AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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Prozess wg. Brandanschlag auf Wohnhaus in Mylau (Presseschau, 04.-05.11.2008)

Vor dem Landgericht Zwickau wird der Prozess wg. versuchten Mordes gegen zwei 16-jährige Jugendliche aus dem Vogtland geführt. Ihnen wird der Brandanschlag auf ein Wohnhaus in Mylau im Oktober 2007 zur Last gelegt.

Molotow-Cocktails: Tätern wird der Prozess gemacht (Chemnitzer Morgenpost, 05.11.2008)

ZWICKAU/MYLAU - Sollten ihre Opfer jämmerlich verbrennen? Vor der Jugendkammer des Zwickauer Landgerichts begann gestern der Prozess gegen zwei junge Mylauer (Vogtland) wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung.

Die beiden 16-Jährigen sollen vergangenen Oktober nachts zwei Molotow-Cocktails auf das Haus einer Familie geworfen haben. Nur weil der Vater noch wach war, konnten er, seine Frau, die beiden erwachsenen Töchter und ein Freund der Familie einem Inferno entkommen.

Der Hintergrund ist möglicherweise rechtsradikal. Der Vogtländer war mit seiner Frau, einer gebürtigen Mainzerin, und den Töchtern Mitte der 1990er-Jahre in seinen Heimatort zurückgekehrt. Dort hielt sich das Gerücht, dass die Mutter angeblich Ausländerin sei. "Die Familie wurde über Jahre drangsaliert, mit Hitlergruß begrüßt", so André Löscher von der Opferhilfe Chemnitz. Die Attacke des Nachbarsjungen und eines Freundes war schließlich "die Spitze des Eisbergs", wie es Bürgermeister Christoph Schneider (49, CDU) nannte. "Diskriminierung steht keinem zu, und so will ich das auch in Mylau gehandhabt wissen", sagt er. "Die Jugendlichen gestehen den Brandanschlag, bestreiten jedoch eine Tötungsabsicht", so Richter Altfrid Luthe.

Übrigens: Den offenbar fremdenfeindlichen Hintergrund hatte die Polizei keiner Meldung an die Presse für wert befunden. Zwickaus Polizeipräsident Dieter Kroll (54) teilte mit, man habe damals "erst nach und nach Hinweise auf einen politisch motivierten Hintergrund erhalten". *(dkl/fle)

Mordvorwurf gegen Jugendliche (Freie Presse, 04.11.2008)

Anschlag in Mylau: Mutmaßliche Täter heute vor Gericht

Zwickau/Mylau

Am Landgericht in Zwickau beginnt heute der Prozess gegen zwei Jugendliche, die im September vergangenen Jahres einen Brandsatz, einen so genannten Molotow-Cocktail, gegen das Haus einer Mylauer Familie geworfen haben sollen. Offenkundig lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft versuchter Mord, doch offiziell ist dazu nichts zu erfahren. Da es sich bei dem Verfahren mit dem Aktenzeichen 503 Js 24347/07 um eine Straftat Jugendlicher handelt, wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen. In dem an die Medien übermittelten Sitzungsplan ist das Verfahren genannt, nicht aber der Tatvorwurf. Altfrid Luthe, Pressesprecher des Zwickauer Landgerichts, lehnte gestern jede inhaltliche Äußerung strikt ab. Immerhin: Anhand der anberaumten vier Sitzungstermine lässt sich die Bedeutung des Verfahrens erahnen.

Auch von der Staatsanwaltschaft in Zwickau, die offenbar Mordanklage gegen die zwei 16-Jährigen erhoben hat, war gestern nichts zu erfahren. Inzwischen sei die Sache bei Gericht anhängig, erklärte Staatsanwalt Frank Hoffmann auf eine entsprechende Anfrage. Dass Gerichtssprecher Luthe so rein gar nichts dazu sagen will, darauf könne er sich aber auch keinen Reim machen, meinte Hoffmann. Mehr war gestern indes ausgerechnet vom Opfer zu erfahren. Sonja Tellschaft, gegen deren Haus der Brandsatz geworfen wurde, tritt in Zwickau als Nebenklägerin auf. "Ich verwahre mich gegen die verharmlosende Formulierung ,Nachbarschaftsstreit'", sagte die Mylauerin. Seit elf Jahren sei ihre Familie Anfeindungen ausgesetzt, der
Brandanschlag sei der traurige Höhepunkt und verdeutliche den Ernst der Lage. Nur weil ihr Mann in jener Nacht wach geworden war, ging alles glimpflich aus, sagt Sonja Tellschaft.

Unterstützung erhält die Mylauer Familie von der Opferberatung Chemnitz, die sich um Betroffene rechtsextremistischer Gewalt kümmert. Allein die Annahme, es handele sich bei Familie Tellschaft um Ausländer oder Juden, habe die mutmaßlichen Täter motiviert, Brandsätze zu basteln und gegen das Haus der verhassten Familie zu werfen, sagt André Löscher von der Opferhilfe. "Dabei nahmen sie deren Verletzung oder Tod in Kauf", erklärt Löscher. Das sei nur durch das zufällige Einschlagen des Geschosses auf dem Fenstersims und das schnelle Löschen verhindert worden.