AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

Sie sind hier: Startseite » Artikelarchiv » Presseartikel

Sieben Monate nach den Dresdner EM-Krawallen steht der Erste vor Gericht (SäZ, 15.01.2009)

Von Alexander Schneider

Neonazi Willy K. soll nach dem Spiel Deutschland gegen Türkei Überfälle auf Dönerläden im Szeneviertel der Landeshauptstadt organisiert haben.

Dresden. Gestern hat der erste Prozess nach den fremdenfeindlichen Überfällen auf drei türkische Lokale in der Dresdner Neustadt begonnen. Als Einziger von derzeit 58 Beschuldigten muss sich der 21-jährige Dresdner Willy K. nun vor der Jugendkammer des Landgerichts Dresden wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Laut Anklage war der bereits einschlägig vorbestrafte Angeklagte am 25. Juni 2008 an den Angriffen auf die Döner-Läden maßgeblich beteiligt. Mehrere Dutzend rechtsextreme Dynamo-Hooligans waren nachts nach dem Halbfinalspiel Deutschland gegen die Türkei während der Fußball-EM überfallartig durch das belebte Szeneviertel gestürmt. Sie zündeten Böller, warfen Flaschen, schlugen auf andere ein. Mindestens vier Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, in drei Lokalen entstand Schaden.

Willy K. soll drei Handy-Botschaften an 60 potenzielle Mittäter versandt haben. So informierte er zwei Tage zuvor: „Wer Zeit hat! Mittwoch, 20 Uhr, Acki! Schwarzer Pulli von Vorteil!“ Am Tattag soll K. ein Bild von sich selbst verschickt haben, das ihn vermummt mit Sturmhaube und Sonnenbrille zeigte. Um 20.35 Uhr schrieb er „Ackis, alle!“ Nach 22 Uhr sollen dann die Täter unter anderem von ihrem Treff, einer Kneipe namens Acki’s Sportbar in der Nähe des Dynamo-Stadions, in die Neustadt losgezogen sein.

Willy K. werden außerdem zwei Körperverletzungen vorgeworfen. So soll er mit anderen vor und in Diskos in Dresden und Dippoldiswalde Besucher brutal zusammengeschlagen und verletzt haben.

Der Angeklagte, der bis zu seiner Inhaftierung Mitte Juli 2008 als Ordner in einer Security-Firma beschäftigt war, schwieg auch gestern zu den Vorwürfen. Das Gericht will nun 64 Zeugen hören. Der Prozess wird vermutlich bis März dauern, zwölf Sitzungstage sind geplant.