Hoffnung und neuer Lebensmut - Ehrung: Die Görlitzer Initiative Amal erhält für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus den Julius-Rumpf-Preis (SäZ, 19.10.06)
Hoffnung und neuer Lebensmut
Ehrung. Die Görlitzer Initiative Amal erhält für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus den Julius-Rumpf-Preis.
Von Erik Nebel
SäZ 19.10.2006
Die Görlitzer Initiative „Amal – Hilfe für Betroffene rechter Gewalt“ erhält am Sonnabend den Julius-Rumpf-Preis der Wiesbadener Martin-Niemöller-Stiftung. Die Stiftung will damit das jahrelange Engagement von Amal gegen Rechtsextremismus würdigen und zugleich an die Bundesregierung appellieren, im Kampf gegen Rechtsextremismus nicht nachzulassen.
„Wir möchten mit dieser Preisverleihung auch darauf hinweisen, dass sich die Bundesregierung nicht mit dem Streichen von Förderprogrammen aus der Verantwortung stehlen darf“, sagt Stiftungsvorsitzender Martin Stöhr. Wie andere Initiativen gegen Rechtsextremismus sieht sich auch Amal durch die geplanten Änderungen beim Civitas-Programm der Bundesregierung bedroht. „Wir wissen heute nicht, ob wir das kommende Jahr überleben“, sagt Amal-Gründer Hagen Kreisel.
Keine Planungssicherheit
Nach dem NPD-Wahlerfolg in Mecklenburg-Vorpommern verlängerte die Bundesregierung die Förderung um sechs Monate. Für Kreisel ist das aber nur eine Gnadenfrist. „Nach dem neuerlichen NPD-Wahlerfolg stand die Regierung unter Druck und musste handeln“, sagt der 32-Jährige. Langfristige Planungssicherheit gebe es eben nicht. Aber er hoffe noch auf ein Umdenken insbesondere der CDU.
Mit 185 000 Euro wird das von Görlitz aus in weiten Teilen Sachsens wirkende Modellprojekt in diesem Jahr gefördert. 80 Prozent der Mittel stammen vom Bund, 20 Prozent vom Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen“. Amal beschäftigt drei Mitarbeiter auf halben Stellen in Görlitz und zwei Vollzeitkräfte in Wurzen bei Leipzig.
Seit 2001 bietet die Initiative Opfern rechtsextremer Gewalt umfassende Hilfe, von der psychosozialen Unterstützung bis zur Hilfe beim Gang zur Polizei. Auch hat es sich Amal zur Aufgabe gemacht, die rechtsextremen Vorfälle in Sachsen zu zählen und öffentlich darauf hinzuweisen. „Wir wollen nicht schweigen, sondern die Probleme offen ansprechen“, sagt Kreisel. Er ist überzeugt davon, dass Rechtsextremismus nur derart offensiv bekämpft werden kann.
Amal habe vielen Hoffnung und neuen Lebensmut gegeben, die unter Ausgrenzung, Einschüchterung und sogar körperlicher Gewalt leiden, begründet die Niemöller-Stiftung die Verleihung des Preises, der mit 7 500 Euro dotiert ist. „Die Görlitzer Initiative engagiert sich unermüdlich in einer Region, in der kaum eine Woche ohne rechte Übergriffe vergeht, in der andererseits die Hilfsmöglichkeiten sehr begrenzt sind“, sagt der Stiftungsvorsitzende.
Erinnerung an Pfarrer Rumpf
Mit dem Preis erinnert die Stiftung an den Pfarrer Julius Rumpf (1874–1948), der im Dritten Reich gegen die Nazidiktatur kämpfte. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Flüchtlingsrat des Landes Brandenburg, der Verein „Miteinander“ in Magdeburg, das „Behandlungszentrum für Folteropfer“ in Ulm und die „Aktion Zivilcourage“ in Pirna. Die Stiftung ist nach dem Theologen und NS-Widerstandskämpfer Martin Niemöller (1892–1984) benannt. (dpa)
www.martin-niemoeller-stiftung.de
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