AMAL - Newsletter 03 // 2005
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AMAL - Newsletter 03 // 2005
Die siebte Ausgabe unseres Newsletters ist nun da. Wenn Ihnen etwas fehlen sollte oder Sie mehr zu unserer Arbeit erfahren möchten, dann schreiben Sie uns eine Email oder klicken Sie auf unsere Homepage www.amal-sachsen.de.
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INHALT
AKTUELLES
* Neues Meldesystem auf AMAL-Homepage
* Land Sachsen finanziert Opferberatung
* NPD-Äußerungen sind lästig
PRESSE
* Am falschen Ort - AMAL hilft Opfern rechter Gewalt in Ostsachsen
* Jeder vierte Deutsche ist ausländerfeindlich
BERATUNGSARBEIT
* Ermittlungsverfahren gegen vermummte Angreifer eingestellt
* Grimma: Nazis im Schulbus
VERANSTALTUNGSTIPPS
* Sommerkino in Görlitz
* Via Thea – Straßentheaterfestival Görlitz
* Konzert und Hörspiel in Leipzig
* Aktionstag in Wunsiedel
* Buchtipp: Toralf Staud, „Moderne Nazis - Die Neuen Rechten und der Aufstieg der NPD“
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AKTUELLES
Neues Meldesystem auf AMAL-Homepage eingerichtet
Es ist soweit. Brandneu gibt es auf der AMAL Homepage ein Meldesystem. Mit diesem Meldesystem ist es möglich, Informationen über rechte Vorkommnisse direkt an die Beratungsstellen zu senden. Über ein Banner „Licht ins Dunkel bringen: Rechte Vorkommnisse melden!“ gelangt der Nutzer von der Startseite zu einem Formular, in das Daten über Zeitpunkt, Ort und Hergang des Vorfalls eingetragen werden können. Trägt der Nutzer einen Kontakt ein, treten die AMAL-MitarbeiterInnen mit ihm in Verbindung, um Einzelheiten zu klären und den Vorfall dann in anonymisierter Form zu veröffentlichen.
Gerade bei rechten Übergriffen ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. AMAL möchte mit dem Meldesystem eine niedrigschwellige Möglichkeit bieten, Informationen über rechte Vorkommnisse bekannt zu machen. Der Fokus liegt dabei nicht auf der strafrechtlichen Relevanz, sondern auf der Wahrnehmung der Betroffenen. Die AMAL-MitarbeiterInnen erhoffen sich einerseits ein detaillierteres Abbild rechter Vorkommnisse im Beratungsgebiet und andererseits eine neue Kontaktmöglichkeit zu Betroffenen.
Das auf der Homepage installierte Modul soll nun in der Praxis getestet werden. An Ihrer/Eurer Meinung zum Meldesystem sind wir sehr interessiert!
https://www.amal-sachsen.de/news.php?art=208
Land Sachsen finanziert Opferberatung
Die Hoffnung hat sich erfüllt. Der neu gegründete Beirat des sächsischen „Landesprogrammes für Toleranz und Weltoffenheit“ hat nun eine erste Reihe von Projektanträgen positiv beschieden. Unter diesen Projekten befindet sich auch AMAL. Die Finanzierung erfolgt rückwirkend zum 1.1.2005. Für AMAL stellt sie die dringend benötigte 20%ige Kofinanzierung für die Mittel aus dem Bundesprogramm CIVITAS dar.
NPD-Äußerungen sind lästig
Als BeraterInnen und UnterstützerInnen von Betroffenen sind wir alltäglich mit rechtsextremistischer Gewalt konfrontiert. Da bleibt es nicht aus, dass wir selbst zur Zielscheibe von Neonazis werden. Mitarbeiter von AMAL wurden bedroht und angegriffen und seitdem die NPD im Landtag sitzt, nutzt sie viele Gelegenheiten, um öffentlichkeitswirksam Engagement gegen rechte Umtriebe und demokratische Kultur zu diffamieren. So fragt beispielsweise der Fraktionsvorsitzende Holger Apfel in der Haushaltsdebatte des Landtags am 19.4. zum Thema Landesprogramm, ob „mit diesem Geld gewaltbereite und gewalttätige Linksextremisten – sozusagen eine anarcho-bolschewistische „Staats-SA“ gegen politisch Andersdenkende – alimentiert werden soll?“ Steuergelder würden mißbraucht, „zu einer maßlosen Greuelpropaganda ´gegen Rechts´ verbraten“ und „oft direkt an politische Gewalttäter weitergereicht“. In eine ähnliche Kerbe schlug der Abgeordnete Uwe Leichsenring, als er behauptete, eines unserer Vorstandsmitglieder habe Straftaten gegen Neonazis begangen.
Mitarbeiter und Vorstand diskutierten alle paar Wochen erneut über eine angemessene Reaktion und schwankten dabei zwischen der Anrufung der Justiz und der Anheftung an die Dartscheibe des AMAL-Büros. Fachkundige Personen prüften derweil Straftatbestände und buchstabierten uns Begriffe wie „Indemnität“.
Täglich arbeiten wir mit Menschen, die Opfer von rechten Übergriffen geworden sind. Ist verglichen damit die Verunglimpfung durch jene, die intellektuelle und emotionale Schützenhilfe für die Täter leisten, nicht gleichermaßen zwangsläufig wie harmlos?
Unsere Antwort lautet: Ja. Auf die Erstattung von Strafanzeigen werden wir dennoch vorerst verzichten. Unsere Arbeit für und mit Betroffene/n rechter Gewalt bleibt von den Ausfällen der NPD unberührt.
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PRESSE
Am falschen Ort - AMAL hilft Opfern rechter Gewalt in Ostsachsen
ANDREAS KIRSCHKE (aus: Die Kirche, Nr. 23, 5.6.2005)
"Hier ist die braune Zone!!!", grölen Neonazis auf dem Görlitzer Marienplatz. Unverhofft greifen sie eine Gruppe alternativer Jugendlicher an. "Es gab mehrere Verletzte. Wir hörten in "Radio Lausitz" davon", erzählt Anne Kretzschmar, Sozialpädagogin und Mitarbeiterin im Verein amal - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt. Umständen und Folgen der Tat ging sie nach. Sie suchte die Opfer auf. Einer von 141 recherchierten Vorfällen im Jahr 2004 im Raum Ostsachsen. Einer von 141 bekannten Gewaltfällen...
Weiter zu lesen auf unserer Homepage:
http://www.amal-sachsen.de/news.php?art=205
Jeder vierte Deutsche ist ausländerfeindlich -
Wirtschaftskrise verstärkt ausländerfeindliche Haltung
Jeder vierte Deutsche ist nach einer Studie der Uni Leipzig ausländerfeindlich eingestellt. Stark zugenommen hätten fremdenfeindliche und rechtsextreme Einstellungen in den vergangenen Jahren besonders bei Menschen mit höherem Bildungsabschluss, erklärten die Autoren der am Mittwoch veröffentlichten Studie...
Weiter zu lesen auf der Homepage des Handelsblattes:
http://www.handelsblatt.com/pshb?fn=tt&sfn=go&id=1068982
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BERATUNGSARBEIT
Ermittlungsverfahren gegen vermummte Angreifer eingestellt
Eine kleine Feier am Rande der traditionellen Bewachung des Hexenfeuers am 17. April vergangenen Jahres in Kubschütz bei Bautzen hatte für drei junge Männer schlimme Folgen. Sie waren die einzigen, die nach Mitternacht noch am Hexenfeuerplatz waren, als sie unvermittelt von ca. 15 vermummten Männern in Bomberjacken und Springerstiefeln angegriffen wurden. Während fünf Angreifer diverse Sachbeschädigungen auf dem Platz anrichteten, trafen weitere fünf Vermummte zunächst auf zwei Jugendliche, die sich zu der Zeit in einem Bauwagen aufhielten. Sie schlugen wahllos auf sie und herumstehende Gegenstände ein. Dabei zerstörten sie ein Fenster, in dessen Scherben sie das Gesicht eines ihrer Opfer drückten.
Kai (Name geändert) hielt sich draußen auf, als die Angreifer auf den Platz
stürmten. Er erinnert sich, wie 4 bis 5 mit Sturmmasken vermummte Rechte mit Baseballschlägern auf ihn zukamen. Den ersten konnte er noch abwehren, aber gegen so viele kam er nicht an. Er ging zu Boden. Die Täter traten mit Stiefeln auf ihn ein und schlugen mit den Baseballschlägern auf Kai´s Kopf. Er berichtete AMAL-Mitarbeitern, daß es sich anfühlte, als würden Steine auf seinen Kopf schlagen. Trotz aller Schmerzen schaffte Kai es, sich bewußtlos zu stellen. Erst dann ließen die Angreifer von ihm ab. Als sie sich ein wenig von ihm entfernten, floh er in ein angrenzendes Feld, wo ihn die Täter aufgrund der Dunkelheit nicht mehr fanden. Daraufhin rief einer das Kommando "Rückzug, Rückzug!" und die Angreifer verschwanden, bevor die Polizei eintraf. Was blieb, sind Verletzungen, die ambulant im Krankenhaus behandelt werden mußten; immer wiederkehrende Schmerzen; Angst, die nur langsam wieder schwand und die Frage, wieso gerade sie angegriffen wurden.
In den Wochen und Monaten nach dem Angriff hörte Kai von Bekannten, daß sich einige Angehörige der rechten Szene mit der Tat brüsteten. Er teilte dies der Polizei mit. Das Ermittlungsverfahren gegen sieben junge Männer wurde im März durch die Staatsanwaltschaft Bautzen eingestellt, da u.a. alle Beschuldigten die Tat abstritten. Kai ist mehr als unzufrieden mit diesem Ausgang. Nicht zuletzt deswegen, weil sich einige Ungereimtheiten ergeben. Sein Gerechtigkeitsglaube ist erschüttert, Kai kann nicht verstehen, wie so eine Tat ungesühnt bleiben kann. Mit der Unterstützung durch AMAL möchte er nun versuchen, durch eine Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erwirken.
Nazis im Schulbus
Wieder mal ist Grimma Aktionsfeld des AMAL-Teams Wurzen. Uns erreichte ein Anruf aus der Stadt an der Mulde. Den Anrufer kennen wir seit langem. Der 17jährige Rafiq wurde bereits mehrmals Opfer von rechten Diskriminierungen und Attacken, wir betreuten ihn bis hin zu Prozessen. Diesmal wurde sein Freund, der 18jährige Bela von Rechten beleidigt.
Im Schulbus auf dem Weg nach Grimma - er wohnt in einem ca. 12 km entfernten Dorf - wird er lauthals von einem Jugendlichen mehrmals verbal angegriffen und beleidigt, zu Schlägen kommt es Gott-sei-dank nicht. Der hinter Bela sitzende Jungnazi beleidigt ihn mit " Hau ab, du Türkensau!" - Bela stammt aus Rumänien - , "Ausländer raus!" und ähnlichen rassistischen Parolen. Etwa 15 min lang. Bela bleibt ruhig, lässt sich nicht provozieren und fragt lediglich zurück, was das denn solle. Am Busbahnhof in Grimma angekommen trifft Bela seinen Schulfreund Rafiq. Dem erzählt er alles. Rafiq, der solche Attacken zur genüge kennt, ist im ersten Moment aufgebracht und rät, die Polizei zu informieren. Sie überlegen. Plötzlich taucht der rechte Täter aus dem Bus wieder auf - diesmal in Begleitung zweier ebenfalls als rechts zu erkennenden Jugendlichen - und beginnt wiederum rassistische Sprüche zu rufen, droht den beiden Jungen. Dies lassen sich jedoch nicht provozieren, versuchen die Täter zur Rede zu stellen, denn die vielen Beleidigungen und Diskriminierungen lassen sie sich nicht einfach so gefallen. Sie gehen hin zu den Rechten, zumal die ihnen nicht unbekannt sind. Bela und Rafiq wollen Entschuldigungen. Die Rechten sehen das anders. So kommt es zu einem Gerangel, Bela bekommt einen Schlag ins Gesicht, er stößt den Angreifer weg. Auch Rafiq wird geschlagen, doch ist er kräftiger als der andere, so kann er sich erfolgreich verteidigen. Die Rechten lassen nun von den beiden ab, nicht ohne ihnen aus sicherer Entfernung nochmals Naziparolen entgegen zu schleudern und zu verschwinden. Beide haben Angst, obwohl sie angegriffen und geschlagen wurden, von den Rechten angezeigt worden zu sein und als Täter dazustehen. Schliesslich haben sie versucht, sich zu wehren. Und sie vermuten, dass sie einen der Angreifer vielleicht verletzt haben. Zumindest wird Tage später in der Schule erzählt, er habe geblutet.
Tage später erreicht uns der Anruf von Rafiq, der eine Vorladung zur Polizei bekommen hat. Wir treffen uns mit beiden, klären, was passiert ist und versuchen, ihnen die Angst zu nehmen. Wir vereinbaren, dass wir mit zur Polizei kommen. Doch dazu kommt es nicht. Die Beamte hat Urlaub, der Termin wird verschoben.
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VERANSTALTUNGSTIPPS
Veranstaltungstipps vom Team Görlitz:
Camillo-Sommerkino in Görlitz
Vom 14. – 30. Juli zeigt das Programmkino Camillo an drei verschiedenen Orten Filme. Dafür werden diverse Hinterhäuser in der Innenstadt zu Kinos umgestaltet. Los geht’s bei Einbruch der Dunkelheit gegen 21 Uhr. Das genaue Programm ist zu erfahren bei:
www.camillokino.de
Via Thea – Internationales Straßentheaterfestival in Görlitz
Vom 4. – 6. August findet nun schon zum 11. Mal das bekannte Straßentheaterfestival „Via Thea“ statt. Auch in diesem Jahr sind wieder zahlreiche Theatergruppen aus dem In- und Ausland mit dabei, u.a. aus Polen, Frankreich und Spanien. Mehr Infos unter:
www.viathea.de
Veranstaltungstipps vom Team Wurzen:
Konzert und Hörspiel in Leipzig
28.07.2005 - "Gieszer16" - Giesserstraße 16, Leipzig
Konzert, u.a. mit Pravo do jazdy (D/Pl) guter Punkrock + Brutal Polka (Israel) melodischer HC/Punk
07.08.2005 - "Gieszer16" - Giesserstraße 16, Leipzig
Hörspiel - Live vorgetragen "Elektrodyssee"
Überregional:
20.08.2005 – Aktionstag und Demonstration in Wunsiedel !!!
http://www.amal-sachsen.de/news.php?art=207
Buchtipp:
Toralf Staud:
Moderne Nazis
Die Neuen Rechten und der Aufstieg der NPD
Volksfront von rechts – der unheimliche Erfolg der neuen NPD
Die NPD ist in den vergangenen Jahren zu einer Bedrohung der Demokratie geworden – aber nicht, weil sie bald in den Bundestag oder gar irgendwann ins Kanzleramt einziehen könnte. Sondern weil sie – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – an einer Faschisierung der ostdeutschen Provinz arbeitet. Dort ist sie inzwischen fest verankert (»national befreite Zonen«), hat einen stabilen Wählerstamm, sickert in die Gesellschaft. Wer dort nicht dem völkischen Weltbild entspricht, muss im Alltag entweder sehr tapfer sein – oder er geht. Die NPD ist die älteste rechtsextremistische Partei Deutschlands, aber sie ist auch die modernste. Mit der konservativen Partei der sechziger Jahre hat die neue NPD nichts mehr zu tun. Mit kalkulierten Eklats wie im Sächsischen Landtag (»Bomben-Holocaust«) trägt sie Positionen in die Öffentlichkeit, die noch vor kurzem tabu waren. Anders, als man es von rechtsextremen Parteien gewohnt ist, nutzen ihre Abgeordneten clever die parlamentarische Bühne. Die NPD hat heute ein revolutionär-antikapitalistisches Programm, sie setzt auf aktuelle Themen, sie schwimmt mitten in der rechtsextremen Jugendkultur. Ignorieren hilft nicht mehr.
Kiepenheuer & Witsch
224 Seiten | KiWi 909
Euro (D) 8,90 | sFr 16,50 | Euro (A) 9,10
Titel erscheint im August 2005