AMAL - Newsletter 04 // 2006
**********AKTUELLES***PRESSE***AMAL-BERATUNGSARBEIT***TERMINE*******
AMAL – Newsletter 04 // 2006
Die dreizehnte Ausgabe unseres Newsletters ist nun da. Wenn Ihnen etwas fehlen sollte oder Sie mehr zu unserer Arbeit erfahren möchten, dann schreiben Sie uns eine Email oder klicken Sie auf unsere Homepage www.amal-sachsen.de.
***************************************************************************
INHALT
AKTUELLES
* Perspektiven 2007
* Dank an alle Spender_innen
PRESSE
* ZDF-Beitrag über Arbeit von AMAL
* Leipziger Volkszeitung: Neue Mittel für Kampf gegen Rechtsextremismus
BERATUNGSARBEIT
* Rassistisch motivierter Angriff auf Deutsch-Ungarn in Zittau
* Rechte Attacke in Lößnitz
VERANSTALTUNGSTIPPS
* Weihnachtsdisko im Jugendhaus Hammerstadt
* Konzert in Leipzig
* Antifa-Benefiz-Disko
***************************************************************************
AKTUELLES
Perspektiven 2007
Wie zu jedem Jahreswechsel sehen wir uns vor die Frage gestellt: Werden wir das kommende Jahr die nötigen Fördermittel aufbringen? Damit diese Frage mit ja beantwortet werden kann, musste und muss einiges getan werden: Noch im Sommer sah es ganz schlecht aus, da die Opferberatungsprojekte im CIVITAS-Folgeprogramm nicht vorgesehen sind. Nach dem Wahlerfolg der NPD in Mecklenburg-Vorpommern sicherte dann das zuständige Bundesministerium schnell eine Anschlussfinanzierung bis 30. Juni 2007 zu. Wieder einmal hatten wir das mulmige Gefühl, indirekt der NPD unsere Förderung zu verdanken. Aber auf einem Bein steht es sich schlecht und es bedurfte weiterer Anstrengungen bis sich die Koalition in Berlin darauf verständigte, fünf weitere Millionen für den Kampf gegen Rechts einzustellen.
Wie diese Mittel in der zweiten Jahreshälfte ausgereicht werden und an wen, ist derzeit allerdings noch unklar. Und so konnten wir lediglich einen Fördermittelantrag für das erste Halbjahr 2007 bei der Servicestelle CIVITAS in Berlin einreichen, dessen Bewilligung aussteht.
Bereits vom Bund abgelehnt wurde die Beantragung zusätzlicher Mittel für die Etablierung eines neuen AMAL-Büros in Südwestsachsen. Für uns ist diese Erweiterung allerdings sehr wichtig, da die südwestsächsischen Landkreise mit den vorhandenen Ressourcen des Wurzener AMAL-Büros nicht angemessen bearbeitet werden können. Hier hoffen wir nun auf eine Aufstockung der Fördermittel aus dem Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen“. Eine Entscheidung über die Kofianzierung der Bundesmittel sowie die Erweiterungskosten für Südwestsachsen wird der Beirat des Landesprogramms im Januar treffen. Hier sind wir vorsichtig optimistisch. Zum Einen hat die wissenschaftliche Evaluation von Projekten, die eine Förderung aus dem genannten Landesprogramm erhalten, eine verstärkte Förderung für Projekte in Südwestsachsen empfohlen. Zum Anderen wurde der Anteil der Mittel im Landesprogramm, die für Initiativen zur Verfügung stehen, um 200.000 € erhöht. Allerdings fordert das Land Sachsen ab 2007 einen Eigenanteil i.H.v. 10%, was uns vor neue Probleme stellt.
Es sieht also ganz danach aus, dass die Akquise von Projektgeldern weiterhin viel Zeit und Energie kosten wird. Trotzdem werden wir uns auch im kommenden Jahr mit den verfügbaren Ressourcen der Beratung von Betroffenen rechter Gewalt widmen und rechte Gewalt mit ihren Folgen in der Öffentlichkeit thematisieren. Für das kommende Jahr planen wir zudem eine Neugestaltung der Homepage, um die Fülle an Informationen übersichtlicher zu präsentieren. Ab März wird es einen Mitarbeiterwechsel im Team geben: unser Projektkoordinator und AMAL-Mitarbeiter der ersten Stunde Hagen Kreisel nimmt eine 9-monatige Elternzeit in Anspruch.
Zwischen Weihnachten und Neujahr nehmen die AMAL-Mitarbeiter Resturlaub oder bummeln einen Teil ihrer Überstunden ab. Für dringende Anfragen sind wir über die Mobiltelefone erreichbar.
Wir wünschen allen Newsletter-Leser_innen eine entspannte Weihnachtszeit und einen gelungenen Rutsch ins Neue Jahr.
Dank an alle Spender_innen
Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Spenderinnen und Spendern bedanken, die unser Projekt im zur Neige gehenden Jahr mit unterstützt haben. Sei es mit ideeller Unterstützung oder einer finanziellen Zuwendung. Sie haben damit beigetragen, unsere Arbeit und die Opfer rechter Gewalt zu würdigen und finanziell zu stärken. Somit konnte in etlichen Fällen die materielle Not nach einem rechten Angriff gelindert werden. Insgesamt 1140 Euro an Spenden sind zwischen Januar und November 2006 auf unserem Spendenkonto eingegangen. Die Gelder wurden z. B. für die Betroffenen im Fall „Imbisswagen Knappensee“ oder die Zirkusfamilie in Triebel/ Vogtlandkreis verwendet.
Da Spenden steuerlich geltend gemacht werden können, möchten wir diejenigen unter Ihnen bitten, die eine Spendenbescheinigung von uns haben möchten, sich an uns zu wenden und uns ihre Adresse mitzuteilen. Wir senden Ihnen die Bescheinigung dann gern auf dem Postweg zu.
******************************************************************
PRESSE
ZDF-Beitrag über AMAL
Am 17.12. wurde in der ZDF-Sendung „Sonntags“ ein Bericht ausgestrahlt, der anhand eines Beispiels die Arbeit unseres Projektes nachzeichnet. Darin wird auch die Sicht eines Betroffenen wiedergespiegelt. Lesen sie dazu hier weiter:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/26/0,1872,4090906,00.html
Hoffnung bei Amal: Neue Mittel für Kampf gegen Rechtsextremismus
Wurzen. Die Bundesregierung stockt die Mittel im Kampf gegen Rechtsextremismus auf. Damit kann sich auch die in ihrem Bestand bedrohte Wurzener Opferberatungsstelle Amal Hoffnung auf eine Fortsetzung ihrer Arbeit machen. Doch noch blickt im Berliner Ankündigungswirrwarr keiner richtig durch. Lesen sie hier weiter:
http://www.amal-sachsen.de/news.php?art=359
********************************************************************
BERATUNGSARBEIT
Rassistisch motivierter Angriff auf Deutsch-Ungarn in Zittau
„Auch wenn ich kaum noch etwas sehe, habe ich den Angriff immer vor Augen“ erzählt Herr László (Name geändert) den Mitarbeitern von AMAL. Der heute 48jährige wurde in Ungarn geboren, lebt seit 1981 in der BRD und wurde 1987 eingebürgert. Zuvor absolvierte er in der DDR ein Studium als Diplom-Betriebswirt/Chemie. Im Radio hört er im Oktober diesen Jahres einen Beitrag über AMAL und meldet sich daraufhin im Görlitzer Büro mit der Bitte um Unterstützung.
Zwei Jahre liegt nun das Ereignis zurück, das sein Leben verändert hat und ihn seitdem belastet. Im Herbst 2004 wird er in Zittau in der Wohnung eines Bekannten als „Ausländer“ und „Asylant“ beschimpft und schwer misshandelt. Herr László liegt bereits am Boden als mindestens zwei Jugendliche wieder und wieder gegen Kopf und Rumpf treten. Eine junge Frau fordert die Angreifer schließlich auf abzulassen und hilft dem Opfer sich das Blut aus dem Gesicht zu wischen. Kurz daraufhin kann Herr László die Wohnung verlassen.
Später wird ihm neben Prellungen am ganzen Körper und einem Schädelhirntrauma ein erheblicher Schaden am linken Auge diagnostiziert. Durch die Tritte wurde es so schwer geschädigt, dass die Sehschärfe von Herrn László nun um 80 Prozent gemindert ist. Sein anderes Auge ist schon von Kindheit an stark beeinträchtigt.
Herr László sitzt über den vielen Schriftstücken von Rechtsanwälten, Ämtern und Gerichten, die den folgenden Kampf um sein Recht belegen. Zum Beispiel ist da die Klage gegen den Bescheid des Versorgungsamtes, mit dem ihm ein Nachteilsausgleich nach dem Landesblindengesetz verwehrt wird. Herr László ist fast blind und sagt: „Wenn es ginge, würde ich einen Arm gegen ein gesundes Auge tauschen.“ Das Verfassen der Briefe, Eingaben und Widersprüche ist für ihn sehr beschwerlich, da er momentan nur auf provisorische Hilfen wie eine kleine Lupe zurückgreifen kann.
Nach dem ersten Treffen mit den AMAL-Mitarbeitern ist Herr László sehr aufgewühlt. Auch nach zwei Jahren belastet ihn der Übergriff stark und es vergeht kaum eine Nacht, in der er nicht in Albträumen damit konfrontiert wird.
Am 6. Dezember fand nun nach mehr als zwei Jahren endlich der Prozess gegen zwei Täter vor dem Amtsgericht Zittau statt. Da die Angreifer zur Tatzeit minderjährig waren, wurde die Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Hier offenbart sich auch die unzureichende Interessenvertretung für Betroffene: Herr László ist in der Verhandlung nicht mehr als ein Zeuge, der im Rahmen der Beweisaufnahme aussagen und danach den Gerichtssaal verlassen muss. Das Auftreten als Nebenkläger ist ihm verwehrt. Um das Urteil seiner Peiniger zu erfahren, muss er einen Rechtsanwalt beauftragen, was Herr László inzwischen getan hat. „Ich will keine Rache, aber Buße muss sein“ sagt er und fände es gut, wenn die Täter 1000 Sozialstunden in einer Einrichtung für blinde und sehbehinderte Menschen ableisten müssten.
Die Mitarbeiter von AMAL werden Herrn László beim Ringen um Genugtuung und materielle Entschädigung weiterhin unterstützen. „Vielleicht ist es so, dass jemand einen sehbehindertengerechten Monitor oder eine Tastatur herumstehen hat und nicht mehr braucht... dann würde ich mich sehr darüber freuen,“ sagt Herr László. In diesem Zusammenhang bitten wir die Leser des Newsletters um entsprechende Sachspenden bzw. Geldspenden zum Kauf von Sehhilfen u.ä. auf das AMAL-Spendenkonto (AMAL e.V., Kto. 3605601, BLZ: 85020500, Bank f. Sozialwirtschaft, Betreff: Herr László)
Rechte Attacke in Lößnitz
In der Kleinstadt Lößnitz im Landkreis Aue-Schwarzenberg schlagen und treten in der Nacht zum 19.11.2006 drei Rechte aus Lößnitz und Alberoda (Nachbarort) auf zwei junge Männer ein. Die beiden werden dabei mit Messern angegriffen und verletzt.
Die Betroffenen sind der 31-jähriger kurdische Asylbewerber B. aus Iran, und der 25-jährige Bosnier K. aus dem Kosovo. Beide Betroffene waren am Tag vorher als Besucher eines Fußballturniers in der Erzgebirgshalle in Aue und gingen anschließend gemeinsam mit Freunden in eine Gaststätte in Lößnitz. Gegen 3.30 Uhr verließen alle das Restaurant und trennten sich. B. und K. gingen gemeinsam ein Stück des Weges, wobei B. in das benachbarte Asylheim nach Alberoda und K. bei seiner Schwägerin in Lößnitz übernachten wollte. Nur wenige Minuten später versperrten ihnen drei rechte Jugendliche den Weg und begannen, beide anzupöbeln und rassistisch zu beschimpfen. B. versuchte die Situation zu schlichten, worauf die Täter auch tatsächlich von beiden vorerst abließen. Nach wenigen Metern jedoch registrierte B., dass die drei plötzlich ihre Jacken wegwarfen und im Sprint auf beide zugerannt kamen. Die begannen zu flüchten, schafften dies allerdings nicht mehr. Nun traten und schlugen die Rechten auf B. und K. brutal ein. B., der am Boden lag und versuchte sich zu wehren und zu schützen, wurde auch mit einem messerähnlichen Gegenstand angegriffen und an der Hand verletzt. Auch K. wurde mit einem ähnlichen Gegenstand verletzt und erlitt eine 8 cm lange und 2 cm tiefe Schnittwunde am Bein. Nach einigen Minuten konnten sich beide dennoch befreien und flüchten.
Am nächsten Tag wurden beide ärztlich versorgt und wandten sich um Unterstützung an Frau L., die beim Netzwerk Pro Toleranz im Puschkinhaus in Aue ehrenamtlich arbeitet und sich u.a. intensiv um Hilfe für Asylbewerber und Flüchtlinge kümmert. Frau L. informierte sofort die Mitarbeiter von AMAL über den Überfall. Mit B., den AMAL bereits kannte, wurde in Aue Anzeige bei der dortigen Polizei erstattet. Gleiches wurde wenige Tage später mit dem in Dresden lebenden K. gemacht. K. konnte den Ermittlungsbeamten die Namen der drei Täter nennen, da er diese aus seiner Schulzeit in Aue kannte. Alle drei sind einschlägig bekannt. Mittlerweile hat der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen.
********************************************************************
VERANSTALTUNGSTIPPS
Team Görlitz empfiehlt:
25. Dezember 2006 - Weihnachtsdisko im Jugendhaus Hammerstadt
Alle Jahre wieder – In der Kommärzbanck in Hammerstadt findet die legendäre alljährliche Weihnachtsparty statt. Auf zwei floors wird besinnliche Weihnachtsmusik aufgelegt. Die Party beginnt um 21 Uhr.
http://www.kommaerzbanck.de
Team Wurzen empfiehlt:
27. Dezember 2006 – Konzert in Leipzig
Resurrecting Generations Tour 2006
mit The Dead Kings feat. Nigel Lewis (The Meteors, Tall Boys...)
– Psychobilly-Allstarband u.a. mit Leuten von Mad Sin, Peter Pan Speedrock, Klingonz, Evil Devil, Demented are go – und Zombie Ghost Train, The Rock It Dogs, The Sewer Rats + Aftershow-Party
Beginn: 20.00 Uhr, Conne Island in Leipzig, Koburger Str. 3
13. und 27. Januar 2007 – Antifa-Benefiz-Disko
Antifa-Benefiz-Disse zugunsten antifaschistischer Projekte
Beginn: 22.00 Uhr, Conne Island in Leipzig, Koburger Str. 3