AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

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AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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Wie viel "Courage" hat der Rat? (OAZ, 12.-13.11.2008)

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Wie viel "Courage" hat der Rat? (OAZ, 13.11.2008)

Mügelner Verein verweigert Rechtsextremen Teilnahme an Info-Veranstaltung

Von Gabi Liebegall

Mügeln. Die Meinungen gehen weit auseinander: So war die Info-Veranstaltung (wir berichteten) von Vive le Courage am Dienstagabend als öffentlich deklariert worden. Allerdings entschied Gründungsmitglied Roman Becker kurzfristig, dass Personen, die möglicherweise der rechtsextremen Szene angehören, nicht teilnehmen dürfen. Das sei der Anlass dafür gewesen, dass sich die Gemüter von rund 30 Jugendlichen aufheizten und es deshalb zu verbalen Ausschreitungen kam.

"Wenn zwei oder drei Rechte gekommen wären, hätten sie auch teilnehmen können. Aber es wurden immer mehr. Hätten wir sie alle reingelassen, wären sie in der Überzahl gewesen. Das wäre dann ganz sicher eskaliert", so Becker. Er weiß, wovon er spricht. Immerhin habe er schon mit einigen von ihnen eine unschöne Bekanntschaft schließen müssen. Übrigens war er enttäuscht darüber, dass kein einziger Stadtrat da war. "Entschuldigt hatten sich Frau Zimmer, Herr Brink und Herr Osterloher. Wir hatten alle Räte eingeladen sowie zwei Schulleiter. Keiner von ihnen war da", erzählte der 21-Jährige.
Erschrocken sei er auch darüber gewesen, wie viele gewaltbereite Jugendliche in kurzer Zeit zusammengekommen waren und sich gegenseitig anheizten -- fast alle im Kapuzenshirt, viele betrunken, einige grölend. "Die haben mir mein ganzes Auto mit NPD-Plakaten zugekleistert." An der Veranstaltung hatte auch Rico Winterlich (CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender) teilgenommen. Er entschuldigte sich für "seine" Stadträte und monierte: "Jeder redet über die Rechten, aber keiner mit ihnen", sagte er verärgert.
"Wir haben aus der Zeitung von der Veranstaltung erfahren und wollten daran teilnehmen", sagte ein 16-Jähriger auf OAZ-Anfrage. Sie seien sauer über die Abweisung gewesen, denn er und seine Freunde zählten nicht zu den Rechten. "Ich persönlich war nicht eingeladen", sagte Bürgermeister Gotthard Deuse gestern auf Anfrage der OAZ. Das hätte auch sein Terminkalender gar nicht hergegeben. "Aber das, was passiert ist, finde ich abscheulich", so Bürgermeister Gotthard Deuse auf die Parolen bezogen.

Wie schätzt der Verfassungsschutz die Situation in Mügeln ein? Es sei nicht auszuschließen, dass sich sowohl "links- als auch rechtsextremistisch disponierte Personen anlassbezogen an politisch motivierten Aktivitäten in Mügeln beteiligen", sagte Falk Kämpf aus der Pressestelle. Insbesondere vor dem Hintergrund der Ereignisse beim Stadtfest 2007. Öffentliche Veranstaltungen könnten außerdem von Extremisten aus der Region als Podium genutzt werden und ihnen Anlass zu Aktivitäten geben. Trotzdem: "Die Stadt Mügeln stellt keinen Schwerpunkt bezüglich rechts- oder linksextremistischer Bestrebungen im Freistaat Sachsen dar." In der Stadt seien bisher keine aktiven rechts- oder linksextremistischen Strukturen bekannt, die öffentlichkeitswirksam in Erscheinung treten.

Im Bericht der OAZ v. 12.11.08 ist kein Wort zu den Zwischenfällen, die durch eine Horde rechter Jugendlicher und junger Erwachsener provoziert wurden, zu lesen. Schamhaft verschwiegen wird auch die kaum vorhandene Teilnahme von Ratsmitgliedern:

"Die Stadt soll hinter uns stehen" (OAZ, 12.11.2008)

Mügeln: Diskussion zu Wünschen und Perspektiven der Jugendlichen

Von CHRISTIAN KUNZE

Mügeln. Runder Tisch im Ratssaal: Jugendfachkräfte, Stadträte, Vertreter aus Vereinen und Schulen, Jugendliche und andere Partner diskutierten am Montag Wünsche, Probleme und Perspektiven der jungen Mügelner. "Wir möchten Wünsche und Perspektiven der Jugendlichen gegenüberstellen und herausfinden, wie Jugendarbeit in Mügeln entwickelt und gefördert werden kann", nannte Jugendfachkraft Kristin Tränkner die Zielstellung des Abends.

Neben einem breiteren Angebot an jugendgerechter Kultur äußerten die Jungen und Mädchen vor allem den Wunsch nach besserer Kommunikation. Die Stadt soll hinter uns stehen", lautete ein konkreter Wunsch aus den Befragungen. Roman Becker vom Verein Vive le Courage stimmte dem zu. "Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist fast gar nicht da. Uns wird wenig Vertrauen entgegengebracht." So sei kein Jugendlicher bei der Renovierung des Mügelner Jugendhauses einbezogen worden. Die Auszubildende Christiane Schulz absolviert ein Praktikum im Jugenhaus Schweta. Sie monierte, dass Bürgermeister Gotthard Deuse (FDP) nicht daran interessiert sei, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

Stadträtin Gabriele Zimmer (FDP) appellierte wiederum an die Jugend: "Forderungen und Wünsche sind das eine, Verantwortung zu übernehmen das andere. Konstruktive Jugendarbeit bringt Pflichten für die jungen Mügelner mit sich. Ohne die Bereitschaft der Betroffenen können wir gar nichts aufbauen."
Damit legte die Grundschullehrerin den Finger in die Wunde. Mangelnde Bereitschaft beim Großteil sei ein Grundproblem, führte Bau- und Hauptamtsleiterin Karin Uhde ins Feld. "Auf der Wunschliste stehen ein Bolzplatz und eine Skateranlage. Beides ist vorhanden. Leider wird der Platz nicht genutzt, und die Anlage wurde regelrecht verwüstet", erklärte sie. Wilhelm Osterloher (FDP) äußerte einen Wunsch. "Die Jugend sollte Stadtrat und Bürgermeister erklären, wie sie die Dinge sehen. Nur wenn wir vernünftig miteinander reden, können wir Vorurteile auf beiden Seiten abbauen", so der Stadtrat. Gunter Hausburg, Leiter der Mügelner Goetheschule, regte einen Jugendstadtrat nach Oschatzer Vorbild an. "Es gibt politisch interessierte Jugendliche in der Stadt. Damit böten wir ihnen ein Forum, um Demokratie zu erlernen und zu erleben. Es schult Verantwortung und gibt ihnen Gelegenheit, mit zu entscheiden", so der Lehrer. Möglich sei laut Kristin Tränkner auch eine Arbeitsgruppe aus Stadträten und jungen Vertretern aus Institutionen wie dem Döllnitzclub, Sportvereinen oder der Feuerwehr, die einen Plan für die zukünftige Jugendarbeit erstellen.

Bürgermeister Gotthard Deuse konnte an der Diskussion nicht teilnehmen. Er war beim Treffen der Bürgermeister Nordsachsens in Torgau. "Ein Jugendstadtrat hat lediglich beratende Funktion. Mir ist das direkte Gespräch mit den Jugendlichen lieber. Ich würde mich freuen, wenn sie dazu meine Sprechstunde nutzen. Sie findet die in der Regel donnerstags statt", sagte er auf Anfrage der OAZ.