Bombendrohung im Dock 28 (SäZ, 29.08.2006)
Hoyerswerda. In dem Club Linksorientierter soll es wieder Übergriffe Rechter gegeben haben. Die Polizei bestreitet das.
Es ist seit 1998/1999 wesentlich ruhiger geworden“, sagt ein Dock-28-Mitglied, das seinen Namen aus Angst nicht in der Zeitung lesen will. „Es gab Jahre, da war hier jeden Monat was los.“ Im Gegensatz zu damals hält die Clubjugend, die sich genau wie die ältere Generation zur linken Szene zählt, die Füße still. „Die haben Angst, denn in der Schule sieht man sich wieder“, sagt das Clubmitglied. Außerdem seien die Angreifer aus dem rechten Lager bürgerlich geworden, weggezogen oder ins Gefängnis gegangen. Zudem versucht der Club aus den Erfahrungen der 90er Jahre zu lernen. Bei Konzerten wird die Einlass-Mannschaft verstärkt. Kommen rechte Jugendliche, werden sie höflich gebeten zu gehen. Ab und an wird die Polizei zur Unterstützung gerufen. Allein in diesem Jahr haben die Vereinsmitglieder mindestens fünfmal zum Hörer gegriffen. „Ob sie dann auch kommt, sei dahingestellt“, sagt das Clubmitglied.
Ganz aufgehört haben die Übergriffe der Rechten trotzdem nicht. Bereits am frühen Abend des 1. Januar 2006 sollen sechs sogenannte „Nazis“ in den Club gekommen sein und einen Gast angegriffen haben. „Sie haben mich durch den Klub geprügelt“, sagt der Betroffene. Eine Gegenwehr war seinen Worten zufolge nicht möglich: Die Angreifer waren körperlich überlegen und in der Überzahl. Eine Anzeige erstattete er nicht.
Am Abend des WM-Endspiels soll ein Dock-28-Gast von drei „Nazis“ derart verprügelt worden sein, dass er ins Klinikum musste. Außerdem wurde ein Fahrrad gestohlen. Vor einem Monat haben „drei Vermummte aus der rechten Szene“, so der Betroffene, wieder zugeschlagen. Er bekam die Faust ins Gesicht. Sein Rucksack und das Fahrrad wurden mitgenommen.
Trotz dieser Vorfälle sieht die Polizei im Dock 28 keinen Schwerpunkt für Kriminalität oder Übergriffe rechter auf linke Jugendliche. „In einer Jugendeinrichtung passiert natürlich immer mehr als in einer Wohnung“, sagt Sprecherin Petra Kirsch. Sie ist schließlich stärker frequentiert.
In diesem Jahr haben die Beamten sieben Vorfälle registriert. Ein rechtsextremer Übergriff war ihrer Meinung nach nicht dabei. Jedenfalls laufen beim dafür zuständigen Staatsschutz keine Ermittlungen. Auf TAGEBLATT-Nachfrage bestätigt sie den Vorfall vor einem Monat. Neben der Körperverletzung sind ihren Kollegen drei Diebstähle und eine Sachbeschädigung, bei der ein Firmenschild entzwei ging, bekannt geworden. Außerdem wurde ihnen eine Beleidigung mit „obszönen Worten“ (Petra Kirsch) auf der Straße vor dem Dock angezeigt – und eine Bombendrohung. Diese ging am 16. Juli laut des Club-Mitglieds bei der Polizei ein. Diese verständigte das Dock und rückte mit Spürhunden an. „Alle mussten aus dem Haus raus“, erinnert sich der junge Mann. Gefunden wurde nichts.
Einen weiteren Fall im Februar schildert die Opferhilfe Amal aus Görlitz. Damals soll ein 15-Jähriger vor dem Club genötigt worden sein, jemanden telefonisch zu holen, der das Dock aufschließt und denjenigen zu benennen, der einen Rechten-Treff in Zeißig besprüht hat. Da er beides nicht konnte, drohten sie ihm einen Hausbesuch an, falls er nicht innerhalb von zwei Wochen den Namen übermittelt. Die Club-Leute haben die Sprühereien nach Amal-Angaben übermalt.
Zu den Vorwürfen, dass die Polizei nicht auf alle Dock-Hilfe-rufe reagiert hat, will sich Petra Kirsch nicht äußern. Dass so lange nach den Taten nachzuvollziehen, sei zu schwer. Die Betroffenen mögen sich bitte zeitnah melden, wenn es Anlass zur Beschwerde gebe. Ungeachtet dessen will die Polizei weiter Freund und Helfer sein: „Wir werden das Dock 28 im Auge behalten“, sagt sie.
Quelle: Sächsische Zeitung, 29. August 2006, von Thomas Mielke
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