AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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"Die Täter waren Neonazis!" (Freie Presse, 01.09.06)

Nach Zirkus-Überfall: Verein für Opfer rechter Gewalt tritt Bewertung der Polizei entgegen

Die Täter des Überfalls auf den Zirkus Barni in Triebel waren Neonazis. Mit dieser glasklaren Aussage tritt der sächsische Verein "Amal - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt eV" der zurückhaltenden Bewertung der Polizei entgegen. Uwe Selbmann sprach mit Amal-Berater Ingo Stange (35) aus Wurzen.

Freie Presse: Herr Stange, die Polizei tut sich schwer, einen rechtsradikalen Hintergrund beim Überfall auf den Zirkus zuzugeben, der Staatsschutz ermittelt noch. Da tritt Ihr Verein an die Öffentlichkeit und sagt, dass die Täter Neonazis waren. Wissen Sie mehr als die Ermittler?
Ingo Stange: Auch wir haben mit der Familie und Tatzeugen gesprochen. Sie berichteten von unglaublichen Bedrohungen. Neben "Heil-Hitler!"-Rufen wurden der Familie lauthals Schläge und die Zerstörung ihres Zeltes angedroht, welches dann ja noch in derselben Nacht verwüstet wurde. Mit Opfern rechter Gewalt zu sprechen, ist Aufgabe unseres Vereins. Er ist 2001 aus dem Förderprogramm des Bundes gegen Rechtsextremismus entstanden.
Wir bieten Opfern rechter Gewalt Hilfe und Beratung an.
Freie Presse: Das heißt, Sie waren in dieser Woche in Triebel gewesen?
Stange: Ja, am Montag ein ehrenamtlicher Mitarbeiter von uns aus Plauen, ich selbst am Dienstag.

Freie Presse: Die Polizei erklärt, als Auslöser komme ein Streit zwischen Familie und Jugendlichen in Betracht.
Stange: Richtig ist wohl vielmehr, dass die Familie seit dem Eintreffen im Ort wiederholt bedroht worden ist: dass sie bei "Adolf" vergast worden wären und man "Zigeunerpack" nicht dulden werde. Es ist offensichtlich: Die Familie galt ganz im Sinne rechtsextremer Feindbilder als fremd. Die Rechten haben sich als Ordnungsmacht aufgespielt, die den Ort von dem ,säubern' will, was nicht in ihr Weltbild passt.

Freie Presse: Die Familie sagt, sie möchte nicht in politische Auseinandersetzungen hineingezogen werden. Sie will nur ihren Frieden.
Stange: Das ist eine verständliche Reaktion für Opfer von Gewalttaten. Andererseits muss man zu bedenken geben, dass eine aktive Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit die Opfer auch schützt. Nichts scheuen die Täter so sehr, wie isoliert im Licht der Öffentlichkeit zu stehen. Die in Triebel erfolgten Reaktionen der Einwohner sind deshalb sehr gut: Sie haben sofort gezeigt, dass sie voll zu den Opfern stehen. Leider ist so etwas zu selten. Meistens wollen die Leute nichts hören und sehen. Damit die Täter belangt werden können, bitten wir mögliche weitere Zeugen, sich bei der Polizei oder auch anonym bei unserem Verein zu melden.

Freie Presse: Der Verfassungsschutz hält rechtsradikale Kräfte im Vogtland für nur durchschnittlich
organisiert.
Stange: Wie gut organisiert die sind, erkennt man ja daran, dass es zwei von ihnen möglich ist, innerhalb kurzer Zeit 20, 30 Leute zusammenzurufen. Wir schätzen die Szene als gut organisiert ein. Die haben Orte, wo sie sich treffen, und
Telefonketten haben sie auch.

Kontakt
Amal-Verein, Domplatz 5, 04808 Wurzen. Telefon 03425 85 15 41.

www.amal-sachsen.de