Nazi-Demo löst Widerstand aus (FP, 05.11.2008)
Reichenbach: NPD marschiert am Samstag - Bündnis Buntes Vogtland hält gegen
Von Ulrich Riedel
Reichenbach. Reichenbach steht ein unruhiges Wochenende bevor. Am Samstag ziehen NPD und weitere rechte Organisationen durch die Stadt. Während das offizielle Reichenbach der direkten Konfrontation ausweicht und am Sonntag zur Teilnahme an einer Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht aufruft, will das Bündnis Buntes Vogtland zeitgleich mit dem Nazi-Aufmarsch eine Gegendemo organisieren.
Ausgerechnet einen Tag vor jenem 9. November, der vor 70 Jahren als Auftakt zu Judenverfolgung und -vernichtung in die Geschichte eingegangen ist, wollen die Rechtsradikalen durch Reichenbach marschieren. Als Redner sind NPD-Landtagsabgeordneter Jürgen Gansel, NPD-Kreisvorsitzende Nicole Fortak und der berüchtigte Liedermacher Tony Gensch angekündigt. Sie fordern den Stopp von Anti-Rechts-Programmen, diese seien "Steuergeldverschwendung", wettert die NPD.
Doch Reichenbachs OB Dieter Kießling und inzwischen auch sein Mylauer Amtskollege Christoph Schneider (beide CDU) nutzen diese Programme rege. Wie gut diese Programme besonders in Reichenbach bei der "Zurückdrängung der rechtsextremistischen Skinheadszene" wirken, darüber hat Kießling bereits bei der Friedrich-Ebert-Stiftung und anderswo referiert.
Gegen den rechten Spuk will Reichenbachs OB mit dem Schweigemarsch ein Zeichen setzen: "Nie wieder Diktatur und Gewaltherrschaft", sagt Kießling und appelliert an die Bürger, am Sonntag, 17 Uhr dabei zu sein. Alle Stadtratsfraktionen stehen dazu. Vor dem Marsch wird Pfarrer Andreas Alders auf dem Kirchplatz eine Ansprache halten. Dann zieht die Demo zum Rathaus, wo Kerzen auf den Rathaustreppen abgestellt werden sollen und der OB ein paar Worte spricht.
Ein anderer Aufruf kommt vom Bündnis Buntes Vogtland. Der Zusammenschluss aus Linken, SPD, Grünen sowie Gewerkschaften ruft für Samstag, 14 Uhr zur Demo "Gemeinsam gegen Rechts - Für ein buntes Vogtland" auf. Direkt vor dem Neuberinhaus halten Constantin Eckner vom Jugendparlament Plauen und der Thüringer Landtagsabgeordnete Roland Hahnemann (Linke) Ansprachen.
Allerdings hätte VVN-Vizechef Peter Giersich eine gemeinsame Veranstaltung für wirkungsvoller gehalten. "Einen Tag später zu demonstrieren, das halte ich nicht für sinnvoll", so Giersich.
Da widerspricht der Reichenbacher SPD-Vize Uwe Kukutsch. Es reiche, den NPD-Aufmarsch zu ignorieren. Deshalb werde er, wie der Stadtrat insgesamt, Sonntag beim Schweigemarsch dabei sein. Für die NPD-Demo reiche ein Polizeiaufgebot. "Die sollen spüren, dass die Demokratie wehrhaft ist", sagt Kukutsch. Juso-Vorsitzender Benjamin Zabel ruft derweil auf, an beiden Anti-Rechts-Demos teilzunehmen.
Die Polizei trifft unterdessen Vorbereitungen und will eine mögliche Eskalierung im Keim ersticken. Wie Polizeisprecher Jan Meinel erklärt, werde am Donnerstag über Details beraten. Zur Nazi-Demo am 20. September in Zwickau waren fast 400 Beamte im Einsatz. (mit gem und khku)
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