Razzia gegen rechtsextreme Jugendorganisation auch in Sachsen (FP, 09.10.2008)
Der Verein ist ein "neonazistisch ausgerichteter Jugendverband"
Dresden (ddp-lsc). Bei einer bundesweiten Razzia gegen die rechtsextreme Jugendorganisation Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) sind am Donnerstag auch vier Objekte in Sachsen durchsucht worden. Darunter seien zwei Postfächer und zwei Wohnungen gewesen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Dresden. Die Maßnahmen seien vom Landeskriminalamt durchgeführt worden und würden nun vom Bundeskriminalamt ausgewertet.
Die vom Bundesinnenministerium veranlassten Durchsuchungen stehen den Angaben zufolge im Zusammenhang mit dem gegen die HDJ eingeleiteten vereinsrechtlichen Ermittlungsverfahren. Laut Bundesinnenministerium gibt es Anhaltspunkte, dass sich die HDJ gegen die verfassungsmäßige Ordnung richtet. Der Verein sei ein "neonazistisch ausgerichteter Jugendverband". Unter dem Deckmantel von vordergründig unpolitisch wirkenden Freizeitaktivitäten wie Zeltlager würden Kinder und Jugendliche bereits in jungen Jahren an nationalsozialistisches Gedankengut herangeführt.
Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) sagte, die Maßnahmen zeigten, dass "wir uns entschieden gegen die Feinde unserer Demokratie wehren". In Sachsen sei kein Platz für rechtes Gedankengut.
Die Sprecherin für antifaschistische Politik der Links-Fraktion, Kerstin Köditz, sagte, es gebe zahllose Indizien, dass die HDJ eine Fortführung der bereits 1994 verbotenen Wiking-Jugend sei. Ein Verbot wäre auch ohne gesonderte Verbotsverfügung seit langem möglich.
Die HDJ ging aus dem bereits in den 1950er Jahren gegründeten Bund Heimattreuer Jugend hervor und spaltete sich 2001 als eigenständige Organisation ab. Der Verein beschreibt sich als "aktive, volks- und heimattreue Jugendbewegung für alle deutschen Mädel und Jungen im Alter von 7 bis 29 Jahren".
(ddp)
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