Rechtsextreme: Backpfeifen in der NPD-Fraktion (SäZ, 13.11.2008)
Im Sächsischen Landtag ist es in der NPD-Fraktion zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen.
Wie die Fraktion bestätigte, hat Mitarbeiter Peter Naumann am Dienstag nach einem lautstarken Streit dem Lantagsabgeordneten Jürgen Gansel einen Schlag ins Gesicht versetzt. Auslöser der Auseinandersetzung sei "eine taktische Frage über das Vorgehen der Landespartei gewesen", sagte Fraktionssprecher Arne Schimmer.
Das Verhältnis zwischen Naumann und Gansel sei aber schon längere Zeit belastet gewesen. NPD-Fraktionschef Holger Apfel habe wegen des Schlages gegen Naumann "eine arbeitsrechtliche Maßnahme" eingeleitet.
Staatsanwalt: "Behandeln das wie Wirtshausschlägerei"
Die Schlägerei blieb in der Landtagsverwaltung zunächst unbemerkt. "Wir sind nicht offiziell informiert worden", sagte Landtagssprecher Ivo Klatte. Auch für die Dresdner Staatsanwaltschaft ist die Auseinandersetzung kein Thema. "Wir behandeln das als private Auseinandersetzung oder Wirtshausschlägerei", sagte Christian Avenarius, der Sprecher der Behörde.
Rechtsterrorist kontra Ex-CDU Mitglied
Jürgen Gansel und Peter Naumann vertreten unterschiedliche Flügel der NPD, so war der Diplom-Chemiker Naumann lange als militanter Rechtsextremer aktiv. Der ehemalige stellvertretende Bundesvorsitzende der NPD-Jugendorganisation JN war 1988 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er mehrere Sprengstoffanschläge verübt hatte. So sprengte Naumann am 18. Januar 1971 mit einem Komplizen Sendeanlagen des Südwestfunks und der Bundespost, um damit die Ausstrahlung der US-Fernsehserie "Holocaust" zu verhindern. Als die Polizei 1981 in der Lüneburger Heide ein umfangreiches Waffendepot entdeckte, fand sie auch die Fingerabdrücke von Peter Naumann. Bei Wohnungsdurchsuchung entdeckte die Polizei dann 1995 erneut zwei Rohrbomben. Später offenbarte Naumann den Beamten 13 weitere Waffendepots. Naumann war ab 2004 zunächst Referent des NPD-Abgeordneten Jürgen Menzel. Seit 2007 ist der Rechtsextreme parlamentarischer Berater der Fraktion.
Jürgen Gansel war von 1989 bis 1993 zunächst Mitglied der Jungen Union und der CDU. Später wurde der Politikwissenschaftler Mitglied rechtskonservativer Burschenschaften. Der NPD trat Gansel 1998 bei, bis 2004 war Gansel "Schriftleiter" des Parteiorgans "Deutsche Stimme". Der hessische Verfassungsschutz geht davon aus, dass Gansel Teil des Versuches der NPD ist, in intellektuellen Kreisen Fuß zu fassen. Im Sächsischen Landtag fiel Gansel mehrfach durch Hetzreden auf. So sprach er 2005 von einem "Bomben-Holocaust", der am deutschen Volk verübt worden sei. Zuletzt äußerte sich Gansel rassistisch über den künftigen US-Präsidenten Barack Obama.
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