AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

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Alternative Jugend von Mügeln wurde auf Strasse gesetzt (Pressemitteilung)

17. Februar 2008

Pressemitteilung

Ende Januar wurde der Jugendclub "Free Time Inn e. V." durch die Stadtverwaltung Mügeln geschlossen. Grund hierfür war ein Ultimatum, das die Stadt im Oktober 2007 den dort ansässigen Jugendlichen stellte. Dabei ging es um Veränderungen in der Kinder- und Jugendarbeit, Einhalten der Öffnungszeiten und eine Einschränkung des Alkoholkonsums. Aber durch fehlende Kommunikation und Informationsweitergabe wurden die Mitglieder über die Forderungen der Stadt vom damaligen Vorstand nicht in Kenntnis gesetzt.

Bezugnehmend auf einen Artikel der Oschatzer Allgemeinen Zeitung (OAZ) vom 06.02.08, muss gesagt werden, dass die Vereinsarbeit nicht nur "aus beruflichen Gründen des Vorstands, im Sande verlaufen sei", sondern dass der jetzige Vorstand innerhalb eines Jahres den Club heruntergewirtschaftet hat. Die Mitglieder des Vereins versuchten mehrmals eine Mitgliedervollversammlung mit Neuwahl einzuberufen, um den Vorstand zu entlasten. Dies wurde jedoch vom Vorstand abgeblockt oder es wurden nicht alle Mitglieder ordnungsgemäß informiert.

Von heute auf morgen wurden die Türschlösser des Clubgebäudes ausgetauscht, obwohl uns die Stadt zugesichert hatte, dass der Club noch eine Woche geöffnet ist. Also standen wir, die Jugendlichen auf der Strasse und wussten nicht wo wir hin gehen sollen. Völlig überraschend, denn der Jugendclub beteiligte sich an verschieden kommunalen Veranstaltungen, wie zum Beispiel Kuchenbasare auf den Stadtfesten, Stände auf den Weihnachtsmärkten, Basteln in der Mittelschule und Sommer- und Herbstcamps. Weiterhin haben wir in den letzten Jahren Fußball- und Volleyballturniere, Ausflüge (z. B. nach Auschwitz), Workshops (z. B. zur Kaffeeherstellung, gegen Rechtsextremismus), Kinderfeste und vieles mehr, veranstaltet. Wenn nun die Stadt nach Gründen sucht, um den Club zu schließen, finden sie genügend. Trotz des vorgeworfenen Alkoholproblems, war ein "Alternativvorschlag" von Seiten der Stadt "in die Kneipe zugehen". Auch die Öffnungszeiten wurden nicht immer eingehalten, aber solange die Lautstärke im Rahmen war, wurde dies von Seiten der Stadt toleriert. Also steckt vielleicht noch etwas anderes hinter dem Rausschmiss.

Auf einem letzen Treffen mit den aktiven Mitgliedern des Vereins im Rathaus, erklärte der Mügelner Bürgermeister Herr Deuse, dass dieser Jugendclub in Zukunft, sowohl von Linken, als auch von Rechten genutzt werden soll. Und das, obwohl es laut ihm, keine Rechten in Mügeln gibt. Wir, die Jugendlichen vom Club, wollen nichts mit Rechtsgesinnten zu tun haben und lassen uns das auch nicht von Herrn Deuse vorschreiben! Tatsache ist, dass dieser Jugendclub 1997 von linksorientierten Jugendlichen übernommen und damit Besucher mit fremdenfeindlichem Gedankengut vergrault wurden. Seitdem kam es mehrmals zu rassistischen und ausländerfeindlichen Handlungen in Mügeln. So wurde der Jugendverein "Free Time Inn e. V." bereits im April 1998 von Rechtsgesinnten überfallen. Doch nach Aussagen von Herrn Deuse, direkt nach der Hetzjagd auf die Inder zum Stadtfest 2007, "existieren keine organisierten rechten Strukturen" (OAZ vom 22.08.2007, S.15) in Mügeln. Allerdings gibt es in Mügeln viele andere Jugendtreffpunkte die oftmals rechtsorientiert sind bzw. Personen mit menschenverachtendem Weltbild dort ein- und ausgehen dürfen und toleriert werden, z. B. der "Förderverein Schloss Ruhethal e. V.", welcher sich nach dem Stadtfest mit einer scheinbaren Veranstaltung gegen Rechts rühmt.

Außerdem erklärte Herr Deuse, zu seinem Neujahrsempfang, er werde gegen die "Linksextremen und Autonomen" vorgehen, während er das Problem von rechts komplett ignoriert. So gab es im Jugendclub diverse Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus, wozu stets alle BürgerInnen, inklusive Stadträte und der Bürgermeister Deuse, eingeladen wurden. Doch sie hielten es nicht für nötig, zu erscheinen. Dies zeigt die Ignoranz und das Desinteresse an den Jugendlichen im Club.
Es hat den Anschein, als sei unser "werter" Bürgermeister auf dem rechten Auge blind, doch dafür sieht sein linkes Auge umso schärfer. Hier wird eine massive, von links ausgehende Gefahr einfach herbei fantasiert und das wahre Problem, der latente Rassismus, welcher in der Bevölkerung fest verankert ist, vollkommen verkannt. Scheinbar hat Gotthard Deuse seinen Feldzug gegen Links schon längst begonnen, denn offensichtlich wartete er nur auf einen Anlass, den als linksorientiert geltenden Jugendclub Mügeln schließen zu lassen und damit den dort ansässigen Verein "Free Time Inn e.V." zu vertreiben. Allein aus diesen Gründen braucht Mügeln einen alternativen Jugendclub als Gegengewicht, einen Treffpunkt, wo Fremdenhass und Intoleranz keinen Platz haben. Da in unserer Region noch organisierte rechtsextreme Strukturen vorhanden sind, gilt es rechtzeitig aktiv zu werden, um diese Gefahr zu minimieren.

Mit freundlichen Grüßen
Mitglieder des Jugendvereins "Free Time Inn e. V."