanklagepunkt des Landfriedensbruchs fallen gelassen und der rechtsextremistische Hintergrund der Tat nicht gewürdigt wurde. Mehrere Zeugen, darunter auch Polizisten bestätigten, dass es zu rassistischen Rufen gegen die Zirkusfamilie Quaiser kam. „Richterin Stange sah leider nicht, dass es sich hier um klassisch rechtsextrem motivierte Angriffe gegen die Familie handelte. Die Rechten bedrohten diese massiv und forderten u.a., dass die `Kanaken´ endlich verschwinden sollen, sonst `brenne man ihnen die Bude ab´. “, sagt Rene Weber, ehrenamtlicher Mitarbeiter von AMAL in Plauen und fügt hinzu, dass „Angeklagte und deren Umfeld im Publikum ihre Gesinnung auch im Gerichtssaal offen auf ihren T-Shirts zur Schau trugen.“ Mit Bedauern stellt AMAL fest, dass Frau Stange kritisch von einer Gruppenbildung im Dorf ausgeht, die erst durch die öffentliche Begleitung des Prozesses entstanden sei, welche „einer sachlichen Beweisaufnahme in der Hauptverhandlung nicht förderlich“ sei, wie sie in ihrer Urteilsbegründung ausführte. „Ohne die viele Solidarität, den öffentlichen Druck und die Berichterstattung in den Medien hätten die Angreifer ihr Ziel, den Zirkus aus Triebel zu vertreiben, schon lange erreicht. Letztendlich hat dies aber dazu geführt, dass die Quaisers trotz großer Angst im Ort blieben und mittlerweile wieder arbeiten können.“, so Rene Weber. Zirkusbesitzer Ronny Quaiser ist im Grunde zufrieden mit dem Urteil gegen Tommy H., „auch wenn dieser nicht alleine die Zerstörung begangen haben könne“, so der Familienvater.

Urteile gingen auch an zwei weitere Angeklagte: Chris H. erhielt zehn Monate Jugendarrest auf drei Jahre Bewährung sowie 100 Stunden gemeinnützige Arbeit wegen Fahrens ohne Führerschein. Manuel H. bekam vier Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung wegen Beleidigung. Er verbüßt derzeit bereits eine Haftstrafe im Justizvollzug. Zwei weiter Angeklagte wurden freigesprochen.

AMAL – Hilfe für Betroffene rechter Gewalt e.V.
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04808 Wurzen
Tel.: 03425-85 15 41
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