Dominanzkultur in Meerane
Linker Politiker verläßt nach wiederholtem Anschlag die westsächsische Kleinstadt Meerane
Vier Anschläge: Neonazis vertrieben PDS-Politiker
MEERANE - Feiger Brandanschlag auf das Haus des Ex-Landtagsabgeordneten Uwe Adamczyk (44).
Nur mit Müh und Not konnte der Rollstuhlfahrer entkommen. „Das war das Werk von Rechtsradikalen“, sagt der PDS-Mann. Jetzt zieht er seine Konsequenzen.
„Ich gebe auf“, sagte Adamczyk gestern der Morgenpost. Der langjährige Meeraner Stadtrat und Kreistagsabgeordnete im Chemnitzer Land legt seine Ämter nieder, zieht weg in eine andere Stadt: „Auch wenn es nun aussieht, als ob meine Feinde damit erreicht haben, was sie wollen.“
Die Angst ist verständlich: Es war schon der vierte Anschlag auf Adamczyks Haus in der Meeraner Annenstraße in nur einem Jahr (Morgenpost berichtete). Dort war in der Nacht ein Moped im Keller in Flammen aufgegangen. „Brandstiftung“, so Polizeisprecherin Heidi Hennig. „Wir glauben, dass es zu der Anschlagsreihe gehört. Der Staatsschutz ermittelt.“
Adamczyk macht sich seit Jahren für die Rechte von Behinderten stark, kämpft außerdem aktiv gegen rechtsradikales Gedankengut. Meeranes Oberbürgermeister Lothar Ungerer (52, parteilos) traurig: „Er war stets loyal, kämpfte hartnäckig für seine Interessen. Sein Weggang ist ein Verlust für Meerane.“ (jko)
Quelle: Chemnitzer Morgenpost, 19.09.06
Nazis vertreiben Stadtrat
Erneut Anschlag auf Links-Politiker
Nach dem vierten Anschlag von Rechtsextremen geht der frühere Landtagsabgeordnete Uwe Adamczyk aus Meerane weg. Auch auf das Haus des Bürgermeisters flogen schon Steine.
Erst flogen Biergläser und Steine in das Haus von Uwe Adamczyk, nun brannte ein Moped. Der frühere PDS-Landtagsabgeordnete hatte in Meerane ein alternatives Begegnungszentrum einrichten wollen. Doch nach dem vierten Anschlag gibt er auf: »Ich gehe hier weg«, sagte er dem ND. Sein Mandat als Stadtrat gab er zurück.
Als Täter vermutet Adamczyk, der sich auch nach seiner Zeit als Abgeordneter für Antifaschismus engagierte, Rechtsextreme. Auch die Polizei ermittelt in dieser Richtung. Immer wieder hatten Neonazis das Wohnprojekt attackiert. Frühere Verfahren wurden von der Staatsanwaltschaft aber eingestellt. Die rechte Szene ist in der Stadt, in der eine NPD-Abgeordnete ein Bürgerbüro betreibt, stark präsent. Auch das Haus von Bürgermeister Lothar Ungerer wurde schon mit Steinen angegriffen.
Im Landtag sorgte die Attacke auf den 44-jährigen Politiker, der im Rollstuhl sitzt, für Empörung. Adamczyks Parteifreund Klaus Bartl beklagte, dass selbst ein »schlichter Polizeischutz vor Nazi-Terror nicht funktioniert«. Der Bündnisgrüne Johannes Lichdi nannte es »eine Frage der Verteidigung unserer Demokratie, dass Menschen sich ohne Gefahr für Leib und Leben gegen Rechtsradikalismus engagieren können«.
Quelle: Neues Deutschland, 21.09.06, von Hendrik Lasch
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