Auszeichnungen für Amal, Neue Heimat und Peer Trainer e. V. (LR, 11.07.2008)
Ostsächsisches Engagement für Demokratie und Toleranz
Von Uwe Menschner
Zu den vom „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ am vergangenen Mittwoch in Görlitz ausgezeichneten Initiativen (die RUNDSCHAU berichtete) zählen auch drei in Ostsachsen aktive Vereinigungen: Das Opferberatungsprojekt Amal aus Görlitz, der in Löbau ansässige „Oberlausitz – Neue Heimat“ e. V. sowie der landesweit tätige „Peer Training Sachsen“ e. V.
Für den Amal e. V. fällt die Auszeichnung in eine Zeit, in der die bisherigen bewährten Strukturen aufgelöst werden müssen. „Die sächsische Staatsregierung hat ihre Unterstützung auf einen anderen Träger fokussiert, sodass wir unsere Arbeit in der bisherigen Form nicht weiterführen können“, so der frühere Büroleiter der Initiative, Hagen Kreisel. Die Förderung für den Amal e. V., der sieben Jahre lang in ganz Sachsen Opfer rechtsextremistischer Gewalt aufgesucht und beraten hatte, wurde im Februar eingestellt – „und das, obwohl die Zahl solcher Übergriffe zugenommen hat.“ Für den Verein sei dies ein „ganz trauriges Kapitel“, so Hagen Kreisel, da die früheren hautamtlichen Strukturen komplett abgewickelt werden mussten. Der Amal e. V. konzentriert sich jetzt in ehrenamtlicher Tätigkeit auf die Betreuung seiner Homepage www.amal-sachsen.de, auf der rechtsextremistische Übergriffe und Gewalttaten dokumentiert werden.
Der „Oberlausitz – Neue Heimat“ e. V. hat sich die Betreuung von Spätaussiedlern aus Russland im Landkreis Löbau-Zittau auf die Fahnen geschrieben. Laut seinem stellvertretenden Vorsitzenden Eberhard Golbs hat sich der Verein zu einer „stattlichen Organisation mit vielfältigen Projekten“ entwickelt. Der Verein habe 50 Mitglieder, wobei der Zustrom von Spätaussiedlern in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen habe. „Unser Ziel ist es, auf beiden Seiten – also bei den Alteingesessenen wie bei den Spätaussiedlern – Vorbehalte abzubauen“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende. Den Aussiedlern solle die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtert werden: „Sie müssen aus der Reserve gelockt werden. Viele Spätaussiedler verkriechen sich in ihren Wohnungen und trauen sich nicht vor die Haustür.“ Hinzu komme, dass vor allem jüngere Aussiedler oftmals nicht gelernt hätten, Konflikte gewaltfrei zu lösen: „Sie reagieren auf Provokationen schnell mit der Faust.“ Dem versuche der Verein mit speziellen Angeboten einen Riegel vorzuschieben, wobei eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei gepflegt werde.
Ebenfalls in Ostsachsen aktiv ist der „Peer Training Sachsen“ e.V. „Unser Anliegen ist es, an Schulen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung zu thematisieren“, erklärt Vorstandsmitglied Sebastian Schwabe. Dafür werden speziell ausgebildete Jugendliche als Peer Trainer tätig – „sie diskutieren auf gleicher Augenhöhe mit den Schülern, haben einen viel besseren Zugang zu ihnen als Erwachsene.“ Das Projekt läuft unter anderem am Hoyerswerda Leon-Foucault-Gymnasium mit gutem Erfolg. Derzeit sind laut Sebastian Schwabe sachsenweit 40 Jugendliche als Peer Trainer tätig, jährlich werden 15 neue ausgebildet. Allerdings ist auch bei diesem Projekt die zukünftige Förderung noch ungewiss.
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