Zwickau: Wegsehen als Strategie (FP, 07.10.2008)
Demokraten bereiten Geisterstadt vor
Strategiewechsel bei Toleranz-Bündnis: Kein Gerichtsstreit, keine Gegendemo
Zwickau. Strategiewechsel beim Bündnis für Demokratie und Toleranz: Die Antwort auf die für Sonnabend in Zwickau geplante Demonstration der "Nationalen Sozialisten" heißt weder Gegendemo noch Gerichtsstreit. Zwar ist das Bündnis immer noch der Meinung: "Unsere Stadt hat Nazis satt!" Doch das soll schweigend gezeigt werden.
"Meidet ab 14 Uhr die Orte der Kundgebung und Straßen, schließt Fenster und Türen, macht die Lichter aus, zieht Gardinen zu, lasst die Rollläden herunter, schließt die Läden, zeigt Fantasie", riefen am Dienstag Bündnisvertreter die Zwickauer auf. Die Demo der Rechten am 20. September hatte das Rathaus auf dem Klageweg versucht, abzublocken, allerdings vergeblich.
Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) am Dienstag: "Die 2500 Euro, die uns der Streit gekostet hat, können wir uns sparen." Stadt und Kreis beabsichtigten, ein Büro für Demokratie und Toleranz zu etablieren. Die Stadt will sich mit 5000 Euro, der Landkreis mit 3000 Euro beteiligen, auch Personalkosten sollen fließen. Bislang hatte die Bündnis-Hauptarbeit der DGB geleistet.
25 Nazis standen am 20. September 250 Gegendemonstranten gegenüber. Am Sonnabend werden deutlich mehr Rechtsgesinnte erwartet - vor allem aus anderen Bundesländern.
Zwickaus DGB-Chefin, die Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Die Linke), warnt vor Verharmlosung: "Die Nationalen oder auch Autonomen Sozialisten versuchen gezielt, Positionen der linken Parteien und Gewerkschaften zu kopieren, gerade in Zwickau, weil hier ein Peter Klose aus dem Landtag (NPD) wohnt, weil dessen Kollegen im Kreistag angekommen sind, weil es hier Armut gibt."
"Gefrustete junge Menschen, die demotiviert sind, laufen ihnen zu, die nur durch fehlendes Wissen auf die Tricks reinfallen", bedauert Bürgerrechtler Erwin Killat (Bündnis 90/Grüne). Mario Zenner, Chef vom Alten Gasometer: "Wir sind dabei, 1500 Plakate zu verteilen." Noch weiß er nicht, wie die Händler reagieren. Killat hat bislang positive Erfahrungen gesammelt. "Da war ein großes Entgegenkommen."
Kulturschaffende erarbeiten zudem für den Sonnabend Angebote jenseits der Demo-Strecke: Theater, Lesung, Musik. 13 Uhr gibt es eine Kundgebung am Gewerkschaftshaus. Die Rechten, wünscht sich Killat, sollen am Sonnabend eine Geisterstrecke durchlaufen: "Wir werden sie mit aller Konsequenz ignorieren - laut, unüberhörbar wegsehen."
Von Uta Pasler
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