AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

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AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
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Umstrittene Modemarke findet Absatz (SäZ, 10.10.06)

Handel. Keine moralischen Bedenken hat ein Zittauer Sportgeschäft, Kleidung der Firma „Thor Steinar“ zu verkaufen. Hauptabnehmer: Kunden aus Neonazi-Kreisen.

Auf den ersten Blick wirken die Kleidungsstücke der Marke „Thor Steinar“ nicht besonders ungewöhnlich. Es gibt gefütterte Winterjacken, gestreifte Sweatshirts, bunte Polohemden. Schaut man jedoch genauer hin, kann man auf manchen Logos runenartige Schriftzeichen erkennen. Einige Pullover zieren germanisch anmutende Kriegsschiffe, auf denen der Name der Firma in Runen aufgedruckt ist. Doch auch T-Shirts mit Maschinengewehren und dem Schriftzug „Hausbesuche“ werden unter dem Titel „Thor Steinar“ verkauft.

Produziert wird die umstrittene Marke von der Firma MediaTex GmbH. Sie benutzte hierfür ursprünglich ein Logo, das der von der SS verwendeten Wolfsangel ähnelte. Nach Beschlagnahmungen und Prozessen änderte „Thor Steinar“ jedoch sein Logo.

Seit einem Jahr ist die Marke auch in Zittau vertreten. So verkauft „Sport Wagus“ am Rathausplatz Kleidungsstücke aus dem Sortiment der bei Neonazis beliebten Firma. Junge Leute der linken Antifa Lausitz entdeckten die Kollektionen vor einigen Wochen in dem Geschäft. Sie sagen: „Neonazis drängen immer mehr in die Mitte der Gesellschaft. Der Verkauf dieser Marke trägt dazu bei, dass Rechtsextreme zunehmend normal und bürgerlich erscheinen, nicht mehr anhand von Bomberjacken oder Springerstiefeln zu erkennen sind. Das ist eine Gefahr.“ Sie fordern, dass „Sport Wagus“ die Kleidung aus dem Sortiment nimmt.

Geschäftsführer Thomas Wagner macht dagegen deutlich: „Die Klamotten, die jetzt da sind, werden auch verkauft. Ich führe die Marke, weil die Nachfrage einfach groß ist. Vor einem Jahr kamen zu mir Kunden mit ,Thor Steinar‘-Katalogen in der Hand und wollten diese Kleidungsstücke kaufen. Daraufhin habe ich sie bestellt.“ Damals sei ihm jedoch nicht bewusst gewesen, dass die Marke von Neonazis getragen werde. Erst durch die entsprechende Kundenklientel wurde ihm dies deutlich, aus dem Sortiment nahm er die Kollektionen jedoch nicht: „Der Verkauf dieser Kleidung führt zu einem hohen Umsatz. Mein Personal muss bezahlt werden, moralische Fragen stehen daher hintenan.“ Vorläufig wird die umstrittene Marke daher weiterhin in der Kreisstadt erhältlich sein.

Quelle: Sächsische Zeitung, 10. Oktober 2006, von Anne Mareile Moschinski

Auf ein Wort

Ich nicht

Von Sebastian Beutler

Das ist beileibe keine Lappalie: In einem angesehenen Zittauer Sportgeschäft gibt es Klamotten, deren Hauptabnehmer aus rechtsextremistischen Kreisen kommen. Man kann die Argumentation des Ladeninhabers durchaus nachvollziehen, teilen kann man sie nicht: Andere Sportgeschäfte haben Erfolg und bestehen am Markt – ohne diese Produkte anzubieten. Viel ist von Zivilcourage immer wieder die Rede. Solange sie nichts kostet, will niemand auf sie verzichten. Doch hier haben wir in der Tat ein Beispiel, wo es wehtut: Soll man mit allen Konsequenzen auf ein Geschäft verzichten, „nur“ weil es in extremistischem Fahrwasser getätigt wird? Ja, völlig unabhängig von links oder rechts. Denn ansonsten ist Zivilcourage nur eine hohle Phrase. Wenn die Bürger nicht im Alltag jeder Versuchung widerstehen und entgegentreten, dann schleicht sich das Gift der Extreme ein. „Ich nicht“, heißt gegenwärtig ein Bestseller auf dem Büchermarkt, in dem ein solcher Fall anhand einer bürgerlichen Familie in den 30er Jahren geschildert wird. Es wäre gut, das Sportgeschäft würde das auch sagen.

Quelle: Sächsische Zeitung, 10. Oktober 2006

Geschäft nimmt umstrittene Ware aus Sortiment

Zittau. Das Unternehmen Sport Wagus hat den Verkauf von Kleidung der Marke „Thor Steinar“ gestoppt. Das teilte Geschäftsführer Thomas Wagner mit. In einer schriftlichen Erklärung verweist er darauf, dass ihm zunächst nicht bewusst war, „welche Kreise der Verkauf dieser Produkte zieht“. Mittlerweile habe er aber als Geschäftsführer entschieden, „die Marke ,Thor Steinar’ aus dem Sortiment zu nehmen“.

Die SZ hatte Anfang Oktober über den Verkauf dieser Waren in dem Zittauer Sportgeschäft berichtet, die vor allem in der rechtsextremistischen Szene Verbreitung findet. Daraufhin hatten politische Parteien wie die SPD ein Ende des Verkaufs gefordert. Wagner richtete seine jetzige Erklärung daher auch an vier Fraktionen des Kreistages oder deren Parteizentralen in der Region: CDU, Linkspartei.PDS, SPD, Bündnisgrüne.

Wagner führt in seinem Schreiben auch an, dass sein Unternehmen mit der Förderung des Kinder- und Jugendsports in der Stadt Zittau und darüber hinaus Verantwortung übernimmt. So gehört er zu den Unterstützern des Zittauer Gebirgslaufs, des 1. Zittauer Frauenlaufs und der Eishockeymannschaft des „Jonsdorfer EHC“.

Abschließend heißt es in der Erklärung: „Sport Wagus wie auch seine Mitarbeiter stehen für Toleranz und Respekt im Umgang miteinander. Wir sind gegen Extremismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit.“ (SZ/sb)

Quelle: Sächsische Zeitung, 21. Oktober 2006