AMAL - Newsletter 04 // 2005
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AMAL – Newsletter 04 // 2005
Die achte Ausgabe unseres Newsletters ist nun da. Wenn Ihnen etwas fehlen sollte oder Sie mehr zu unserer Arbeit erfahren möchten, dann schreiben Sie uns eine Email oder klicken Sie auf unsere Homepage www.amal-sachsen.de.
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INHALT
AKTUELLES
* Keine Entwarnung bei Gewalt von Rechts
* Umtauschaktion für Schulhof-CD´s der NPD
PRESSE
* NPD punktet bei der Schülerwahl
BERATUNGSARBEIT
* Übergriff in Plauen durch
Meldesystem bekannt geworden
* Spendenaufruf für Betroffenen
rassistischer Gewalt
VERANSTALTUNGSTIPPS
* „Neofaschismus in Deutschland“ – Ausstellung der VVN/BdA in Görlitz
* Sitzenbleiben - Naziaufmarsch in Leipzig blockieren!
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AKTUELLES
Keine Entwarnung bei Gewalt von Rechts – AMAL veröffentlicht
Halbjahresstatistik
Die zwei sächsischen Beratungsprojekte AMAL – Hilfe für Betroffene rechter Gewalt und die RAA Opferberatung recherchierten im 1. Halbjahr dieses Jahres 82 rechte bzw. fremdenfeindliche Übergriffe mit 120 direkt Betroffenen.
Die beiden Regionalbüros von AMAL – Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in Wurzen und Görlitz recherchierten 33 Übergriffe mit insgesamt 52 direkt Betroffenen. Nach wie vor ist das überwiegende Delikt Körperverletzung. Die Zahl der tatsächlich stattgefundenen Übergriffe muss jedoch höher angesetzt werden, da von einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen ist.
Im Erhebungszeitraum haben einhundert Beratungen mit Betroffenen rechter Gewalt, deren Angehörigen, Zeugen und anderen indirekt Betroffenen stattgefunden.
Das breitgefächerte Angebot von AMAL umfasst neben Recherchen und der Kontaktaufnahme zu potentiellen KlientInnen Hinweise im rechtlichen Bereich, Unterstützung bei der Suche nach Zeugen, RechtsanwältInnen und PsychologInnen, Begleitung zu Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht und die Vermittlung von Kontakten zu Initiativen vor Ort sowie Öffentlichkeitsarbeit für die Betroffenen.
Bemerkenswert an der Arbeit der Opferberatung ist die hohe Zahl selbst recherchierter Fälle, in denen der Kontakt zum Opfer durch die BeraterInnen selbst hergestellt wird.
Umtauschaktion von Schulhof CD`s der NPD angelaufen
Seit dem 1. September 2005 verteilt die NPD im Rahmen ihres Bundestagswahlkampfes gezielt eine Gratis-CD mit rechtsextremer Rockmusik an Jung- und ErstwählerInnen. Jugendlichen, die diese CD erhalten haben, aber bessere, demokratische Musik hören wollen, macht das Netzwerk „Tolerantes Sachsen“ folgendes Angebot:
Ihr habt von der NPD die Schulhof-CD bekommen und wollt den Mist wieder los werden? Kein Problem! Wir tauschen Euch die Schulhof-CD gegen eine hochwertige Musik-CD von guten, demokratischen Bands um! Schickt uns einfach die CD's im Briefumschlag (Absender nicht vergessen!) oder kommt in unseren Büros persönlich vorbei:
* Aktion Zivilcourage, Lange Straße 43, 01796 Pirna
* Alternatives Jugend- und Kulturzentrum, Postfach 100204, 01782 Pirna
* AMAL Sachsen - Büro Görlitz, Bautzener Straße 20, 02826 Görlitz
* BrennPunkt eV, Dr.-W.-Külz-Str. 10, 09618 Brand-Erbisdorf
* Bürger.Courage, Bautzner Strasse 41 HH, 01099 Dresden
* FreibÄrger, Haus der Demokratie, Bebelplatz 3, 09599 Freiberg
* Kulturbüro Sachsen e.V., Bautzner Strasse 41 HH, 01099 Dresden
* Netzwerk für Demokratie & Courage, Schützenplatz 14, 01067 Dresden
* Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. in Wurzen, Bahnhofstr. 19, 04808
Wurzen
* Netzwerk Döbeln, c/o Treibhaus e.V., Bahnhofstr. 56, 04720 Döbeln
* Mediathek des HausundHof e.V., Hospitalstr. 30, 02826 Görlitz, Donnerstags 16-20 Uhr
und ihr bekommt für jede NPD-Schulhof-CD eine hochwertige Musik-CD. Kleiner Tip: Lasst Euch am Infostand mehrere CD's geben (sagt einfach ihr wollt an Freunde auch welche verteilen), schickt uns diese und ihr bekommt um so mehr CD's von uns! ;-)
Diese Aktion wird, unabhängig von einander, auch in Brandenburg von der DGB Jugend, dem Radio Fritz und dem Verfassungsschutz Brandenburg durchgeführt.
Das Netzwerk „Tolerantes Sachsen“ fordert auch Politikerinnen und Politiker, Ministerien und Kommunal- und Gemeindeverwaltungen auf sich an der Aktion zu beteiligen.
Mehr Informationen über diese Aktion und eine Argumentationshilfe gegen die NPD-Schulhof-CD gibt es auf der Webseite:
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PRESSE
NPD punktet bei der Schülerwahl
ASTRID GEISLER (aus: taz Nr. 7769 vom 15.09.2005)
Die erste bundesweite "U18"-Wahl bestätigt vor allem in Sachsen böse Befürchtungen: 16 Prozent der Teenies wählten hier die NPD - in einigen Orten waren es noch viel mehr. Wirklich überrascht waren die Organisatoren im Oschatzer Jugendzentrum "E-Werk" nicht, als das Ergebnis vor ihnen lag: 20,2 Prozent der Schüler hatten bei der "U18"-Wahl für die NPD gestimmt - die Rechtsextremen landeten damit nur knapp hinter SPD (22,8 Prozent) und CDU (21,7 Prozent). "Wir wussten, dass die latente Fremdenfeindlichkeit unter den Jüngeren groß ist", sagt Janek Stieger, Projektleiter im Jugendclub. Genau deshalb wollte er, dass Schüler von Mittelschule und Gymnasium an der ersten bundesweiten Unter-18-Wahl teilnehmen. Stieger ist froh, endlich Zahlen auf dem Tisch zu haben: "Jetzt kann niemand mehr sagen, hier gebe es kein Problem mit rechts."...
Weiter zu lesen auf der Homepage der TAZ:
http://www.taz.de/pt/2005/09/15/a0078.nf/text
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BERATUNGSARBEIT
Übergriff in Plauen durch Meldesystem bekannt geworden
Durch das auf unserer Homepage integrierte Meldesystem „Licht ins Dunkel bringen“ erreichte uns eine Information des Infoladens in Plauen zu einem rechtsextremistischen Vorfall in der Stadt.
Ein junger Mann wurde am 28.07.2005 in Plauen von drei Rechtsextremen attackiert. Sie lauerten ihm vor seiner Wohnungstür auf und schlugen auf ihn ein. Dabei nutzten die Rechten auch sogenannte Totschläger. Das Opfer erlitt dabei mehrere Prellungen und Platzwunden. Nur durch das couragierte Eingreifen und die Hilfe eines herbeieilenden Jugendlichen konnten die Rechten vertrieben werden. Während der Tat hielten sich weitere vier rechtsextreme Jugendliche im Hintergrund auf.
Plauen und das Umland in Westsachsen sind für uns als Team Wurzen bisher nur selten Schauplatz unserer Arbeit geworden. Nicht, dass es dort keine rechte Gewalt gäbe - mitnichten; uns fehlten bisher jedoch gerade in dieser Region Kontakte zu Initiativen, Menschen, die uns Informationen zu rechten Aktivitäten geben könnten und somit auch zu Betroffenen. Auch wenn es viel Zeit kostet, aus Wurzen nach Plauen zu fahren, so sind wir ungeheuer froh, mit dem Infoladen Plauen bzw. dem Schuldenberg endlich engagierte Menschen kennenzulernen, die bereit sind, unsere Arbeit zu unterstützen.
Wie eben in oben genannten Fall: Ohne die Meldung auf unserer Homepage wüßten wir bis jetzt von dem Übergriff nichts.
Spendenaufruf für Betroffenen rassistischer Gewalt
Mehrere Rechtsradikale kippten im Juli 2003 am Knappensee (Landkreis Kamenz) den Imbisswagen von Herrn N. um. Beim Versuch, den Wagen wieder aufzurichten, explodierte eine Propangasflasche und zwei Camper sowie ein Wachmann wurden verletzt.
Durch diesen rassistisch motivierten Übergriff wurde zugleich die Geschäftsgrundlage des vietnamesischen Betreibers ruiniert. Ein Jahr darauf verurteilte das Amtsgericht Bautzen zwei Männer zu Bewährungsstrafen. Herr N. jedoch wartet bis heute auf eine Entschädigung. Das Beratungsprojekt AMAL bittet deshalb um Spenden für Herrn N.
Der Sachschaden an dem Imbisswagen belief sich auf ca. 7000 €. Für den vietnamesischen Besitzer ist dieser finanzielle Totalschaden bis heute nicht überwunden, da der Wagen nicht versichert war und die Täter bislang keine Wiedergutmachung geleistet haben.
Herr N. hat zwei Jahre vergeblich versucht, aus eigener Kraft aus der fremdverschuldeten Notsituation zu gelangen. Er ist nun dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um die Schulden zu begleichen, die durch den Verlust des Wagens und die daraus resultierenden Umsatzeinbrüche entstanden sind.
AMAL möchte mit diesem Spendenaufruf Herrn N. bei der Wiedererlangung seiner wirtschaftlichen Grundlage behilflich sein und die finanzielle Notsituation des Geschädigten als direkte Folge eines rassistischen Übergriffes thematisieren.
Der Übergriff auf den Imbiss von Herrn N. ist keine Ausnahme. Die zahlreichen Sachbeschädigungen und Pöbeleien zielen auf die Zerstörung der Lebensgrundlage der ausländischen Betreiber und in der Konsequenz auf deren Vertreibung. Diese Rechnung der Rechtsextremisten darf nicht aufgehen. Jede Spende ist deshalb auch ein Ausdruck von Solidarität mit den Betroffenen rassistischer Gewalt und ein Zeichen der Ächtung solcher Übergriffe.
Alle eingehenden Spenden werden Herrn N. für die Wiedergutmachung des Schadens bzw. für die Finanzierung einer Schadensersatzklage zugeleitet.
Spendekonto:
AMAL – Hilfe für Betroffene rechter Gewalt e.V.
Kto.: 3605601
BLZ: 85020500
Bank für Sozialwirtschaft
Verwendungszweck: Imbiss Knappensee
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VERANSTALTUNGSTIPPS
Veranstaltungstipps vom Team Görlitz:
„Neofaschismus in Deutschland“ – Ausstellung der VVN/BdA
Die Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ der VVN/BdA gibt einen Überblick über das Gesamtthema Neofaschismus. Sie behandelt Neofaschismus als politisches Lager, daß sich aus ganz unterschiedlichen Akteuren zusammensetzt: Parteien, Kameradschaften, Vereine, Verlage, Bands usw.
Bei allen Unterschieden im Äußeren und im Auftreten eint sie eine gemeinsame Weltanschauung.
Eröffnung:
05. November 2005, 11 Uhr Gymnasium Annenschule/ Augustum, Annengasse 5, Görlitz
05.11. – 11 bis 18 Uhr
06.11. – 9 bis 12 Uhr
07. bis 10.11. – 14 bis 18 Uhr
Veranstaltungstipps vom Team Wurzen:
Sitzenbleiben - Naziaufmarsch in Leipzig blockieren!
Für den 1. Oktober 2005 hat der Neonazi Christian Worch erneut einen Aufmarsch in Leipzig angemeldet. Wie auch am 3. Oktober letzten und 1. Mai diesen Jahres ist sein Ziel der Stadtteil Connewitz, den er schon zwei Mal aufgrund energischen antifaschistischen Widerstands nicht erreichen konnte. Wir rufen deshalb dazu auf, die Neonazis am 1. Oktober 2005 mit einer offenen und breit getragenen Sitzblockade zu stoppen. Diese Blockade ist nicht symbolisch, sondern soll den Naziaufmarsch effektiv verhindern.
Für alle AntifaschistInnen gilt daher am 1. Oktober: Sitzenbleiben! Zusammen können wir's schaffen!
Treff: 12 Uhr am Hauptbahnhof/ Leipzig