AMAL-Redebeitrag auf der antifaschistischen Demonstration „Weg mit dem rechten Sounddreck!“
Am 3.12.2005 demonstrierten über 100 Menschen unter dem Motto "Weg mit dem rechten Sounddreck!" gegen ein Rechtsrockkonzert im ostsächsischen Oderwitz. Eine Presseschau finden Sie hier .
An dieser Stelle folgt der Redebeitrag eines AMAL-Vertreters auf der Demonstration.
Wenn in wenigen Stunden im Oderwitzer „Stern“ rechtsextremistische Bands wie Hauptkampflinie oder Eisenherz ihrem Publikum einheizen, dann wird der Saal und die nähere Umgebung zur „National befreiten Zone“, wie es im Jargon der Rechtsextremen heißt.
Die Texte und Ansagen der Bands werden Ausländerhaß, Herrenmenschentum und totalitäre Phantasien beflügeln, die Folgen sind Ausgrenzung von Minderheiten, Mord und Totschlag.
Die Musik wird über den Abend hinaus ihre Wirkung entfalten. Täglich bekommen sie in Deutschland all jene zu spüren, die nicht ins kleinkarierte, deutschnationale Raster der Rechten passen.
Ich arbeite seit 5 Jahren bei AMAL, einem Beratungsprojekt für Betroffene rechter Gewalt in Sachsen. Ich weiß wovon ich spreche, denn täglich habe ich mit Menschen zu tun, die von Rechten attackiert wurden. Und mit jedem Angriff wurde eine sogenannte „National befreite Zone“ exekutiert, wurden Menschen ihrer Würde beraubt, gedemütigt, geschlagen, getreten.
Wenn sich heute Abend vorrangig junge Menschen im „Stern“ an Rechtsrock berauschen, dann ist das Wasser auf die Mühlen rechtsextrem motivierter Gewalt. Und deshalb müssen wir diesem Treiben die Stirn bieten.
Nur weil diese Konzerte behördlich nicht untersagt werden können, nur weil sie hinter verschlossenen Türen stattfinden, sind sie noch lange nicht akzeptabel oder gar harmlos.
Wenn wir heute und auch in Zukunft gegen Rechtsrockkonzerte mobil machen, dann üben wir unseren aufrechten Gang, dann verteidigen wir unsere eigene Würde.
Denn Rechtsrock ist ein Angriff auf die Menschenwürde. Diesem Angriff die Wirkung zu nehmen, ist unsere Aufgabe, ist Aufgabe jedes und jeder Einzelnen. Kein Delegieren an staatliche Stellen! Kein Verharmlosen und Wegreden! Kein Kopf in den Sand stecken!
Heute hier zu demonstrieren, sind wir jenen schuldig, denen Nazis tagtäglich ihr Recht auf eigene Kleidung und Frisuren, ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit und Freizügigkeit, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und im schlimmsten Fall ihr Recht auf Leben streitig machen.
Wir stehen hier in erster Linie für uns selbst. Aber wir sind auch für jene nach Oderwitz gekommen, die von rechter Gewalt derart eingeschüchtert wurden, daß sie sich nicht mehr auf eine Veranstaltung wie diese trauen. Ihnen möchten wir Mut machen und ihnen sagen, daß sie mit unserer Solidarität rechnen können.
Ich möchte zum Schluß noch einige persönliche Sätze sagen:
Seit 10 Monaten bin ich Vater eines kleinen Mädchens. Jeden Tag entdeckt sie ein kleines Stückchen Welt. Jeden Tag strahlt sie über das ganze Gesicht, wenn man sie anlächelt oder mit ihr Späße macht. Ich möchte, daß dieses Strahlen so lange wie möglich anhält. Ich möchte nicht, daß sich meine Tochter in 15 oder 20 Jahren konfrontieren muß, mit dem was heute abend auf der Bühne des „Stern“ propagiert wird, mit den Männlichkeitsritualen, die dort heute zelebriert werden. Ich möchte nicht, daß meine Tochter später einmal abwägen muß, welche Kleidung sie trägt oder welche Haarfarbe sie wählt, aus Angst, daß diese Wahl sie zur Zielscheibe für rechte Dumpfbacken und Schläger machen könnte.
Auch aus diesem Grund bin ich heute hierher gekommen und ich bin erleichtert, daß ich nicht allein bin.
Besonders danken möchte ich den Menschen aus Oderwitz, die sich heute der Demo angeschlossen haben. Natürlich werden wir mit dieser Demo das Problem der Rechtsrockkonzerte nicht lösen, aber wir haben einen Anfang gemacht. Nun heißt es dran bleiben, vor allem für Euch hier in Oderwitz. Auf unsere Unterstützung könnt Ihr dabei zählen!
Weg mit dem rechten Sound-dreck!
Danke.
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