Aufruf zum Gomondai-Gedenktag am 06.04.2004
Am 06. April findet in Dresden der Gomondai-Gedenktag statt.
Setzen wir ein Zeichen gegen Kriege, Gewalt und Rassismus und für die Achtung der Menschenwürde!
Aufruf zum Gomondai-Gedenktag 2004 !
Ablauf am 06. April 2004:
17:00 Uhr Andacht in der Annenkirche (Nähe Postplatz)
17:45 Uhr Gedenkmarsch zum Gomondai-Gedenkstein am Albertplatz
18:45 Uhr Kundgebung am Gedenkstein
Gegen das Vergessen
Für ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben
von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Glaubensrichtungen
Wie jedes Jahr wollen wir uns - ungeachtet der Parteigrenzen, Meinungs- und Glaubensunterschiede - am 6. April zum Gedenken an den 1991 in Dresden ermordeten Mosambikaner Jorge Joao Gomondai versammeln. Dieser Gedenktag ist mittlerweile zu einer Tradition geworden.
Nun ist ein solcher Gedenktag keine Sache der guten Laune, keine Belustigung, sondern eine Tradition, welche Jahr um Jahr daran erinnert, dass in einem zivilisierten Land wie Deutschland immer wieder Menschen auf Grund ihrer Hautfarbe, ihres Glaubens oder ihrer Denkweise angegriffen werden. Das ist eine ernste, für viele Menschen lebensbedrohliche Tatsache.
Vor wenigen Tagen wurde ca. 2000 Neonazis in Dresden die Gelegenheit gegeben zu demonstrieren. Die Neonazis wollten damit als erste politische Gruppierung ihren Wahlkampf eröffnen. Das neugegründete „Nationale Bündnis Dresden“ macht kein Hehl aus seiner demokratiefeindlichen, rassistischen und ausländerfeindlichen Gesinnung. In seinem Programm wimmelt es von Formulierungen wie „verausländerten Schulklassen“, „durchrasste Schmelztiegel und kulturfremde Parallelgesellschaften“ bis zum erklärten Kampf gegen „Geschmacksverirrungen“, die durch Kultur und Gastronomie in Dresden gekommen seien.
Wir rufen alle Demokraten in Dresden auf, gemeinsam den Einzug der Neonazis in den Stadtrat zu verhindern.
Von offiziellen Stellen wurden in Deutschland 2003 insgesamt 10 456 rechtsextremistische und fremdenfeindliche Gewalt- und Straftaten registriert. 385 Menschen sind von Rechtsextremisten verletzt worden. Versuchte Tötungen wurden sieben Mal erfasst. In und um Dresden wurden und werden Ausländer beleidigt, schikaniert und tätlich angegriffen, manche von ihnen erlitten schwere Verletzungen.
Aber auch den alltäglichen Rassismus wollen wir am 6. April anprangern: Nur 3,6 Prozent der Dresdner sind Ausländer. Viele von ihnen leben seit Jahrzehnten in dieser Stadt. Trotzdem leiden sie dreimal häufiger unter Arbeitslosigkeit als ihre deutschen Mitbürger. Sie zahlen Steuern, dürfen aber in kommunalen Angelegenheiten nicht mitbestimmen, haben bei Ausbildung und Arbeitschancen die schlechteren Karten. Die Türen mancher Lokale bleiben ihnen verschlossen.
Ganz zu schweigen von den tausenden Nadelstichen im Alltagsleben: respektlose Behandlung durch einige Behördenangestellte, Personenkontrollen auf der Straße, Beleidigungen.
Der Gomondai-Gedenktag verkörpert den Willen vieler Dresdnerinnen und Dresdner, die Gewaltopfer nicht zu vergessen und gleichzeitig wach und aktiv zu sein, um jegliche Formen von Gewalt, Rassismus und Diskriminierung zu ächten.
Dieser Aufruf wird unterstützt von:
Ausländerrat Dresden e.V.
Ökumenisches InformationsZentrum Dresden e.V.
Stadtschülerrat Dresden
Joachim Zirkler, Pfarrer an der Kreuzkirche
Stephan Fritz, Pfarrer an der Frauenkirche
Hartmut Rau, Superintendent Dresden Mitte
DGB-Region-Oberes Elbtal
Holk Freytag
Staatsschauspiel Dresden
Heiner Sandig, Ausländerbeauftragter des Landes Sachsen
Evangelische Jugend Dresden
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V.
AMAL-Sachsen e.V.
Volker Kreß, Landesbischof
Prof. Günter Sommer, Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" Dresden
Prof. dr. Ralf Evers, Rektor der Evang. Hochschule für Soziale Arbeit Dresden (FH)
Prof. Dr. med. M. Wirth, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Neuer Sächsischer Kunstverein e.V.
Ev.-methodistische Kirche Dresden
Wolfgang Wirz, Jan de Wit; Karstadt Warenhaus AG
Ludwig Güttler
Freie Evangelische Gemeinde Dresden
Pax Christi Dresden; Ursula Mai, Reinhold Wanke
Afropa e.V. (i.G.)
Mutimba e.V.
Stadtökumenekreis Dresden
Netzwerk für Demokratie und Courage e.V., Landesnetzstelle Sachsen
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