AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

Sie sind hier: Startseite » Artikelarchiv » Presseartikel

Döbelner protestieren gegen Neonazi-Aufmarsch (03.11.2008)

Es war eine bunt gemischte Gruppe von Leuten, die sich am Sonnabend im Vorfeld der geplanten Neonazi-Demo auf dem Niedermarkt zusammen gekommen war.

Von Jens Hoyer

Junge Leute, Rentner, Lokalpolitiker, Bürger. Henning Homann, Kreischef der SPD, hatte die Kundgebung im Namen eines Bürgerbündnisses angemeldet. Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer gehörte zu den Rednern: "Wir hätten heute alle etwas besseres vorgehabt. Aber je mehr Leute hier sind, um so eher ist der braune Spuk vorbei."

"Härtere Strafen für Kinderschänder" -- zu diesem Thema hatten die rechtsextreme "Initiative für Döbeln" die Demonstration in Döbeln organisiert. Die Redner der Gegenveranstaltung sprachen den Neonazis das Recht ab, das Thema für sich zu vereinnahmen. "Kinderschänder sind ein Problem. Aber man muss in der moralischen Position sein, dagegen zu demonstrieren. Die Nazis haben hunderttausende Kinder umgebracht", sagte Homann. Die Rechten wollten mit ihrem Aufmarsch einschüchtern. "Wir lassen uns aber keine Angst machen."

"Leute mit diesem Gedankengut haben nicht das Recht, über andere zu urteilen. Irgendwann sind vielleicht wir selber dran", sagte der evangelische Pfarrer Lutz Behrisch. "Wir brauchen niemanden, der uns sagt, was gut und richtig ist. Wir sind selbst Frau und Manns genug, um mit den Dingen klarzukommen."

Eine sehr emotionale Rede hielt Eva Perlitius. Sie hatte die Zeit des Nationalsozialismus noch selbst erlebt. "Meine Eltern waren von 1933 bis 1945 im Widerstand. Ich war noch ein Kind, aber ich habe gut verstanden, was meine Eltern tun und was das für eine Zeit ist", sagte sie. Von den Neonazis dürfe man sich nicht "an der Nase herumführen lassen". "Kinderschänder sind etwas ganz Schlimmes. Aber diese Leute sind keine Anwälte für unsere Kinder."

Bei der Demo blieben die rund 170 angereisten Rechtsextremen weitgehend unter sich. Bei der Kundgebung auf dem Körnerplatz schauten einige Passanten meist aus der Ferne dem Treiben zu. An der Kreuzung Bahnhofstraße/Mehringstraße hatte sich noch einmal eine spontane Kundgebung mit vor allem jungen Leuten formiert, die den Zug mit "Nazis raus"-Rufen begrüßten. Durch kurzfristige Anmeldung der Gegendemo wurde verhindert, dass die Polizei die Kreuzung komplett räumt. Die Ordnungshüter wollten eine Sitzblockade durch die Gegendemonstranten
verhindern.

Auf Transparenten und Spruchbändern forderten die Rechtsextremen die Todesstrafe für Kinderschänder. Einer ihrer Redner stilisierte die ultrarechte Szene zur einzigen Kraft hoch, "die etwas gegen Kinderschänder unternimmt".