AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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AMAL - Newsletter 02 // 2004

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AMAL – Newsletter 02 // 2004

Hier nun die zweite Ausgabe unseres Newsletters. Die Rückmeldungen auf die erste Erscheinung waren durchweg positiv, doch dies soll nicht heißen, dass wir Veränderungswünsche nicht berücksichtigen. Wenn Ihnen etwas fehlen sollte, oder Sie mehr zu unserer Arbeit erfahren wollen, dann schicken Sie uns eine Email oder klicken Sie auf unsere Homepage www.amal-sachsen.de .

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INHALT

AKTUELLES
* Sommer, Sonne, faetzig Campen
* Entsetzen über NPD-Ergebnisse bei Kommunalwahlen

PRESSE
* Rechtsextreme Übergriffe bei Fußballtunier
* Amal Jahrbuch 2003 erschienen

BERATUNGSARBEIT
* Übergriff auf Rummel in Hoyerswerda
* Übergriff in Wurzen
* Prozess wegen rassistischem Übergriff in Dresdner Straßenbahn

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AKTUELLES

+++Sommer, Sonne, Faetzig Campen – Die Jugendkultur lebt+++

Vom 25. – 27. Juni fand am Quitzdorfer Stausee das zweite Faetzigcamp statt. Ort war das ehemalige Feriengelände zwischen Sproitz und See bei Niesky. Im vergangenen Jahr nahmen über 250 Leute an diesem alternativen Jugendcamp teil. Auch in diesem Jahr waren ebensoviel junge Menschen vor Ort und füllten das Campgelände mit Leben.

Organisiert wurde das Camp von verschiedenen selbstverwalteten Jugendvereinen aus der ostsächsischen Region, so unter anderem das Jugendhaus Hammerstadt e.V., Rumpel e.V., Haus und Hof e.V., Alraune e.V. sowie der Netzwerkstelle Niesky. Anliegen der Organisatoren, die hauptsächlich aus dem Aktionsfeld der Kulturarbeit stammen, war und ist die Förderung einer alternativen, selbstbestimmten Jugendkultur, die sich als Gegenpol zu sinnentleerter Spaßgesellschaft und uniformierte Subkultur versteht.

Neben dem Spaß am Campen, Baden, Volleyball und in der Sonne dösen, gab es die Möglichkeit an Vorträgen und Workshops teil zu nehmen. Aktuelle Themen wie Globalisierung und soziale Bewegung, Flucht und Migration, rechte Subkultur wurden diskutiert; Graffiti, Selbstverteidigung für Frauen und verschiedene Spiele wurden angeboten.

Am Freitag Vormittag startete das Camp mit einem Drogenpräventionsworkshop für Schüler aus Niesky. Eine junge polnische Theatergruppe führte am Nachmittag ein kleines Stück auf, um das Camp einzuleiten. Kurzfilme und Hörspiele bildeten den Abschluß des ersten Tages.

Am folgenden Tag beteiligte sich auch AMAL an den Angeboten und leitete einen Workshop „Allein machen Sie dich ein“, um verschiedene Arten von Reaktionen auf einen rechten Übergriff zu diskutieren. Den Teilnehmern wurde die Möglichkeit gegeben über Erlebtes zu sprechen und in einer kleinen szenischen Darstellung verschiedene Reaktionsmuster auf zu decken.

Nachmittags fand eine spontane, sportliche und politische Aktion in Niesky statt. Rund 40 Teilnehmer des Camps spielten ca. 90 Minuten Volley- und Fußball auf dem Zinsendorfplatz. Während dieser Aktion wurden zwei Transparente, eins mit der Aufschrift: „Rechte Hegemonie durchbrechen – fight the neonazis“ aufgehängte.

Am Abend spielten dann mehrere Bands (D.H., Tischlerei Lischintzki, Grrrzzz) und ein Lagerfeuer mit Feuershoweinlage begeisterte die Campteilnehmer.

Einen gemütlichen Ausklang fand das Faetzigcamp am Sonntag Vormittag, als die Teilnehmer das Frühstück und den Campabbau gemeinsam bestritten.

Eine dritte Auflage des Faetzigcamps wird von den Veranstaltern für 2005 anvisiert. Last but not least: Nach den Übergriffen durch die lokale Naziszene im letzten Jahr blieben die Campteilnehmer dieses Mal unbehelligt.

+++Entsetzen über NPD-Ergebnisse bei Kommunalwahlen+++

In Sachsen haben die Rechtsextremisten bei den Stadt- und Gemeinderatswahlen am 13.Juni Höchstwerte erreicht. Vertreter der etablierten Parteien sind fassungslos:
Allein in Königstein (Sächsische Schweiz) holte die NPD 21,1 Prozent der Stimmen. Tatsächlich wurde dieses NPD-Ergebnis noch in Reinhardtsdorf-Schöna (Sächsische Schweiz) übertroffen. Dort holte die rechtsextreme Partei 25,2 Prozent der Wählerstimmen. Dies bedeutet, dass über 200 Wähler die rechtsextreme Partei gewählt haben. Ein bundesweiter Spitzenwert, jedoch keiner, auf den man stolz sein kann. Reinhardtsdorf-Schöna ist aber nur ein Ort von 22 Kreisen und Gemeinden in Sachsen, in denen NPD und Republikaner insgesamt 53 Mandate erlangten, darunter in Wurzen, Dresden, Chemnitz, Sebnitz und Riesa.

Diese Wahlergebnisse in der Region Sächsischen Schweiz sind deshalb so besorgniserregend, da dort die Mitglieder der verbotenen Neonazi-Gruppe SSS („Skinheads Sächsische Schweiz“) heimatlich verbunden sind. Erst im Juni wurde das Strafverfahren SSS III vorzeitig beendet. Mit bedauern muss AMAL feststellen, dass der einzige Zweck des Verfahrens war, den Beschuldigten den Tatvorwurf der Bildung und Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung nachweisen zu können. Den Opfern ist mit der Zahlung geringer Geldsummen durch die Täter nicht geholfen.

Entscheidend für die Opfer des Prozesses und für die potentiellen Opfer ist, dass sie sich ohne Angst, persönlich angegriffen zu werden, im Landkreis Sächsische Schweiz bewegen können. Damit ist nicht zu rechnen, denn die Mitglieder der SSS sind noch immer in der rechtsextremen Szene aktiv und bei einschlägigen Veranstaltungen anzutreffen. Gerade im Hinblick auf die Wahlergebnisse wird ihr eigentlicher Erfolg deutlich.

Die Angst geht auch bei den Betroffenen von AMAL um: MigrantInnen, alternative Jugendliche, Obdachlose, Homosexuelle oder einfach nichtrechte Jugendliche werden nun rechter Gewalt noch stärker ausgeliefert sein: “Die rechtsextremen Schläger könnten sich durch die Wahlergebnisse als „Vollstrecker des Volkswillens“ bestätigt fühlen und in Zukunft noch weniger Hemmungen haben, von ihnen als lebensunwert angesehene Menschen tätlich anzugreifen.“ so Anja Treichel, Beraterin bei AMAL-Wurzen.

Angesichts dieser Situation hält AMAL es für wichtig, dass sich alle gemeinsam weiterhin konsequent für demokratischen Respekt und gegen Rechtsextremismus einsetzen. Nur so kann Rassismus und Gewalt zurückgedrängt werden.

mehr: www.amal-sachsen.de/news.php

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PRESSE

+++Rechtsextreme Übergriffe dämpfen Stimmung bei antirassistischen Fußballturnier+++

Beim 2. Antirassistischen Turnier „Fußball Grenzenlos“ in Kittlitz kam es am Wochenende zu mehreren Zwischenfällen mit Angehörigen der lokalen rechtsextremen Szene.

mehr: www.amal-sachsen.de/aktuell.php

+++Broschüre über die Arbeit von Amal im Jahr 2003 erschienen+++

Eine Broschüre, die über die Arbeit von AMAL im Jahre 2003 berichtet, ist soeben erschienen. Neben einer Chronik rechtsextremer Aktivitäten gibt es darin viele interessante Artikel, die die Sicht der Betroffenen stärker ins öffentliche Bewußtsein rücken, sowie die Arbeit der drei Beratungsstellen transparenter machen sollen. Die Broschüre kann in allen AMAL-Büros telefonisch, per mail oder auch auf postalischem Wege bestellt werden. Der Bezug ist kostenlos.

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AMAL BERATUNGSARBEIT

+++Juristischer Schlusspunkt einer Hetzjagd+++

Am 6.7. stellte das Amtsgericht Hoyerswerda das Strafverfahren gegen drei Tatverdächtige ein, denen die Beteiligung an einer rassistisch motivierten Hetzjagd im Sommer 2002 zur Last gelegt wurde. Am 21.6.´02 wurde der damals 23-jährige Kurde Cengiz K. in Hoyerswerda von etlichen Rechten über einen Rummelplatz gehetzt, mehrfach getreten und geschlagen und dabei schwer verletzt. Eine Verurteilung konnte nicht erreicht werden, da die polizeilichen Ermittlungen lückenhaft waren und etliche Zeugen unerklärliche Erinnerungslücken hatten.
Gemeinsam mit der Nebenklagevertreterin versuchen wir nun, wenigstens eine Entschädigung für Cengiz K. zu erhalten. Der Betroffene leidet bis heute an den psychischen Folgen des Angriffs. Der Ausgang des Verfahrens ist für ihn ein negatives Signal. Es mindert sein Vertrauen in den Rechtsstaat und verschlechtert seine Heilungschancen und Zukunftsperspektiven in Hoyerswerda.

mehr: www.amal-sachsen.de/news.php

+++Übergriff in Wurzen+++

In der Nacht vom 14. zum 15. Mai 2004 wurden fünf Jugendliche von mindestens 15 mutmaßlich rechtsextreme Jugendlichen angegriffen. Ein 21-Jähriger wurde dabei so schwer verletzt, dass er in die Leipziger UNI-Klinik eingeliefert werden musste. Er erlitt durch die Schläge und Tritte mehrere Kieferfrakturen und eine Vielzahl von Hämatomen und Prellungen im gesamten Gesichts-, Kopf- und Oberkörperbereich. Einem 22-jährigen Jugendlichen wurden mit einem Holzknüppel mehrere Kopf- und Handverletzungen zugefügt, so dass auch er notärztlich versorgt werden musste. Ein weiterer Jugendlicher erlitt Prellungen am Oberarm. Mittlerweile hat der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen und 15 Tatverdächtigte ermittelt. Die Angreifer waren mit Knüppeln und Baseballschlägern bewaffnet und schlugen auf die Betroffenen ein. Zudem skandierten sie eindeutig, der rechten Szene zuzuordnende Parolen. Einige der mutmaßlichen Täter sind mittlerweile als rechte Schläger stadtbekannt und z.T. mehrfach vorbestraft. Die Mitarbeiter von AMAL Wurzen haben mit den Betroffenen und deren Elternteilen gesprochen und ihre Hilfe und Unterstützung angeboten.

+++Prozess wegen rassistischem Übergriff in Dresdner Straßenbahn+++

Herr G. stammt aus Tunesien und lebt seit einigen Jahren mit seiner Familie in Sachsen. Als er Anfang März 2003 nachts mit der Straßenbahn in Dresden unterwegs ist, wird er nach vorherigen ausländerfeindlichen Äußerungen von einer Gruppe Jugendlicher tätlich angegriffen. Durch einen Schlag mit einer Flasche erleidet er Schnittwunden im Gesicht und am Kopf, welche im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die Tatverdächtigen können kurze Zeit nach dem Übergriff von der Polizei ermittelt werden, da sie durch Singen von Liedern mit antisemitischen und rassistischen Texten in der Öffentlichkeit auffallen.
Amal wird dieser Fall aus der Dresdner Presse bekannt. Binnen kurzer Zeit gelingt es über die Staatsanwaltschaft Dresden, Kontakt zu Herrn G. herzustellen. Es findet ein ausführliches persönliches Gespräch statt. Herr G. schildert den Vorfall und berichtet, dass er immer noch große Angst hat, sich außerhalb seiner Wohnung zu bewegen. Nachdem im Gespräch die Möglichkeit der Nebenklage im Strafverfahren gegen die Tatverdächtigen erörtert wird, beauftragt Herr G. eine Rechtsanwältin in Dresden, die viel Erfahrung in der Nebenklagevertretung von Betroffenen rechtsextremer Gewalt hat. In Zusammenarbeit mit der Rechtsanwältin wird Herr G. auf die Gerichtsverhandlung und das damit verbundene Zusammentreffen mit den Angreifern vorbereitet. Nach mehreren Verhandlungstagen, in denen auch ein zweiter Tatvorwurf wegen gefährlicher Körperverletzung verhandelt wird, werden die Angeklagten zu Freiheitsstrafen ohne Bewährung verurteilt. Herr G. nimmt als Nebenkläger gemeinsam mit seiner Rechtsanwältin und einer Mitarbeiterin von AMAL an allen Prozesstagen teil. Ihm ist es besonders wichtig, das Urteil persönlich zu hören. Nach Abschluss des Strafverfahrens stellt Herr G. mit Hilfe von AMAL einen Antrag auf Gewährung einer Billigkeitsentschädigung für Opfer rechtsextremistischer Übergriffe bei der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe. Zwischenzeitlich wurde dieser Antrag zugunsten von Herrn G. erfolgreich beschieden.

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