AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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Schlägereien, Skinhead-Konzerte, Demo

Verfassungsschutz sieht Region nicht als braune Keimzelle - Hintergründe
des Zirkusüberfalls unklar

Aufregung in Triebel: In dem obervogtländischen Dorf hält sich das Gerücht, wonach die Täter, die am Wochenende ein Zirkuszelt zerschlitzt haben, zur rechtsradikalen Szene gehören. Die Männer grölten Nazi-Parolen, berichten Augenzeugen. Einen 20-jährigen Plauener hat die Polizei festgenommen. Obwohl die Hintergründe des Überfalls noch unklar sind, steht eines fest: Rechtsextreme schnüren ihre Springerstiefel im Vogtland und drängeln sich in die Schlagzeilen.
In den Augen des Landesamtes für Verfassungsschutz ist die Region keine braune Keimzelle. Zwar hat die NPD sowohl in Plauen als auch im Vogtlandkreis Kreisverbände. Die Strukturen seien aber "durchschnittlich". Öffentlich wirksame Veranstaltungen hätten die Verbände bisher nicht organisiert. Und trotzdem: Im Februar kam der sächsische Landesverband der NPD mit rund 100 Männern und Frauen nach Bergen, um seinen Parteitag durchzuführen. Ein Gastwirt stellte seine Räume zur Verfügung.
Militante rechtsextreme Szenen existieren laut Verfassungsschutz auch im Vogtland. In Plauen gibt es demnach eine unstrukturierte Skinhead-Szene, ebenso im Vogtlandkreis. Bekannt ist eine Skinhead-Gruppe, die sich "Alcoholocaust Vogtland" nennt und im Raum Reichenbach unterwegs ist. In Mylau gibt es einen Szene-Laden, eine Reichenbacher Skinhead-Band bedient die Rechten mit Musik, es fanden Konzerte mit mehreren Gruppen statt. Im vergangenen Jahr zählte der Verfassungsschutz in Plauen 32 Propagandadelikte. Im Landkreis waren es noch zehn mehr.
Eine Gewalttat ging 2005 auf die Kappe von Rechtsextremen. In der Heiligen Nacht stürmten etwa 20 Jugendliche die "Kaffeerösterei" in Plauen - ein Tanzlokal, das als Treff der alternativen Szene gilt. Etwa 20 Männer, die laut Polizei dem rechten Rand angehören, schlugen dort mehrere Leute brutal zusammen. Mindestens sieben Personen wurden verletzt, darunter eine Polizistin. Drei der Schläger kamen wegen Landfriedensbruchs in Untersuchungshaft. Demnächst stehen sie vor Gericht. Erst wenige Wochen zuvor hatten Rechtsextreme Ärger gesucht. Sie hatten den "Schuldenberg" angegriffen, ein alternatives Wohnprojekt an der Thiergartner Straße. Nach Recherchen der "Freien Presse" hatte sich ein Dutzend Männer dort versammelt. Im Juni wurde in Weischlitz ein Jugendlicher von mehreren Leuten krankenhausreif geprügelt. Auch dort sollen Rechte beteiligt gewesen sein.
Für Mitte September planen junge Nazis ihren großen Auftritt in Plauen: Sie wollen zum Thema Globalisierung demonstrieren, die Genehmigung haben sie. Die Plauener, allen voran das Jugendparlament, wehren sich jedoch. Es soll eine Gegen-Demo geben. Motto: "Bunt statt Braun". (manu)

Quelle: Freie Presse, Lokalausgabe Plauener Zeitung, 29. August 2006