Angriff auf Wurzener Rummel
Rechte Gang schlägt 19-Jährigen / Schon 26 rechte Gewalttaten in Wurzener Region
Wurzen, 16. Oktober 2003: Ein 19-Jähriger Jugendlicher aus Wurzen wurde am Abend des 14.Oktober 2003 gegen 19.00 Uhr auf dem Wurzener Rummel auf dem Bürgermeister-Schmidt-Platz geschlagen und getreten. Er erlitt mehrere Hämatome im Gesichtsbereich.
Er und sein ebenfalls 19-jährigen Freund schossen am Schießstand, als aus einer sich in der Nähe aufhaltenden Gruppe von ca. 20 Jugendlichen, die den Aussagen des Opfers zufolge eindeutig rechtsradikale Jugendliche waren, Rufe wie "Vaterlandsverräter!" u.ä. gegen sie gebrüllt worden. Daraufhin schlug einer der Rechten dem Opfer mindestens dreimal mit der Faust ins Gesicht, ein anderer trat ihm brutal in den Rücken und Bauch. Eine Passantin versucht zu schlichten, gab aber auf. Als die beiden Freunde flüchteten, wurden sie mit Bierflaschen beworfen und von mehreren Rechtsradikalen verfolgt, die ihnen drohten: "Wir erwischen euch noch!".
Einige der Täter wurden als einschlägig bekannte Rechtsradikale aus Wurzen identifiziert und sind teilweise schon mehrmals wegen Körperverletzungen vorbestraft. Mindestens einer der Angreifer musste deshalb schon eine mehrmonatige Haftstrafe absitzen. Die Polizei wurde nicht benachrichtigt. "Ich selbst würde ja eine Anzeige machen, aber mein Freund, der dann Zeuge wäre, hat Angst vor der angedrohten Rache der Nazis. Da kann ich ihn schon verstehen", betont der Angegriffene. "Alle Jahre wieder wird der Wurzener Rummel zur Bühne für die Gewalttaten rechtsradikaler Gangs. Es traut sich hier kaum noch einer hin, der potentielles Opfer der Rechten werden könnte. Der Rummel wird allabendlich zu einer No-Go-Area, zum Angstraum, den diese gewaltbereiten Rechten beherrschen.", sagt Ingo Stange vom Projekt AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in Sachsen, an das sich der 19-jähriger Wurzener gewandt hatte.
Bereits am 8. Oktober wurde ein 21-Jähriger gegen 22.00 Uhr von etwa fünf Rechten in der Beethovenstraße von seinem Fahrrad gezerrt und geschlagen.
In diesem Jahr zählt AMAL schon insgesamt 26 Gewalttaten in Wurzen und Umgebung, denen eine eindeutig rechtsextreme Gesinnung zu Grunde liegt, davon ein großer Teil durch Körperverletzungen. "Aus Angst vor Rache durch die Rechten kommt es jedoch in vielen Fällen zu keiner Anzeige. Als ziemlich sinnlos wird von Betroffenen auch der Gang vor Gericht bewertet, da Täter, wenn überhaupt, oftmals zu sehr geringen oder Bewährungsstrafen verurteilt werden.", berichtet Stange aus seinen Erfahrungen als Opferberater.
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