Pressemitteilung: Neonazis in Mittweida weiterhin große Gefahr
Pressemitteilung:
Neonazis in Mittweida weiterhin große Gefahr
Mindestens 20 Verletzte durch Nazis in der Region // Betroffene haben Angst vor weiterer Eskalation
Wurzen/ Mittweida, 19.12.2006: Mit sehr großer Besorgnis sieht AMAL-Hilfe für Betroffene rechter Gewalt e.V. die gegenwärtige Situation hinsichtlich rechtsextremistischer Übergriffe und Neonazistrukturen in und um Mittweida. Gerade in den letzten Wochen gab es zahlreiche Übergriffe und Sachbeschädigungen in und um die Stadt. Immer wieder melden sich vor allem Jugendliche, die entweder selbst von Neonazis geschlagen oder bedroht worden sind, oder Zeugen von Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund wurden und nun Angst vor einer weiteren Eskalation haben. Seit Jahresbeginn registrierten die Mitarbeiter vom AMAL-Team Wurzen mindestens 14 Gewaltstraftaten durch Rechtsextreme im Landkreis. Dabei wurden mindestens 20, größtenteils Jugendliche verletzt, zum Teil sogar schwer. Es gab neben den Körperverletzungen mehrfache Sachbeschädigungen in Jugendklubs, die meist auch mit Schlägen und Bedrohungen gegen anwesende Jugendliche einher gingen. Registriert wurden mindestens zwei Brandanschläge auf Asiaimbisse und mehrfache Schändungen von Mahnmalen für Opfer des Faschismus mit Hakenkreuzschmierereien und anderen Nazisymbolen.
Erst diese Woche meldeten Mittweidaer Jugendliche, dass am vergangenen Wochenende bis zu 40 Rechtsextremisten mutmaßlich aus dem Umfeld der Kameradschaft Sturm 34 einen Proberaum einer Band stürmen wollten. Verhindert werden konnte dies nur durch herbei gerufene Polizeibeamte. „Deutlich wird aus derartigen Informationen, die gerade in den letzten Monaten mehrfach von Betroffenen und Sozialarbeitern an uns herangetragen wurden, dass die Gefahr, von Rechtsextremisten im Landkreis Mittweida angegriffen und verletzt zu werden immens hoch ist.“, sagt Ingo Stange von AMAL. Der Schutz davor kann aus Sicht von AMAL nicht allein der Polizei überlassen werden. „Hier sind vor allem auch Kommunalpolitik, Behörden und gesellschaftliche Kräfte gefragt, deutliche politische Zeichen gegen den sich stark etablierten gewalttätigen Rechtsextremismus zu setzen und den Betroffenen Solidarität und Unterstützung zukommen zu lassen.“, so Stange weiter. Die Mitarbeiter von AMAL sehen nach Gesprächen mit Betroffenen und Sozialpädagogen vor Ort beides als derzeit noch nicht gegeben. Stange: „Für uns entsteht eher der Eindruck, dass die politisch Verantwortlichen des Landkreises der Situation nicht gewachsen zu sein oder ihr hilflos gegenüber zu stehen scheinen.“ Vor allem im Namen der Opfer und deren Angehörigen bittet AMAL die Verantwortlichen, die Situation und die Lage der Betroffenen ernst zu nehmen und zu versuchen, ihnen gemeinsam mit anderen Engagierten mögliche Perspektiven zum Schutz vor Übergriffen anzubieten.
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