AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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(K)ein Grund zum Feiern:

(K)ein Grund zum Feiern:
Fünf Jahre professionelle Unterstützung für Betroffene rechter Gewalt in Sachsen

Sommer 2001: Die rot-grüne Bundesregierung wendet sich verstärkt der Problematik Rechtsextremismus zu und fördert modellhafte Projekte, die in den Neuen Bundesländern u.a. Betroffene rechter Gewalt unterstützen. Damit können in Sachsen Strukturen ausgebaut und vor allem professionalisiert werden, die bis dahin ehrenamtlich und nur in einzelnen Landkreisen Betroffenen halfen.
Seit fünf Jahren ist das Beratungsprojekt AMAL, in Kooperation mit dem Opferberatungsprojekt der RAA Sachsen, nun flächendeckend im Freistaat aktiv.(1) Mit ihrem aufsuchenden Ansatz konnten die MitarbeiterInnen viele Hundert direkt und indirekt Betroffene erreichen und ihnen helfen, die physischen und psychischen Folgen von rechten Übergriffen zu verarbeiten.(2) Die Mischung aus fachlicher Kompetenz und parteilicher Herangehensweise hat sich dabei bewährt. Jamil Jawabra vom Beratungsteam Wurzen betont: „Viele Betroffene, vor allem Jugendliche und Flüchtlinge, finden von sich aus nicht den Weg in eine Beratungsstelle. Sie sind jedoch dankbar, wenn sie von uns Hilfe angeboten bekommen.“

Durch Öffentlichkeits- und Gremienarbeit wurden Ausmaß, Ausprägungen und Auswirkungen rechter Gewalt in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen. Von vielen Akteuren, die mit dem Themenfeld Rechtsextremismus in Berührung kommen, wird AMAL als kompetenter und verläßlicher Ansprechpartner wahrgenommen, wenngleich die Wahrnehmung und Akzeptanz regional unterschiedlich stark ausgeprägt ist. „Es belastet uns schon, wenn wir aufgrund fehlender Ressourcen nicht in allen Landkreisen gleichermaßen aktiv sein können“, sagt Mitarbeiter Jawabra.
Daß sich die öffentliche Wahrnehmung von Thema und Projekt in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat, findet auch einen Niederschlag auf regierungspolitischer Ebene. Seit 2005 erkennt die Landesregierung die Notwendigkeit einer professionellen Opferberatung an und AMAL erhält finanzielle Mittel vom Freistaat.

Leider kann ein Rückgang rechtsextremer Einstellungen in der Bevölkerung und eine Ausdünnung der rechten Szene nicht verzeichnet werden. Beides wäre eine Voraussetzung für einen Rückgang rechter Übergriffe. Gerade Sachsen weist jedoch erschreckende Daten auf was Einstellungspotenziale, Übergriffe und Szenestrukturen anbelangt und ungeachtet einer hohen Dunkelziffer deuten die jüngsten Veröffentlichungen staatlicher und nichtstaatlicher Stellen auf eine Zunahme rechter Gewalttaten. Projektkoordinator Hagen Kreisel sieht hier leider keinen Grund zu Optimismus: „Auch in den kommenden Jahren wird ein spezifisches Beratungsangebot für Betroffene rechter Gewalt nötig sein.“

Die Bekämpfung rechter Alltagskultur, der rechte Gewalt entspringt, muß einhergehen mit der Stärkung demokratischer Kultur. Beides braucht einen langen Atem und muß vor allem von den BürgerInnen getragen werden. Das Engagement staatlicher Einrichtungen ist dabei hilfreich, kann aber fehlendes Engagement der BürgerInnenschaft nicht kompensieren. Auch nach fünf Jahren ist Beratung von Betroffenen rechter Gewalt abhängig von staatlicher Finanzierung, derzeit von Bund und Land.(3) Doch für die tägliche Arbeit ist nicht nur diese Finanzierung, sondern auch die ideelle und materielle Unterstützung von so vielen Einzelpersonen und Gruppen wichtig. AMAL möchte an dieser Stelle allen danken, die in den vergangenen Jahren dazu beigetragen haben, die Anliegen von Betroffenen rechter Gewalt sowie die Beratungsarbeit zu stärken! Ihre/Eure Unterstützung ist weiter dringend nötig.

Die AMAL-MitarbeiterInnen wünschen sich zum Geburtstag ihres Projektes vor allem eines: Sensibilität gegenüber rechter Gewalt im Alltag und direkte Unterstützung von Betroffenen. Darüber hinaus werden Schokolade und Blumen in den Büros in Görlitz und Wurzen gern entgegen genommen.

(1) Das Beratungsgebiet von AMAL umfasst die Landkreise und Kreisfreien Städte Annaberg, Aue-Schwarzenberg, Bautzen, Chemnitzer Land, Döbeln, Löbau-Zittau, Mittweida, Muldentalkreis, Niederschlesischer Oberlausitzkreis, Stollberg, Vogtlandkreis, Zwickauer Land, Chemnitz, Görlitz, Hoyerswerda, Plauen, Zwickau
(2) Sowohl die regionale Zuständigkeit als auch Erhebungskriterien und Art der Datenerfassung haben sich in den vergangenen fünf Jahren verändert. Darum ist eine exakte quantitative Darstellung von Übergriffen und Betroffenen nicht möglich.
(3) Die Modellförderung durch den Bund endet 2006. Derzeit ist eine Fortführung der ostdeutschen Opferberatungsprojekte ungewiß.