AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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Ein Projekt setzt auf das Prinzip Hoffnung (SäZ, 16.9.06)

Opferhilfe. Der Verein Amal kümmert sich seit fünf Jahren um Betroffene von rechter Gewalt.

Ob man es wahrhaben will oder nicht – rechtsradikales Gedankengut ist längst kein Mauerblümchen mehr, wird mal verbal, mal mit Gewalt immer wieder deutlich. Bund und Länder tragen dieser gefährlichen Entwicklung Rechnung, wenn auch nicht immer im von vielen Bürgern gewünschten Maße.

Viele Betroffene schweigen

Ins Leben gerufen wurden bisher verschiedene Projekte mit dem Ziel, Betroffene rechter Gewalt zu unterstützen. Dabei geht es um psychosoziale Stabilisierung, Hilfe bei der Suche nach Rechtsbeistand, Behördengänge und Antragstellungen, Begleitung im Gerichtsverfahren, aber auch um Öffentlichkeitsarbeit und Prävention. Auch in Görlitz gehört dazu seit fünf Jahren das Projekt „Amal – Hilfe für Betroffene rechter Gewalt e.V.“ Die Vereinsmitglieder setzen auf zwischenmenschliche Toleranz und Akzeptanz gegen Rechtsextremismus, Rassismus und antisemitisch motivierte Angriffe.

Es geht darum, den Blick zu schärfen und Zivilcourage zu zeigen, wann immer rechte Gewalt zu Tage tritt. Die durch den Amal e.V. erfassten Übergriffe rechter Gewalt, die allerdings nicht in jedem Fall mit polizeilichen Einordnungen korrespondieren, verdeutlichen Handlungsbedarf. Im ersten Halbjahr 2006 gab es zehn Angriffe mit rechtsextremem Hintergrund in der Oberlausitz, vier davon in Görlitz, einen im NOL-Kreis. Dabei wurden zwölf Personen angegriffen und in acht Fällen Anzeige erstattet. Die Erhebung sagt weiter aus, dass zwei Angriffe rassistisch motiviert waren. Die anderen Angriffe richteten sich gegen Jugendliche einer alternativen Jugendkultur.

Die von Amal erhobenen Fälle stellen nicht die tatsächliche Anzahl solcher Übergriffe dar. Es kann nur das öffentlich gemacht werden, was tatsächlich von Betroffenen gemeldet wird. Viele Opfer aber wollen einfach nur das Erlebte verdrängen, schweigen aus Scham oder aus Angst vor neuen Übergriffen. Rechtsradikal Orientierte dagegen versuchen auf vielfältige Weise Aufmerksamkeit zu erlangen. Sei es durch als Hakenkreuz eingepflasterte Steine, durch eindeutige Sprayer-Bilder oder durch handfeste Bedrohungen

Die Tatverdächtigen, und das ist das Erschreckende, sind meist junge Menschen. Fast noch Kinder, die den braunen Sumpf nur aus einem falsch vermittelten Geschichtsbild heraus kennen. Es sind aber auch Wut und Frustration über aktuelle Zeitbezüge, mit denen sie sich in der Gesellschaft Gehör verschaffen wollen. Gerade um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, gibt es Arbeitsprogramme, Netzwerke und mobile Beratungsteams.

Amal e.V. findet in diesem Instrumentarium eine immer größer werdende Anerkennung. In diesem Herbst wird dem Verein eine besondere Ehrung zuteil. Die Martin- Niemöller-Stiftung mit Sitz in Wiesbaden ehrt Amal mit dem mit 7 500 Euro dotierten Julius-Rumpf-Preis, benannt nach dem Wiesbadener Pfarrer Julius Rumpf (1874 - 1948). Der Preis versteht sich als Ermutigung für Einzelne und Gruppen, für Toleranz, gewaltfreie Konfliktlösungen, Mitmenschlichkeit und Versöhnung eintreten. Bereits 2002 hatte das Netzwerk Sachsen gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit diesen Preis erhalten.

Finanzen 2007 sind unklar

Trotz ihrer vielfältigen Erfolge, ihrer Überzeugung und der politischen und gesellschaftlichen Anerkennung aber steht die weitere Arbeit von Amal in Frage. Bisher waren die Mittel des Bundes und des Landes durch den Status eines Modellprojektes gesichert. Ende des Jahres läuft dieses Modellprojekt aus. Die zum Fortbestand des Vereins benötigten Mittel für 2007 sind noch nicht bestätigt. Auch für den weiteren Bestand des Vereins gewinnt das Wort Amal also an besonderer Bedeutung. Amal ist arabisch und heißt Hoffnung.

www.amal-sachsen.de

Quelle: Sächsische Zeitung, 16. September 2006, von Jens-Rüdiger Schubert