Keine Entwarnung bei rechter Gewalt – Opferberatungsprojekt AMAL Sachsen legt Statistik 2005 vor
Keine Entwarnung bei rechter Gewalt – Opferberatungsprojekt AMAL Sachsen legt Statistik 2005 vor
Mindestens 36 Neonazikonzerte in Sachsen
Nach Recherchen von AMAL ereigneten sich 2005 im Beratungsgebiet (1) 68 Übergriffe mit rechter Tatmotivation (2004: 110). Von diesen Übergriffen waren 116 Personen direkt betroffen, davon überwiegend Männer zwischen 14 und 26 Jahren. Zwei Betroffenengruppen prägen das Bild: einerseits Menschen, die aus einer rassistischen Tatmotivation heraus angegriffen werden und andererseits Menschen, die von den Angreifern als Nicht-Rechte wahrgenommen werden und in der Regel auf Grund ihres Äußeren zur Zielscheibe rechter Attacken werden. Bei fast allen recherchierten Angriffen handelt es sich um versuchte bzw. vollendete Körperverletzungen sowie Nötigungen und Bedrohungen.
Im vergangenen Jahr führten die MitarbeiterInnen der beiden AMAL-Teams in Wurzen und Görlitz 154 Beratungen von direkt oder indirekt Betroffenen durch. Hinzu kommt eine Vielzahl an Begleitungen auf Polizeireviere und Gerichte.
Der Rückgang der Angriffe kann aus Sicht der AMAL-MitarbeiterInnen viele Ursachen haben. „Auch wenn nach wie vor jede Woche Menschen in unserem Beratungsgebiet von Rechten angegriffen werden, hoffen wir,“ so Anne Kretzschmar vom Görlitzer Team „dass sich hier ein Trend abzeichnet.“ Auf keinen Fall kann von einer Entwarnung gesprochen werden, da im Bereich rechtsmotivierter Straftaten von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden muss. Die vorgelegten Zahlen müssen außerdem vor dem Hintergrund der Personalstärke des Projektes betrachtet werden (2).
Ohnehin läßt sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Anzahl rechter Übergriffe und dem Ausmaß rechtsextremer Einstellungspotenziale in der Bevölkerung herstellen.
Dass Sachsen nach wie vor eine sehr aktive rechte Szene hat, zeigt allein die Zahl von mindestens 36 Rechtsrockkonzerten im vergangenen Jahr. Hier belegt das Bundesland einen Spitzenplatz, ebenso bei rechten Vertriebsstrukturen und Musiklabeln. „Sachsen kann somit als Hochburg für rechte Subkultur bezeichnet werden“, so Anne Kretzschmar weiter. „Öffentlichkeitswirksame Aktionen von Rechtsextremen hinterlassen bei vielen Menschen einen verunsichernden, bedrohlichen und verletzenden Eindruck. Die von unserem Projekt gezählten gewalttätigen Übergriffe stellen nur die Spitze des Eisberges dar.“
(1) Das Beratungsgebiet umfasst die Landkreise und Kreisfreien Städte Annaberg, Aue-Schwarzenberg, Bautzen, Chemnitzer Land, Döbeln, Löbau-Zittau, Mittweida, Muldentalkreis, Niederschlesischer Oberlausitzkreis, Stollberg, Vogtlandkreis, Zwickauer Land, Chemnitz, Görlitz, Hoyerswerda, Plauen, Zwickau
(2) AMAL arbeitete 2005 mit 3,5 Personalstellen. Durch eine Bund-Länder-Finanzierung sind diese Stellen auch für 2006 gesichert.
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