Eklat beim Forum über Rechtsextremismus in Frauenhain (SäZ, 10.11.2008)
Pfarrer Walter Lechner setzte am Freitagabend einen NPD-Mann wegen wiederholter demokratiefeindlicher Parolen vor die Tür.
Von Manfred Müller
Mit dem Rauswurf eines rechtsextremen Disputanten erreichten die Spannungen beim Frauenhainer Themenabend ihren Höhepunkt. Der junge Mann aus dem Nachbarland Brandenburg war wiederholt durch demokratiefeindliche Zwischenrufe aufgefallen.
Zuvor hatte Moderator Walter Lechner ihm bereits das Wort entzogen, weil er Menschen nach ihrem Intelligenzquotienten in höherwertig und minderwertig einzuteilen versuchte. Mit dem Delinquenten verließ auch ein halbes Dutzend seiner rechtsextremen Kameraden unter Protest die Veranstaltung.
Bagatellisieren des Problems
Die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde hatte am Freitagabend ins Frauenhainer Auencafé eingeladen, um eine gemeinsame Diskussion mit den Bürgern über den Rechtsextremismus in der Region in Gang zu bringen. „Ich bemerke, dass viele Anwohner über das Problem hinwegsehen, es zu bagatellisieren versuchen oder auch Sympathie äußern“, erklärt Walter Lechner. Deshalb hatte der Pfarrer zwei Berater vom mobilen Beratungsteam des Kulturbüros Sachsen.
Petra Schickert und Markus Kemper beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema und beraten Gemeinden, Vereine und Schulen. Zunächst verschafften die beiden den etwa 40 Teilnehmern einen Überblick über rechtsradikale Codes und Parolen. Sie konzentrierten sich dabei auf Äußerungen von NPD-Funktionären, die das demokratiefeindliche Konzept der Partei bloßlegen.
Da rund ein Dutzend der Besucher deutlich erkennbar der rechtsextremen Szene angehörte, versprach die Diskussion brisant zu werden. Die Kirchgemeinde hatte allerdings vorgebaut, indem sie den Disput einer Anti-Diskriminierungsregel unterwarf. Diese verbot rassistische Hasstiraden und gab dem Veranstalter das Recht, notorische Störenfriede des Saales zu verweisen. Dass die öffentliche Auseinandersetzung mit Rechtsextremen eine Gratwanderung ist, wurde in Frauenhain mehr als deutlich.
Die Gruppe um den NPD-Mann Thomas Schneider versuchte zunächst, die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“ zu rechtfertigen, griff verschiedene multikulturelle Formen des Zusammenlebens an und versuchte, mit Verweisen auf den Linksextremismus die eigene Verfassungsfeindlichkeit zu relativieren. Mit bewusst eingestreuten Zwischenrufen provozierten sie schließlich den Eklat.
Es gibt klare Spielregeln
Die demokratisch gesinnte Mehrheit im Saal, vor allem die Vertreter des Bündnisses für Demokratie und Zivilcourage, hielt der Provokation zwar stand, dennoch zeigte sich eine gewisse Unsicherheit im Umgang mit Rechtsradikalen.
Zielgenaue, pointierte Entgegnungen auf die dumpfen Parolen kamen nur selten. Einige der Diskussionsteilnehmer reagierten so, als wären die Extremen überhaupt nicht anwesend. „Wir werden nicht umhinkommen, uns mit diesen Argumenten auseinander zu setzen“, meinte Röderaues stellvertretender Bürgermeister Heiko Königsdörfer.
Vor allem Königsdörfer und der Gröditzer Stadtrat Ulrich Keil (Die Linke) versuchten es mit Überzeugung statt Stigmatisierung. Sie erreichten damit immerhin, dass ein Teil der jungen NPD-Sympathisanten im Saal blieb und die Diskussion bis zum Ende verfolgte.
Pfarrer Walter Lechner hatte es ungleich schwerer. Als Gastgeber und Wächter über die Diskussionskultur blieb ihm wohl keine andere Möglichkeit, als konsequent durchzugreifen. „Es gab ganz klare Spielregeln“, kommentierte er den Auszug der Rechtsextremen. „Ohne mein Eingreifen hätten sie die Veranstaltung instrumentalisiert. Die haben die Opferrolle doch regelrecht gesucht.“
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