Demo-Sitzblockade wurde aufgelöst (SäZ, 2.10.06)
Demonstration. Großer Polizeieinsatz wegen des Marsches der Jungen Nationaldemokraten.
Hoyerswerda. Die Einsatzkräfte waren am Sonnabend auf den geplanten Demonstrationszug der Jungen Nationaldemokraten gut vorbereitet. Auf dem Pforzheimer Platz standen zahlreiche Einsatzfahrzeuge, darunter Krankenwagen und Wasserwerfer. Aber auch sonst dominierte im Stadtgebiet wie schon in der vergangenen Woche bei der linken Demo Polizeigrün das Bild – auf den großen Plätzen, an Kreuzungen, in einigen unauffälligen Nebenstraßen.
Am Bahnhof Neustadt, dort, wo die genehmigte Demo unter dem Motto „Stoppt die Propaganda der selbsternannten Demokraten - für das Selbstbestimmungsrecht unseres Volkes“ um elf Uhr starten sollte, konzentrierte sich die Polizei. Seitens der Stadt Hoyerswerda hatte es offenkundig keinen Versuch gegeben, die Demonstration zu unterbinden, da man in den vergangenen Jahren sich dann doch richterlichen Genehmigungen beugen musste.
Jeder Demo-Teilnehmer wurde kontrolliert, die Personalien stellte man fest, einige Teilnehmer fotografierte die Polizei gleich an Ort und Stelle. Doch alles blieb ruhig. Bis um kurz nach elf Uhr eine Gruppe von linksgerichteten Jugendlichen gegenüber der Sammelfläche am Bahnhof auftauchte. Sofort war die Polizei dort, sprach, wie Pressesprecher Uwe Horbaschk bestätigte, „Platzverweise“ aus. Bis auf einen Gegendemonstranten, der wurde abgeführt, hielten sich die anderen daran.
Kurz vor 13 Uhr hatte sich der Demonstrationszug bei schönstem Sonnenschein immer noch nicht formiert. Es seien noch nicht genügend Ordner seitens des Demonstrations-Veranstalters da, so ein Polizeibeamter.
Als die gefunden waren und sich die Jungen Nationaldemokraten langsam zu einer Kolonne einten, bildete sich in Sichtweite auf der Bautzener Allee eine Sitzblockade einer größeren Gruppe. Die Polizei sprach später von rund 60 Personen bei 58 Gewahrsamnahmen. Ein Rentner versuchte, sich dem Demonstrationszug allein in den Weg zu stellen. Die Polizisten drängten ihn zur Seite.
Wenig später absolvierte der Demonstrationszug seinen Weg durch die Stadt bis zur Abschlusskundgebung am Bahnhofsvorplatz gegen 17 Uhr. Ein Vorbeimarsch an Stätten, die Schauplatz des Pogroms gegen Ausländer 1991 waren, blieb ihnen verwehrt. Das unmittelbare Interesse der Hoyerswerdaer an diesem Aufmarsch war ohnehin gering.
Umso größer der Unmut über die Behinderung auf den Straßen. Vor allem auf der Frentzelstraße, die der Demonstrationszug auf seinem Weg zum Bahnhof nahm und die ja noch einen Monat lang Umleitungsstrecke für den B 97-Verkehr ist, blockierte die Demo den städtischen Durchgangsverkehr. (poc)
Quelle: Sächsische Zeitung, 2. Oktober 2006
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