Bund will Opfer-Verein nicht länger finanzieren (SäZ, 23.10.06)
Auszeichnung. Der Verein Amal nahm im Rathaus den Julius-Rumpf-Preis entgegen. Geehrt wurde sein Engagement für Opfer von rechter Gewalt.
Der frühere Wiesbadener Ex-Oberbürgermeister und Görlitzer Ehrenbürger Achim Exner wird in seiner Laudatio sehr deutlich: Dass der Julius-Rumpf-Preis an einen sächsischen Verein geht, der Opfern rechter Gewalt hilft, bedrückt ihn. Nicht, dass er den engagierten Amal-Mitarbeitern die Auszeichnung nicht gönnt. Exner ist traurig darüber, dass ein solcher Verein existieren muss, dass es Opfer rechter Gewalt gibt, dass sogar die Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten steigt. Und dass auch Görlitz betroffen ist.
Der Verein Amal Sachsen, mit seinen Büros in Wurzen in Görlitz, ist am Sonnabend auf Vorschlag der bündnisgrünen Landtagsabgeordneten Astrid Günther-Schmidt für sein Engagement mit dem Julius-Rumpf-Preis ausgezeichnet worden. Zur Preisverleihung im Sitzungssaal des Rathauses sind viele Bürger und auch vier Stadträte gekommen. Groß ist ebenfalls das mediale Interesse. Kameras von MDR, ZDF und des lokalen Fernsehens zeichnen das Ereignis auf.
„Amal packt beherzt an. Nun wird dieses Engagement offiziell gewürdigt“, sagt der Görlitzer Ordnungsbürgermeister Stefan Holthaus (SPD). Der Verein stelle sich auf die Seite der Opfer und trete für Solidarität und Menschlichkeit ein. Holthaus, wie auch die anderen Redner, kritisieren Überlegungen der Bundesregierung, künftig die Förderung für derartige Initiativen einzuschränken oder ganz einzustellen. Ende des Jahres läuft die bisherige 80-prozentige Bundesförderung aus.
„Das bisherige Programm heißt Civitas“, sagt Amal-Chef Hagen Kreisel. Es gebe bereits ein Folgeprogramm, „jedoch ist unsere Arbeit darin nicht vorgesehen“. Sparte der Bund, dann bedeute das, dass Mitarbeiter entlassen und die Amal-Büros in Wurzen und Görlitz geschlossen werden müssen. Ohne Hauptamtliche zerfallen aber auch die Netzwerke. Kreisel erinnert in seiner Ansprache daran, dass „auch jetzt in diesem Moment, wo wir hier sind, es rechte Gewalt und mit ihr Opfer gibt“.
Auch Ehrenamtliche gewürdigt
Der an Amal verliehene Preis ist mit 7 500 Euro dotiert. In den vergangenen Jahren wurde er unter anderem an den Flüchtlingsrat Brandenburg, dem Verein Miteinander/Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt und dem Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm verliehen. Amal-Sachsen existiert seit dem Sommer 2001. „Die Auszeichnung würdigt auch die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Praktikanten, die uns in den Jahren unterstützt haben“, sagt Kreisel.
Quelle: Sächsische Zeitung, 23.10.2006, von René Tzschoppe
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