AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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Das Pressefest der Deutschen Stimme – ein Rückblick

Am 07. August fand auch dieses Jahr das Deutsche Stimme Pressefest wieder in Sachsen
statt. Mit mehreren Tausend Besuchern (nach Angaben der NPD 6.900) wurde die
Zahl im Vergleich zum letzten Jahr in Meerane um ein vielfaches
überschritten.

Den gesamten Tag über reisten Neonazis an. Allein 20 Reisebusse aus dem gesamten Bundesgebiet parkten in unmittelbarer Nähe zum Festgelände.
Der Betreiber der Diskothek WODAN in Mücka, Erik Myrtha, stellte sein
Gelände für das große Neonazispektakel zu Verfügung. Da dieser Platz jedoch
bei weitem nicht ausreichte, mietete die NPD zudem noch ein
gegenüberliegendes Gelände einer insolventen Firma an. Während in der Disko
die Saalveranstaltungen stattfanden, befand sich das große Festzelt und die
Konzertbühne auf dem Platz gegenüber. Die Musik der Bands KRAFTSCHLAG,
RADIKAHL, YOUNGLAND und verschiedener Liedermacher u.a. Frank RENNICKE hörte
man noch weit entfernt in den Nachbargemeinden.

Die Diskothek Wodan ist in der Vergangenheit schon mehrmals im Zusammenhang
mit Neonaziveranstaltungen aufgefallen. Mitte der 90er fanden dort mehrere
Naziskinkonzerte mit bis zu 1.000 Besuchern statt und im Mai diesen Jahres
gastierte Frank Rennicke im Rahmen einer NPD Wahlkampfveranstaltung zur
Europawahl in der Diskothek.

Die Polizei führte zwar bis zum frühen Nachmittag an den Zufahrtsstraßen
der Nachbarorte Vorkontrollen und am Abend Alkoholkontrollen durch, aber in
Mücka selbst hatten die Nazis freie Hand und bestimmten für den Tag allein
das Straßenbild. So konnten sie auch ungehindert Straftaten begehen. U.a.
zeigten Neonazis auf T-Shirts das Symbol des internationalen Neonazi
Skinhead Netzwerkes "Blood&Honour" - die Organisation ist seit September
2000 in Deutschland verboten und somit ein öffentliches Zeigen derer Symbole
illegal. Auch zeigten Neonazis mehrfach den Hitlergruß.

Von einigen Sprühereien auf den Zufahrtsstrassen abgesehen, gab es keinen
spürbaren Widerstand antifaschistischer oder zivilgesellschaftlicher
Akteure.
Im Anbetracht der Tatsache, dass dieses Neonazigroßereignis auch nächstes
Jahr sicher wieder in Sachsen stattfinden wird und auch dann wieder Tausende
Nazis aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen werden, ist hier ein
engagiertes Handeln geboten. Dazu fordert das AMAL Sachsen - Beratungsteam
Ostsachsen schon seit längerem eine öffentliche Debatte zum Thema
Rechtsextremismus in Ostsachsen, welche jedoch nach wie vor nur marginal in
der Region und ganz Sachsen stattfindet.