AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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Neonaziterror in Meerane – Brandstiftung auf das Gebäude des ehemaligen MdL Uwe Adamczyk mit einhergehenden versuchten Mordanschlag

Brandanschlag auf linken Politiker

Wir dokumentieren eine Pressemitteilung des ehemaligen sächsischen PDS-Landtagsabgeordneten Uwe Adamczyk, auf dessen Wohnhaus mutmaßlich Rechtsextreme am 15.09.2006 einen Brandanschlag verübten. AMAL war bereits mehrfach wegen der Situation hinsichtlich rechtsextremer Aktivitäten in Meerane, das aus unserer Sicht durchaus als eine sogenannte no-go-area bewertet werden kann. Wir unterstützen die Erklärung Adamczyks und fordern die restlose Aufklärung der Straftat.

Pressemitteilung von Uwe Adamczyk/ Meerane

Neonaziterror in Meerane – Brandstiftung auf das Gebäude des ehemaligen MdL Uwe Adamczyk mit einhergehenden versuchten Mordanschlag

Zum erneuten Angriff auf den ehemaligen Landtagsabgeordneten der PDS und antifaschistischen Sprecher Uwe Adamczyk erklärt dieser:

In der Nacht vom Freitag d. 15.09. auf Samstag d. 16.09.2006 kam es gegen 3:20 Uhr zu einem erneuten Anschlag auf ein von mir bewohntes Gebäude. Gegen 3:20 Uhr drangen mehrere der rechtsorientierten Szene zugehörige Personen über ein Schaufenster in das Gebäude Ecke Annenstraße / Innere Crimmitschauer Str. ein und zündeten ein dort abgestelltes Kleinkraftrad S51 an.

Wie mir nun zwischenzeitlich bekannt geworden ist, war es die eindeutige Absicht der Täter meinen Tod billigend in Kauf zu nehmen. Damit werden aus meiner Sicht eindeutig die Straftatbestände Einbruch, Brandstiftung, versuchter Mord und Sachbeschädigung erfüllt. Mein Dank und Anerkennung gilt dem aufmerksamen Verhalten eines Nachbarn, der sofort die Feuerwehr alarmierte und dem schnellen Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr Meerane, so konnte größerer Schaden verhindert werden. Zum Zeitpunkt der Tat hielten sich 3 Mieter in dem Gebäude auf die ohne Verletzung das Gebäude verlassen konnten.

Nicht zum ersten Mal haben rechtsorientierte Kräfte versucht mir Schaden zuzufügen. Erinnert sei in diesem Zusammenhang:
- In der Nacht vom 13.12. zum 14.12.2005 wurde eine Schaufensterscheibe eingeschlagen bzw. eingetreten,
- In der Nacht vom 27.12. zum 28.12.2005 wurde 2x eine Schaufensterscheibe eingeschlagen mit einem Bierglas bzw. einem Fahrradständer,
- In der Nacht vom 29.12. zum 30.12.2005 wurden 2 weitere Schaufensterscheiben mittels Steine eingeschlagen

Der entstandene Sachschaden beträgt in diesen Fällen etwa 3.000,00 Euro. Zu diesen wie auch weiteren Vorfällen (Illigeale Graffittisprühereien, Einbruch) wurde meinerseits Anzeige erstattet. Alle Ermittlungen hierzu wurden zwischenzeitlich durch die Staatsanwaltschaft Chemnitz mit der Begründung – man könne die Täter nicht ermitteln – eingestellt.

Dies waren aber nicht die einzigen Ereignisse in dieser Zeit. So wurden auch Scheiben des Wohnhauses des Bürgermeisters der Stadt Meerane Prof. Dr. Ungerer und das Schaufenster eines Dönerladens in der August-Bebel-Str. in Meerane durch rechtsorientierte Personen eingeschlagen. Nicht unerwähnt dürfen bleiben immer wieder Übergriffe und Pöbeleien von rechtsorientierten Personen auf andersdenkende und anderaussehende Personen. Zumeist wurde hier nicht mehr Anzeige erstattet weil kaum noch jemand ernsthaft glaubt das ihnen geholfen wird bzw. das man die Täter tatsächlich ermittelt und zur Verantwortung zieht. In Meerane hat sich seit der politischen Wende 1990 eine recht feste und beständige rechte Szene entwickeln können unterschiedlicher Richtungen. Zahlreiche Personen konnten sich im Laufe der Jahre hier fest etablieren und sind heute zum Teil anerkannte Personen. Am Anfang war die rechtsextreme NPD hier kaum der Reede wert, aber auch im Laufe der Jahre hat auch Sie in Meerane nicht nur unter Jugendlichen Zustimmung und Einfluß gewonnen. Größeren Widerstand hatte die rechtsorientierte Szene in Meerane kaum zu fürchten. Alternativ und linksorientierte Personen wurden nicht selten eingeschüchtert und bedroht und zogen es nicht selten vor, der Stadt den Rücken zu kehren. Alternative Projekte hatten somit nahezu keine Möglichkeit sich zu entwickeln. In der Masse der Bevölkerung herrscht eisiges Schweigen oder aber auch vielleicht Angst?

Nach dem Einzug der rechtsextremen NPD in den Sächsischen Landtag scheint auch in Meerane ein härterer Kurs dieser Partei gefahren zu werden. Mit der Eröffnung eines Wahlkreisbüros in der Äußeren Crimmitschauer-Str. in Meerane durch die NPD-Abg. Gitta Schüßler aus Limbach-Oberfrohna und ihres persönl. Mitarbeiters Herr Gentsch aus Meerane scheint man nun hier eine neue Basis der NPD aufbauen zu wollen nach dem Prinzip der National befreiten Zonen. Nach außen geben sich die Damen und Herren als brave Staatsbürger. Welchen Geist sie jedoch tatsächlich vertreten, das belegen zahlreiche Äußerungen die sie nicht selten auch im Sächsischen Landtag öffentlich darstellen.

Die Polizei versucht nun die Täter zu ermitteln. Zu hoffen bleibt, dass diese Ermittlungen nicht wieder im Sande verlaufen und die Täter endlich einer gerechten Strafe entgegensehen sollen. Die zwischen der Polizei und mir geführten Gespräche lassen hoffen. Aber auch die Bürger selbst sind zu mehr Zivilcourage aufgerufen. Rechtsextremen und Rassistischen Parolen und Verhaltensweisen muß eindeutig Einhalt geboten werden. Jeder Bürger hat daran selbst eine eigene Verantwortung.

Meerane, d. 18. September 2006
Uwe Adamczyk