Nazi-Konzert im Vogtland aufgelöst
Presseberichte 28.-29.08.2006
Freie Presse Oberes Vogtland, 28.8.´06
Polizei löst Skinhead-Konzert auf
Ruhestörung und rechte Parolen
Oberlauterbach. Die Polizei hat in der Nacht zum Sonntag ein Skinhead-Konzert in Oberlauterbach aufgelöst. Schauplatz der laut Polizei rechtextremistischen Veranstaltung war der Gasthof "Zum Goldenen Hirschen". Die Polizei begründete das Einschreiten mit Ruhestörung und damit, dass Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen verwendet wurden. Das Konzert wurde gegen 3 Uhr aufgelöst. Dieser Weisung leisteten die Gäste Folge, so die Polizei.
Die Veranstaltung war gegenüber Anwohnern als private Feier angekündigt worden, "bei der es halt ein bisschen lauter zugeht", so eine Nachbarin gestern zur "Freien Presse". Doch an dem Konzert nahmen etwa 250 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet und aus Tschechien teil, die "dem äußeren Erscheinungsbild nach der rechten Szene zuzuordnen waren", so die Polizei. Außerdem seien rechtsextremistische Parolen gerufen worden. Das Konzert fand knapp eine Woche vor der für 1. September geplanten Wiedereröffnung des Gasthofes statt. (how)
Auerbacher Zeitung, 28.8.´06
Polizei löst Skinhead-Konzert auf
250 Personen versammeln sich in Oberlauterbacher Gasthof - Ruhestörung und rechtsextremistische Parolen lassen Ordnungskräfte einschreiten
Von Holger Weiß
Oberlauterbach. Die Polizei hat in der Nacht zum Sonntag ein Skinhead-Konzert in Oberlauterbach aufgelöst. Schauplatz der laut Polizei rechtextremistischen Veranstaltung war der Saal im "Gasthof zum Goldenen Hirschen". Die Polizei begründete das Einschreiten mit Ruhestörung und damit, dass Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen verwendet wurden. Das Konzert gegen 3 Uhr aufgelöst. Die Gäste leisteten der Anweisung Folge, so die Polizei.
Die Veranstaltung war nach Recherchen von "Freie Presse" gegenüber Anwohnern als private Feier angekündigt worden, "bei der es halt ein bisschen lauter zugeht", so eine Nachbarin. Doch an dem Konzert mit einer Band sollen etwa 250 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus Tschechien teilgenommen haben, die "dem äußeren Erscheinungsbild nach der rechten Szene zuzuordnen waren", so die Polizei gestern. Im Verlaufe der Nacht seinen außerdem rechtsextremistische Parolen gerufen worden. Anwohner bestätigten den nächtlichen Polizeieinsatz und sprachen von mehreren Verhaftungen. Laut Polizei gab es keine Verhaftungen, es werde jedoch wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen ermittelt.
Das Konzert fand knapp eine Woche vor der für den 1. September geplanten Wiedereröffnung des "Gasthof zum Goldenen Hirschen" statt. Der Oberlauterbacher Landgasthof war vor genau einem Jahr von der in Franken ansässigen Firma PBS-Gastroservice wiedereröffnet worden. Der damalige Pächter hatte allerdings schon im Frühjahr 2006 das Handtuch geworfen. Seitdem war der Gasthof geschlossen.
Besitzer ist nach wie vor der frühere Betreiber Klaus Knauer, der inzwischen in Bergen den Gasthof "Goldener Hahn" führt. In dem Lokal war im Oktober 2005 ebenfalls ein illegales Skinhead-Konzert aufgelöst worden. Überregional für Schlagzeilen gesorgt hatte der Bergener Gastwirt, als er im Februar 2006 einen Saal für den Landesparteitag der sächsischen NPD zur Verfügung stellte.
Wie Knauer der "Freien Presse" sagte, habe er mit der Verpachtung des Gasthofes Oberlauterbach einem jungen Mann und dessen Familie eine berufliche Existenz ermöglichen wollen. "Auch ein Verkauf wurde erwogen", so Klaus Knauer, der von den Vorgängen in Oberlauterbach gehört hat. Ihm gegenüber sei jedoch nur von einer privaten Geburtstagsfeier im Saal die Rede gewesen. Offenbar weiß der Wirt um den politischen Hintergrund seines Geschäftspartners: "Mir hat er aber gesagt, er sei vor einem halben Jahr aus der NPD ausgetreten", so Knauer. Dennoch habe er den Pächter gewarnt, "sich auf solche Geschichten einzulassen. Das bringt nur Ärger". Nach den Ereignissen habe er den Pächter gestern zur Rede gestellt. "Aber eine Wahl habe ich nicht, so lange die Interessenten für den Goldenen Hirschen nicht Schlange stehen", will der Wirt am neuen Pächter festhalten.
Eine Straftat mit möglicherweise rechtem Hintergrund hatte sich in der Nacht zum Samstag auch in Triebel ereignet. Dort beschädigten Personen das Zelt und die Ausstattung eines Zirkus. Der Überfall war zuvor angekündigt worden.
Freie Presse Lokalausgabe Reichenbacher Zeitung, 29. August 2006
Illegales Skinhead-Konzert auch im Falkensteiner Rathaus Thema
Polizei und Stadtverwaltung werten Ereignisse in Oberlauterbach aus
Oberlauterbach/Falkenstein. Vertreter von Polizei und Stadtverwaltung haben gestern bei einem Gespräch im Falkensteiner Rathaus die Ereignisse vom Wochenende in Oberlauterbach ausgewertet. In dem Falkensteiner Ortsteil war in der Nacht zum Sonntag ein Konzert im Saal des "Gasthofes zum Goldenen Hirschen" von der Polizei aufgelöst worden, das die Ordnungskräfte als "rechtextremistische Veranstaltung" einstuften. Polizeisprecher Volker Kroh nannte die Gesprächsrunde im Falkensteiner Rathaus eine "routinemäßige Auswertung": "Wir haben die Stadt offiziell von unserem Einsatz in Oberlauterbach und den damit zusammenhängenden Ereignissen informiert." Rund 50 Polizisten waren von Samstagabend bis Sonntagfrüh in dem Dorf im Einsatz, wo sich etwa 250 Anhänger der rechten Szene aus Deutschland und Tschechien zu einem Konzert versammelt hatten. Das Konzert war vom Mieter das Saales, einem jungen Mann aus Auerbach, als private Feier deklariert und nicht angemeldet worden.
"Zu den Straftaten, die in Zusammenhang mit dem illegalen Konzert festgestellt wurden, ermittelt die Polizei. Wir als Stadtverwaltung werden den Beschwerden wegen Lärm und Ruhestörung nachgehen", kündigte Falkensteins Bürgermeister Arndt Rauchalles (CDU) nach dem gestrigen Gespräch an. Die Stadt wolle zudem alle Vorgänge um den Oberlauterbacher Landgasthof beobachten, zum Beispiel in Hinblick auf die geplante Wiedereröffnung, "von der im Rathaus bislang nichts bekannt ist".
Aus diesem Grund sei ein Gespräch mit dem Besitzer geplant, der den seit einem halben Jahr geschlossenen Gasthof wieder verpachten möchte. "Bei allem Verständnis für die wirtschaftliche Situation in der Gastronomie - sowas passt nicht hierher", sagte der Bürgermeister unter Hinweis auf das Skinhead-Konzert. Rauchalles sieht den Besitzer des Gasthofes in der Verantwortung. Daran und an seine Pflichten werde man den Besitzer in dem geplanten Gespräch erinnern. (how)
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