AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

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AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
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Kontroverse um alternativen Jugendklub in Limbach-Oberfrohna (FP, 23.-26.10.2008)

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Jugendklub öffnet sich zur Stadt (Freie Presse, 26.10.2008)

Vereinsmitglieder dürfen im Haus bleiben - Polizei bestätigt: Am Sonntag wurden Hakenkreuze eingeritzt

Von Gudrun Müller

Limbach-Oberfrohna. Spanplatten statt Schaufensterscheiben - die Spuren der Gewalt gegen den neuen Jugendklub an der Helenenstraße sind noch sichtbar. Doch die Einweihung des Treffs am Samstag in Limbach-Oberfrohna verläuft am Samstag ruhig. Einen Tag später sind Hakenkreuze auf den Platten eingeritzt.

Die Tür des neuen Jugendklubs an der Helenenstraße in Limbach-Oberfrohna steht am Samstag weit offen - und das hat eine gewisse Symbolik.

Denn die 20 Jugendlichen des Vereins soziale und politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna gehen anlässlich der Eröffnung ihres so genannten Informationsladens auf Passanten zu, sprechen sie an, drücken ihnen selbst entworfene Schreiben, auf denen sie sich vorstellen, in die Hand und laden sie in ihren Treff ein. Doch etliche Limbacher stecken den Zettel weg und gehen schnell weiter.

Denn die Beschädigung des Klubs, bei dem die Polizei "einen politischen Hintergrund" nicht ausschließt, aber die nach mehreren Schilderungen Tätern der rechten Szene zugeordnet wird, verunsichert offenbar. "Schade", bedauert Gymnasiastin Janice das Verhalten vieler Passanten und fügt an: "Kinder sind da offener. Sie haben mit uns heute gemalt. Das hat Spaß gemacht." Doch wer der Einladung folgt und sich mit Kaffee und selbst gebackenem Kuchen bewirten lässt, ist beeindruckt: "Das ist toll, was die jungen Leute auf die Beine gestellt haben", sagt ein Ehepaar mit Kind. Beide Eltern sind 44 Jahre alt, wollen aber ihren Namen nicht nennen.

Sichtbar ist: Die jungen Leute haben in den Wochen seit August mit Unterstützung von Eltern den Putz erneuert, Wände farbenfroh und originell gestrichen, eine kleine Theke gezimmert, neuen Fußbodenbelag ausgelegt. Nachdem unzählige Stunden Arbeit und ihr Taschengeld in den Räumen stecken, wäre die am Donnerstag ausgesprochene Kündigung durch den Vermieter - der nach den Vorfällen vor einer Woche offenbar um den Hausfrieden fürchtete - eine Katastrophe gewesen, so Vereinschef Moritz Thielicke. Rechtsanwalt Klaus Bartl, zugleich Landtagsabgeordneter der Linken, hat per Schreiben vom Freitag der fristlosen Kündigung durch den Vermieter widersprochen. Doch gegen Ende der Einweihungsfeier haben die jungen Leute laut Moritz Thielicke erfahren, dass der Vermieter einlenkt und die jungen Leute im Haus bleiben dürfen.

Der Vereinschef betont, dass sich die jungen Leute nicht als einen politischen Verein sehen. "Wir haben allerdings etwas gegen Ausländerfeindlichkeit und alles, was menschenverachtend ist", sagt er.

Es würden sich im Klub junge Leute ohne Abschluss, Hauptschüler, viele Gymnasiasten, Azubis und Studenten gemeinsam treffen, fügt er hinzu. "Wir könnten uns vorstellen, Kindern aus sozial schwachen Familien Nachhilfe zu geben", bemerkt der 16-jährige Gymnasiast Daniel. "Da sich viele eine Kinokarte nicht leisten können, haben wir Videoabende mit anspruchsvollen Filmen geplant", erläutert Azubis Robert. Älteren Leuten würden sie gern beim Einkauf helfen.

Auch Petra Zais von der Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus schaut am Nachmittag bei den Jugendlichen vorbei und lobt: "Respekt vor dem, was die jungen Leute hier geleistet haben. Sie verstecken sich auch nicht und machen mit ihren Klub die Helenenstraße bunter."

Doch am Sonntag stellen die jungen Leute fest, dass auf den Platten ihres Klubs zwei Hakenkreuze eingeritzt sind, so Moritz Thielicke am Sonntagabend. Die Polizeidirektion bestätigte das.

Jugendklub soll am Freitag bis 17 Uhr ausziehen (Freie Presse, 23.10.2008)

Vermieter fürchtet um Hausfrieden und weitere Gewalt

Von Bettina Junge

Limbach-Oberfrohna. Drei Tage, bevor der neue Jugendklub an der Helenenstraße in Limbach-Oberfrohna öffnet, droht dem Treff neuer Ärger. Am Donnerstag wurde den Jugendlichen der Mietvertrag gekündigt. Am Freitag müssen sie bis 17 Uhr ausgezogen sein, heißt es in einem der "Freie Presse" vorliegenden Schreiben der Hausverwaltung. Grund: Entstehen eines Anziehungspunktes extremer rechter oder linker Gewalt, Sorge um den Hausfrieden und Befürchtung weiterer Schäden am Gebäude. Simone Röder von der gleichnamigen Hausverwaltungsfirma, die das Gebäude betreut, wollte sich am Donnerstag dazu nicht öffentlich äußern.

Hintergrund: Am Freitagabend waren im ehemaligen Laden an der Helenenstraße 43 - zuletzt waren hier eine Imbissbude sowie ein An- und Verkauf untergebracht - die Fensterscheiben eingeschlagen worden. Die Polizei kann einen politischen Hintergrund nicht ausschließen und ermittelt noch. Im Visier der Anschläge stand der Verein Soziale und politische Bildungvereinigung Limbach-Oberfrohna, der seit Anfang August drei Räume angemietet hat.

"Wir können die Kündigung nicht nachvollziehen", sagte am Donnerstag Vereinschef Moritz Thielicke. "Wir werden den Klub am Samstag trotzdem eröffnen und unseren Verein vorstellen." Das habe ihnen ein Anwalt geraten, der jetzt die fristlose Kündigung des Mietverhältnisses anfechten will. Hilfe habe der Verein dabei vom Büro des Bundestagsabgeordneten der Linken, Jörn Wunderlich, erhalten, berichtete der 18-Jährige. "Wir haben einfach keine Erfahrungen damit, wären allein hilflos."

Doch auch einige Anwohner, die alle nicht genannt werden wollen, sind besorgt, dass es in Zukunft zu Randalen in der Helenenstraße kommen kann. Die meisten hätten allerdings noch nicht gemerkt, dass in diesem "Abbruchhaus", wie viele es bezeichneten, überhaupt noch Leute wohnen oder gar ein Jugendklub öffnen wolle.

Katharina Sommer vom Raumausstatter, der gegenüber sein Geschäft hat, meinte: "Schade, dass die Helenenstraße immer wieder negative Schlagzeilen erhält. Die Geschäfte und Handwerksbetriebe haben eine lange Tradition, viele Häuser sind schmuck geworden. Wir sollten uns nicht von diesen Randalierern verrückt machen lassen. Die wollen nur die Gegend aufmischen und wissen gar nicht warum." Bisher verdränge sie den Gedanken, dass auch bei ihr mal ein Schaufenster eingeschlagen werde. Die jungen Leute gegenüber, so ihre Erfahrung, hätten sich bisher friedlich verhalten.