Großrazzia nach Anschlägen auf Dönerläden (SäZ, 29.10.2008)
Gestern, 6 Uhr. Zur gleichen Zeit klingelten Polizeibeamte in Uniform und in zivil an 17 Wohnungen – 13 in Dresden, zwei in Pirna und je eine in Freital und Bannewitz.
Von Alexander Schneider
Die Beamten wiesen sich aus, zeigten den müden Mietern Durchsuchungsbeschlüsse und machten sich ans Werk. Bis zum Mittag durchsuchten sie alle Wohnungen und sicherten Beweise. „Die Beschuldigten wurden erkennungsdienstlich behandelt und mussten eine DNA-Probe abgeben,“ sagte ein Anwalt auf SZ-Anfrage.
Es war die bislang größte Aktion der Sonderkommission Halbfinale. „Die sichergestellten Beweise sollen die Beteiligung der Verdächtigen an dem Überfall auf drei türkische Restaurants in der Neustadt nachweisen“, sagte Polizeisprecher Thomas Geithner. Zu dem, was konkret beschlagnahmt wurde, schweigt Geithner. Möglicherweise handelt es sich dabei um Handys, Computer, Kleidung. Auch zwei Schreckschusspistolen wurden gefunden. 83 Polizisten waren im Einsatz. Neben Beamten der Direktionen Dresden und Oberelbe-Osterzgebirge auch Kollegen der Sonderkommission Rechtsextremismus des Landeskriminalamts Sachsen.
37 Verdächtige ermittelt
Die Soko Halbfinale arbeitet bereits seit Ende Juni mit bis zu 16 Beamten daran, die brutalen Überfälle mitten in der Neustadt aufzuklären. Ermittelt wird wegen Landfriedensbruchs in einem besonders schweren Fall. 37 Verdächtige wurden inzwischen namentlich bekannt gemacht. Insgesamt sollen sogar bis zu 50 Täter an den Überfällen am Abend des Fußball-Halbfinales Deutschland – Türkei beteiligt gewesen sein. Die 17 Verdächtigen, die gestern besucht wurden, sind 18 bis 32 Jahre alt und längst polizeibekannt: Als Gewalttäter, Dynamo-Hools, als rechte Schläger oder solche, die wegen brauner Propaganda-Delikte aufgefallen sind.
Schon im Juli wurden nach Hinweisen aus der Szene zwei Verdächtige festgenommen, die beide bis dahin ausgerechnet bei dem Sicherheitsdienst gearbeitet hatten, der auch die Spiele von Dynamo Dresden absichert. Der Dresdner Willy K. (21) ist schon bei Krawall nach Fußballspielen und Nazi-Demos strafrechtlich in Erscheinung getreten. Als Einziger sitzt er noch immer in Untersuchungshaft.
Oberstaatsanwalt Christian Avenarius teilte auf Anfrage mit, dass zumindest ein Teil der Beschuldigten so bald wie möglich angeklagt werden soll. Möglicherweise schon in wenigen Wochen.
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