AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

Sie sind hier: Startseite » Artikelarchiv » Presseartikel

Hakenkreuz auf dem Handy-Display (SäZ, 25.10.06)

Kriminalität. Ein junger Mann bedenkt Polizisten mit dem Deutschen Gruß und will das Nieskyer Polizeirevier anbrennen.

Was in manchem alkoholumnebelten Gehirn so vor sich gehen mag, interessiert meist nicht viele. Trotzdem fühlen sich Betrunkene immer wieder dazu berufen, sich ihrer Umwelt mitzuteilen. Und manchmal kehren sich dabei Charakterzüge nach außen, über die man nur den Kopf schütteln kann.

Solch ein Erlebnis der ganz besonderen Art hatten vor wenigen Tagen Polizeibeamte des Reviers Niesky, als sie am späten Nachmittag eine Mokick-Besatzung kontrollierten. Als der Fahrer seine Papiere zeigen sollte, wurde es hinten auf dem Zweirad plötzlich lebendig. Lautstark begann der Sozius, der schon polizeibekannt ist, die Polizisten vollzunölen und zu beleidigen. Da die aber solcherart Situationen zur Genüge kennen, wurde der Mann nur belehrt, dass man sich mit dem Fahrer beschäftige und nicht mit ihm. Zur Überprüfung der Dokumente wurde der Fahrer zum Funkwagen gebeten. Der Störenfried blieb am Mokick zurück.

Voll bis zum Eichstrich

Die Kontrolle ergab keinerlei Beanstandungen, und die beiden Männer hätten unbehelligt weiterfahren können. Doch nun fühlte sich der Sozius bemüßigt, aus „sicherer Entfernung“ die Polizisten weiter zu provozieren. Dazu erhob er, ihnen zugewandt, die Hand zum Deutschen Gruß und schmetterte auch die beiden dazugehörenden Worte heraus. Anschließend schwang er sich auf den Soziussitz und wollte mit seinem Chauffeur das Weite suchen. Das alles war den Polizisten dann doch zu viel. Sie holten den 28-Jährigen von der Sitzbank und nahmen ihn mit aufs Revier.

Dort stellten sie fest, dass er 3,2 Promille Alkohol im Blut hatte. Große Augen bekamen die Beamten aber erst, als sie sich das Handy des Unruhestifters genauer ansahen: Auf dem Display prangten ein großes Hakenkreuz und ein Porträt Adolf Hitlers. Das Gerät wurde daraufhin selbstverständlich beschlagnahmt.

Die Erläuterung, warum dies geschah, hatte der Mann anscheinend nicht verinnerlicht. Kurz nach Mitternacht tauchte er nämlich plötzlich im Polizeirevier auf und wollte sein Telefon zurückhaben. Noch einmal wurde ihm erläutert, warum das nicht ging. Das wollte er nun aber überhaupt nicht begreifen. Er drohte damit, dass er wiederkommen und „das Revier abbrennen“ würde. Letztendlich wurde der Wüterich auf kürzestem Wege hinausgeleitet.

Nun muss sich der 28-Jährige, der sich mit Gelegenheits-Jobs über Wasser hält und auch schon mal im Gefängnis gesessen hat, vor dem Staatsanwalt für sein Handeln verantworten. Beleidigung, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Bedrohung, so lautet die Anzeige. Vielleicht schaltet er ja nun mal sein Gehirn ein und wird sich darüber klar, welche Parolen er da im Suff verbreitet.

Quelle: Sächsische Zeitung, 25. Oktober 2006, von Claus Wöhle