AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

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Rechtsradikale wandern Jahre hinter Gitter (FP, 12.11.2008)

Drei junge Männer aus Reichenbach und ein Callenberger wegen schwerer Brandstiftung verurteilt - Angeklagte "national stramm gesinnt"

Von Petra Steps

Reichenbach/Auerbach. Wegen versuchter schwerer Brandstiftung und Herstellung sowie Verwendung einer verbotenen Waffe mussten sich am Montag vier junge Männer vor dem Schöffengericht in Auerbach verantworten. Sie hatten im April versucht, einen türkischen Imbiss in der Reichenbacher Innenstadt mit einem Molotow-Cocktail anzuzünden. Zur Tatzeit hielten sich mindestens 20 Personen, darunter besonders viele Kinder, in dem Gebäude auf. Das Gericht verhängte hohe Haftstrafen gegen drei der vier Angeklagten.

Drei Jahre Gefängnis ohne Bewährung lautete das Urteil für zwei Reichenbacher. Weil sie zum Tatzeitpunkt 18 und 20 Jahre alt waren, kam das Jugendstrafrecht zum Tragen. Das Gericht stufte sie jedoch als Haupttäter ein. Zwei Jahre und sechs Monate muss der dritte im Bunde in den Knast. Er hatte den Wagen gefahren, mit dem sie zum Tatort gefahren waren. Glimpflich kam der vierte Verurteilte davon. Er wurde als Mitläufer eingestuft und stand während des Anschlags etwas abseits. Er erhielt eine Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss er 1200 Euro an den Reichenbacher Verein Leuchtturm zahlen. Dieser kümmert sich um Minderheiten und sozial benachteiligte.

Zum Tatablauf: In der Nacht zum 7. April hatten die jungen Männer einen Molotow-Cocktail auf eine türkische Gaststätte in der Reichenbacher Fußgängerzone geworfen. Glücklicherweise prallte der Brandsatz vom Fenster ab - das Haus ging nicht in Flammen auf. Neben der Gaststätte befinden sich in dem Gebäude sechs Wohnungen. Die Flasche zerbrach und brannte auf der Straße ab. Die vier jungen Männer, drei von ihnen aus Reichenbach, einer aus Callenberg/Landkreis Zwickau, waren unterschiedlich an der Tat beteiligt und wurden demzufolge mit verschiedenen Strafen belegt. Am härtesten traf es zwei Reichenbacher, die zum Zeitpunkt der Tat 18 beziehungsweise 20 Jahre alt waren. Der 18-Jährige hatte die Idee zu der Tat. Er zündete den Brandsatz.

Im Keller des 20-Jährigen wurde der Molotow-Cocktail gebaut, er spendierte die "Zutaten" und warf ihn auf das Haus. Der dritte kutschierte die anderen Täter in die Fußgängerzone. Der vierte Täter war am geringsten beteiligt. Allen vier Verurteilten gemeinsam ist die rechtsradikale Einstellung, die zu dem Anschlag führte. Zumindest drei von ihnen waren an dem Abend betrunken. Ursprünglich wollten die Täter zum Ausländerwohnheim in Cunsdorf. Die Idee wurde verworfen. Dafür ging es zum Restaurant, von dem sie annahmen, dass es einem Türken gehöre, mit dem es am Vortag Zoff gab. Der 18-jährige Haupttäter hatte dem Mann vor einem Einkaufsmarkt einen Tetrapack auf die Windschutzscheibe des Autos geworfen. Im Anschluss kam es zu einem Gerangel. Der Richter schätzte die Angeklagten als "national stramm gesinnt ein", und was bei der Gesinnung zu viel sei, fehle am Intellekt.