AMAL - Newsletter 01 // 2005
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AMAL-Newsletter 01 // 2005
Die fünfte Ausgabe unseres Newsletters ist nun da. Wenn Ihnen etwas fehlen sollte oder Sie mehr zu unserer Arbeit erfahren möchten, dann schreiben Sie uns eine Email oder klicken Sie auf unsere Homepage www.amal-sachsen.de.
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INHALT
AKTUELLES
* AMAL: Neuer Träger – neues Glück
* Was ist denn da in Mücka los?
PRESSE
* Bautzen: Hetzjagd auf Aussiedler
* Henryk M. Broder über die NPD im Landtag
BERATUNGSARBEIT
* Entschädigung für Hetzjagdopfer in Hoyerswerda
* Ehemaliger CFC-Profi von Rechtsextremist attackiert
VERANSTALTUNGSTIPS
* Ausstellung in Großhennersdorf
* Disko und Diskussion in Roßwein
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AKTUELLES
AMAL: Neuer Träger - neues Glück?
Zum Jahreswechsel gingen die AMAL-Büros in Wurzen und Görlitz in die Trägerschaft des neu gegründeten AMAL e.V. (siehe Newsletter 4/2004). In den ersten Monaten waren deshalb vielfältige organisatorische Aufgaben von Vorstand und MitarbeiterInnen zu bewältigen. Für zusätzlichen Streß sorgten PC-Probleme sowie die Beantragung von Mitteln aus dem Bundesprogramm CIVITAS. 80% der benötigten Mittel bekamen wir dann Mitte Februar (!) Eine geplante Erweiterung der Bürostruktur nach Chemnitz wurde zudem vom BMFSFJ aus formalen Gründen abgelehnt.
Wir hoffen nun, die fehlenden Mittel aus dem sächsischen „Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit“ zu erhalten. Als Partner im „Netzwerk Tolerantes Sachsen“ (www.tolerantes-sachsen.de) setzen wir uns dafür ein, daß die Mittel für das Landesprogramm i.H.v. 2 Mio. Euro tatsächlich in großem Umfang Projekten an der Basis zugute kommen. Daran wird sich aus unserer Sicht messen lassen, wie ernsthaft die Koalition die nachhaltige Bekämpfung des Rechtsextremismus angeht. Für AMAL knüpft sich an die Mittelvergabe letztendlich auch, ob wir in Südwest-Sachsen doch noch eine solide Beratungsstruktur aufbauen können.
Unsere KooperationspartnerInnen bitten wir, Engpässe in den letzten Monaten zu entschuldigen, da wir aufgrund der fehlenden Mittel nur eingeschränkt arbeitsfähig waren.
!!! Neue Email-Adressen !!!
Team Wurzen --- wurzen@amal-sachsen.de
Team Görlitz --- goerlitz@amal-sachsen.de
Was ist denn da in Mücka los?
Es gibt wohl keinen Veranstaltungsraum in Deutschland, in dem in den letzten Monaten so viele Rechtsrockkonzerte stattgefunden haben wie die Diskothek „WODAN“ im ostsächischen Mücka. Seit November jagt hier ein Highlight das andere und es scheint kein Kraut dagegen gewachsen.
Die NPD darf sich hier zu Hause fühlen, die Polizei sichert die Veranstaltungen ab und der Gemeinderat steht einigermaßen hilflos da und beruft Runde Tische ein. Den sog. „Konzerterlaß“ scheint man im Innenministerium seit dem Einzug der NPD in den Landtag nicht mehr zu finden und so können extrem rechte Bands vornehmlich jungen Leuten, die zu Hunderten anreisen, ihre Ideologie in Kopf und Herz musizieren. Der Schulterschluß zwischen NPD und Kameradschaften klappt bestens und weil niemand ein Vorrecht auf Runde Tische hat, lädt die NPD demnächst selbst zu einer Bürgerversammlung ins „WODAN“ ein.
Wir möchten klarstellen, daß Rechtsrockkonzerte ebenso wie Runde Tische, an denen Nazikader sitzen, ein Unding sind. Toleranz hat Grenzen, sonst ist sie leeres Gerede! Während im „WODAN“ zu Haßmusik gefeiert wird, denken wir an die Menschen, die diesem Haß zum Opfer fallen. Und nach dem Konzert ist vor dem Konzert! (siehe Pressemitteilungen zu Konzerten auf www.amal-sachsen.de)
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PRESSE
Bautzen: Hetzjagd auf junge Aussiedler
Die Sächsische Zeitung berichtete am 28.01.2005 über einen rechtsextrem motivierten Übergriff in der Sylvesternacht. Dabei wurden zwei junge Spätaussiedler von mehreren Rechten im Stadtteil Gesundbrunnen geschlagen und durch das Wohnviertel gehetzt. Erst die kurze Zeit später eintreffenden Polizeibeamten konnten die Hetzjagd vorübergehend beenden. Kurz darauf wurde ein erneuter Polizeieinsatz nötig: Die beiden Betroffenen hatten sich in die Wohnung ihrer Oma geflüchtet, an deren Tür die Verfolger nun Sturm klingelten und Morddrohungen brüllten.
(Ein Verweis auf den Artikel ist nutzlos, da die SZ Gebühren für die Nutzung ihres Archivs erhebt.)
Der Oberbürgermeister der Stadt beteuert anschließend öffentlich, daß die Rechten in Bautzen nicht die Oberhand haben und die Spätaussiedler „gleichberechtigte, wertvolle und geachtete Mitbürger“ sind.
Der Übergriff beweist unterdessen einmal mehr, daß Aussiedler zum Feinbild vieler Rechtsextremisten gehören. Die Auswirkungen dieses Übergriffs sind besonders dramatisch, da die Betroffenen im selben Wohngebiet wie die Täter leben und mit erneuten Begegnungen der unheimlichen Art rechnen müssen.
Henryk M. Broder über die NPD im Landtag und den Aufstand der Ratlosen
Wir verweisen auf einen sehr lesenswerten Debattenbeitrag von Henryk M. Broder, der den Wahlerfolg der NPD in Sachsen und die weniger erfolgreichen Reaktionen darauf in gewohnt scharfzüngiger Weise diskutiert. Sein Plädoyer für Intoleranz findet sich unter
http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,341319,00.html
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BERATUNGSARBEIT
Entschädigung für Hetzjagdopfer in Hoyerswerda
Im Juli 2004 wurde die Hetzjagd auf einen jungen Kurden in Hoyerswerda vor Gericht verhandelt. Der Prozeß endete mit einem völlig unbefriedigendem Ergebnis: keiner der Täter wurde belangt (siehe auch Newsletter 2/2004).
Im Anschluß beantragten wir gemeinsam mit dem Betroffenen erfolgreich eine Entschädigung aus einem Opferfond der Bundesanwaltschaft. Immerhin 1.000 Euro konnten wir nun an den Geschädigten übergeben. Herr K.´s Freude hielt sich in Grenzen: „Ich hatte damals auf dem Rummel Todesangst. Das ist mit Geld nicht gutzumachen.“
Nach wie vor fühlt sich Herr K. in Hoyerswerda unsicher, vor allem in den Abendstunden. Die Reaktionen der nicht bestraften Täter, wenn sie dem Geschädigten auf der Straße begegnen, rechtfertigen seine Angst und zeigen, daß ein Umdenken in den Köpfen der Rechtsradikalen nicht stattgefunden hat.
Herr K. sucht nicht zuletzt aus diesem Grund nach einer Perspektive in den alten Bundesländern.
Ehemaliger CFC-Profi von Rechtsextremist getreten
Der ehemalige, aus Nigeria stammende Profifußballer des Chemnitzer Fußballclubs wurde am Mittwoch, den 09.02.2005, in der Chemnitzer Innenstadt zum wiederholten Male beschimpft und tätlich angegriffen. Der 34-jährige war in Begleitung seiner Frau mit dem Auto auf dem Weg zum Cinestar. Als er mit seinem Renault an der Kreuzung Schlossstraße/Hartmannstraße an der Ampel wartete, zeigte ihm ein Passant, bei dem es sich nach Polizeiangaben um einen 27-jährigen Chemnitzer handelt, zunächst den „Stinkefinger“. Außerdem zeigte er den sogenannten Hitlergruß und ist danach bis zum Kino hinter dem Auto von Otscho hergelaufen. Dort klopfte er an die Scheibe und rief: „Komm raus, du Neger! Ich zeige dir, was ein Deutscher ist.“, berichtete Otscho. Nachdem der Nigerianer ausgestiegen war, um mit ihm zu reden, habe ihm der Tatverdächtige in die Weichteile getreten. Danach schlug Otscho zurück. Der Tatverdächtigte verständigte daraufhin die Polizei.
Die Information über die Tat wurden in der Freien Presse veröffentlicht und vom Mobilen Beratungsteam Chemnitz an AMAL weitergeleitet. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin aus Chemnitz und ein Mitarbeiter von AMAL Wurzen haben ein Erstgespräch mit Otscho geführt, der bisher selbst noch keine Anzeige bei der Polizei erstattet hat.
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VERANSTALTUNGSTIPS
Veranstaltungstip vom Team Wurzen:
„Kritik der (Post-)Antifa“
Diskussion mit Referenten der Incipito-Redaktion (19.00 Uhr) und Disko mit Djane Heiko Heat und US DJ-Team (22.00 Uhr) im Jugendhaus Roßwein, Goldbornstraße 18 (Tel. 034322/44671)
Veranstaltungstip vom Team Görlitz:
„zwischen großem berg und lindenallee“
Der Katharinenhof im sächsischen Großhennersdorf während des Nationalsozialismus – eine Ausstellung der Umweltbibliothek Großhennersdorf e.V.
Eröffnungsveranstaltung: 19.3.2005, 14.00 Uhr
Rahmenprogramm: Theaterstück „Das Urteil“, 19.30 Uhr
Die Ausstellung ist vom 19.3.-1.5. zu besichtigen.
Ort: Kretscham Großhennersdorf, Am Markt 11, 02747 Großhennersdorf
Weitere Infos: Email: bernd@augenauf.net Web: www.umweltbibliothek.org