AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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AMAL – Newsletter 05 // 2005

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AMAL – Newsletter 05 // 2005

Die neunte Ausgabe unseres Newsletters ist nun da. Wenn Ihnen etwas fehlen sollte oder Sie mehr zu unserer Arbeit erfahren möchten, dann schreiben Sie uns eine Email oder klicken Sie auf unsere Homepage www.amal-sachsen.de.

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INHALT

AKTUELLES

* Kein neues Mücka in Ostsachsen!

* Rückblick und Ausblick

* Erfolgsstory Newsletter

PRESSE

* "Ein Neonazi bin ich auf keinen Fall"

* Bunt statt braun? - Ostdeutsche Jugendliche haben den Geschmack an der
Nazi-Mode verloren

BERATUNGSARBEIT

* Rechter Terror in Leisnig

* Stand der Spendenkampagne für vietnamesischen Imbissbetreiber

VERANSTALTUNGSTIPPS

* Buchlesung: Die Wahrheit über Emilie und Oskar Schindler.

* Diskussions-Veranstaltung: "Die Rechte auf den Weg in die Mitte"

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AKTUELLES

Kein neues Mücka in Ostsachsen!

Nach dem Ausfall der Diskothek „WODAN“ im ostsächsischen Mücka als Veranstaltungsort für Rechtsrockkonzerte drohte bis vor wenigen Tagen eine Fortsetzung in Oderwitz. Der Wirt des „STERN“ hatte kein Problem, seinen Saal der JN für eine Veranstaltungsreihe „Nationale Musikkultur statt Multikultiunkultur“ zu vermieten. Das erste Konzert ging am 03.12. mit Bands wie Brigade M, Hauptkampflinie und Asatru vor über 200 Zuschauern über die Bühne. Vermutlich wird es aber auch das letzte gewesen sein. Denn anders als in Mücka bekam der Wirt sehr schnell die Ablehnung etlicher Dorfbewohner zu spüren. Am Vorabend des Konzertes fand dann eine Versammlung von kritischen Bürgern im „STERN“ selbst statt. AMAL hatte ihnen vorab ein Dossier über Rechtsrockkonzerte in Mücka und die für Oderwitz angekündigten Bands zur Verfügung gestellt.
Am Abend des 3.12. demonstrierten über 100 Menschen gegen die Versuche von Rechtsextremen, einen neuen Ort für ihre Propagandaveranstaltungen zu etablieren. Auch wenn die Motive der einzelnen Akteure für ihr Engagement gegen Rechtsrockkonzerte unterschiedlich sein mögen, haben wir die Hoffnung, daß das Beispiel Oderwitz Schule macht.
AMAL hielt auf der Demonstration vor dem Gasthof einen Redebeitrag, der hier nachzulesen ist www.amal-sachsen.de/news.php?art=225

Rückblick und Ausblick

Das erste Jahr in Trägerschaft von AMAL e.V. neigt sich dem Ende zu. MitarbeiterInnen und Vorstand ziehen ein positives Resümee ihrer Arbeit. Die beiden Teams in Wurzen und Görlitz haben viel geleistet in diesem Jahr: unzählige Beratungen und Unterstützungsleistungen für Betroffene rechter Gewalt, viele Pressekontakte, Veröffentlichungen, und Workshops, die Mitarbeit in Netzwerken und Gremien. Zudem gelang der Einstieg in die Kofinanzierung des Landes und das bedeutet, daß bei AMAL keine Kürzungen vorgenommen werden mussten.
Wermutstropfen bleiben allerdings das Scheitern unserer Bemühungen für den Aufbau einer zusätzlichen Beratungsstelle in Chemnitz sowie das geringe Spenden- und Bußgeldaufkommen.
Dieses positive Resümee ist jedoch Indikator dafür, daß sich das Ausmaß rechter Gewalt in Sachsen, auch unter Berücksichtigung einer hohen Dunkelziffer, auf einem erschreckend hohem Niveau stabilisiert hat. Im Januar wird AMAL dazu seine Jahresstatistik 2005 vorlegen.
Ein Opferberatungsprojekt wie AMAL hat also auch im kommenden Jahr eine Daseinsberechtigung. Das Dasein sozialer Projekte ist jedoch in den meisten Fällen von einer öffentlichen Förderung abhängig. Hierzu haben wir bereits positive Signale erhalten: Der Beirat des sächsischen Landesprogramms „Weltoffenes Sachsen“ hat einer Förderung von AMAL zugestimmt

http://www.tolerantes-sachsen.de/news_einzeln.php4?ID=349&PHPSESSID=64f0ac1455bdd7ba67c44d45467d
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Von der Servicestelle CIVITAS erreichte uns die Nachricht, daß auch die Bundesförderung bewilligt wurde, wenn auch vorerst nur für das erste Halbjahr. Das bedeutet eine Fortführung der Arbeit ohne das sonst übliche Bangen und Betteln.
Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen bedanken, die uns das Jahr hindurch begleitet, gefördert, unterstützt oder auch kritisiert haben. Besonderer Dank gilt denen, die sich bei der Kontaktvermittlung zwischen Betroffenen und AMAL engagiert haben. Wir denken, daß alle diese Bemühungen geholfen haben, Betroffene zu unterstützen und ihre Anliegen im öffentlichen Bewußtsein besser zu verankern.

Erfolgsstory Newsletter

Nach zwei „Newsletter-Jahren“ glauben wir, daß die Entscheidung für einen Online-Newsletter, die wir Anfang 2004 getroffen haben, richtig war. Damals hatten wir gesagt: Wir verschicken nur die erste Ausgabe an einen von uns ausgewählten Personenkreis, alle weiteren Ausgaben erhalten nur diejenigen, die den Newsletter auf unserer Homepage abonnieren. Das sind mittlerweile 65 Personen. Auch wenn wir die meisten Abonnenten nicht kennen, unterstellen wir ein zunehmendes Interesse an der Arbeit von AMAL. Dieses Interesse hoffen wir mit dem Newsletter zu bedienen. Er ist für uns aber auch immer ein Instrument, unsere eigene Arbeit zu reflektieren und Positionen zu formulieren.
Wir möchten Euch/Sie an dieser Stelle noch einmal explizit bitten, uns Wünsche und Kritik, kurzum eine Rückmeldung zukommen zu lassen, da wir diese gern berücksichtigen möchten.

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PRESSE

"Ein Neonazi bin ich auf keinen Fall"

Erik, 15, aus Chemnitz liest die "Deutsche Stimme", hört sich NPD-Hits im Netz an und spielt "KZ-Rattenjagd" - von Glatze und Lonsdale-Klamotten aber keine Spur. Erik sieht sich nicht als Nazi, sondern als rechtskonservativ
"Finden Sie es etwa unpolitisch, wenn eine Sozialkundelehrerin vor der Bundestagswahl Werbe-CDs der SPD verteilt, es aber anderen Parteien verboten wird, Tonträger auf dem Schulhof zu verteilen? Finden Sie es etwa unpolitisch, wenn ein Mitschüler, der mit Glatze und Bomberjacke vor der Klasse steht, für die gleiche Leistung automatisch eine schlechtere Note erhält, als ein anderer?" ...

Weiter auf der Homepage der Aktion zivilcourage Pirna:

http://zivilcourage-pirna.de/cgi-bin/art_detail.pl?idx=2&detail=7330&cutoff=400

Bunt statt braun? - Ostdeutsche Jugendliche haben den Geschmack an der Nazi-Mode verloren

Von Jens Balzer, Berliner Zeitung vom Freitag, den 02. Dezember 2005

Die rechte Szene ist im Osten out. Das behauptet jedenfalls eine Studie, die das Berliner Archiv der Jugendkulturen jetzt abgeschlossen hat. 1 001 ostdeutsche Schüler und Schülerinnen zwischen 14 und 18 Jahren wurden nach ihren Sympathien und Antipathien für die wichtigsten Jugendkulturen und Szenen befragt. Am beliebtesten, ergab sich dabei, ist gegenwärtig die HipHop-Szene; es folgen die Punks, die Skater und Gothics. Die "rechte Szene" rangiert bei der "Beliebtheit" abgeschlagen auf dem neunten Platz. Von einer großen Zahl der Jugendlichen wird sie sogar ausdrücklich abgelehnt. In derjenigen Erhebung, in der nach der "größten Unbeliebtheit" von Jugendkulturen gefragt wurde, rangiert die "rechte Szene" auf Platz eins - 500 von 1 001 Jugendlichen fanden sie besonders unsympathisch, weit vor den Punks, den Gothics und den Satanisten. ...

Weiter auf der Homepage der Berliner Zeitung:

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/feuilleton/505535.html

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BERATUNGSARBEIT

Rechter Terror in Leisnig

Seit August 2005 bedrohen rechte Jugendliche sehr massiv alternative BewohnerInnen eines Wohnhauses in der Chemnitzer Straße in Leisnig. Es kommt an fast jedem Wochenende zu lautstarken Bedrohungen, insbesondere in den Nächten. Mehrfach werden sie angegriffen und Naziparolen gerufen. Nach jahrelanger Ruhe vor Naziaktivitäten im Ort versuchen am 16.08.2005 ca. 20 Rechtsextreme ein Wohnhaus in der Innenstadt zu stürmen, wobei es zu lediglich zu Sachbeschädigungen kommt. Die Polizei wird von den Angegriffenen zu Hilfe gerufen. Der Kern der Rechten kommt aus Leisnig und besteht aus bekannten und einschlägig Vorbestraften, denen z.T. eine rechtsextreme Vergangenheit in JN und der verbotenen Nationalen Front nachgewiesen werden kann. Einige der Anführer sind erst vor Kurzem aus der Haft entlassen worden. Massive Unterstützung haben die Rechten auch aus den angrenzenden Landkreisen und Nachbargemeinden, wie dem Muldental, dem Landkreis Torgau-Oschatz, aus Döbeln, Hartha, Mittweida und Waldheim, wie Betroffene bestätigen.

Generell treffen sich bis zu 20 Rechte in der Nähe des Hauses und versuchen immer wieder, BewohnerInnen aufzulauern und sie zu provozieren. Ein Mädchen wird am 8.10. auf dem Marktplatz der Stadt von ca. fünf Rechten zuerst beleidigt, dann bedrohen sie es mit einem Messer. In den frühen Morgenstunden des gleichen Tages zwischen 2 und 3 Uhr greifen sechs Rechte einen alternativen Jugendlichen an und bedrohen ihn massiv. In der Folge zünden sie ihm seine Haare an, rauben dessen Portmonee. Zwei Jugendliche werden am 15.10. in der Nähe der Postmeilensäule in den frühen Morgenstunden von mehreren Rechten bedroht, wobei einem Mädchen eine Schusswaffe vor das Gesicht gehalten wird. Die Rechten sind teils zu Fuß, teils mit Autos vor Ort. Vorher wurde versucht, wiederholt in das Haus einzudringen. Ein Azubi, der am 23.10. mit dem Fahrrad auf dem Weg von seiner Arbeitsstelle nach Hause unterwegs ist, wird gegen 6 Uhr morgens von ca. zehn Rechten u.a. mit einem Auto verfolgt und bedroht. Die Rechten trafen sich an einer Kreuzung auf der Chemnitzer Straße. Der Jugendlichen kann fliehen. Die örtliche Polizei wird über die Angriffe und Bedrohungen informiert und nimmt Anzeigen entgegen, trotzdem kam es in mindestens einem Fall zur Verweigerung einer Anzeigenaufnahme bzw. wurde der Anrufer durch den Beamten am Telefon abgewiesen.

Aus Anlass einer antifaschistischen Demonstration in Kloserbuch bei Leisnig - dort fand die Gründung des Kreisverbandes der JN statt - berichtet die Döbelner Allgemeine Zeitung (DAZ) auch über die Jugendlichen in der Chemnitzer Straße, die nun für entstandene Schäden in Leisnig verantwortlich gemacht werden. Ohne jedweden Beweis behauptet die DAZ ihre Anschuldigungen. Statt die nachweislich rechtsextremen Angriffe gegen die BewohnerInnen und deren FreundInnen sowie deren Opfersituation darzustellen, mutmaßt der Redakteur die eigentlichen Täter in den BewohnerInnen, macht so in unverantwortlicher Art und Weise Opfer zu Tätern und entspinnt einen "akuten Linksterrorismus". Praktisch werden die Opfer nun noch mehr den Nazis ausgeliefert sein. Herhalten muss dafür ein Feuerchen im Hinterhof des Hauses im Sommer und ein hoher Lautstärkepegel. Anzeigen dazu gibt es nachweislich keine. Von lokalen Rechten liest man im Übrigen vergebens. Mit Hilfe der Netzwerkstelle Döbeln und der AMAL-MitarbeiterInnen wurden mehrere Beratungen mit den Opfern durchgeführt und gemeinsam versucht, eine reale Darstellung in der DAZ durchzusetzen, was jedoch bisher von der Redaktion abgelehnt wird. Auch ein intervenierendes Schreiben an die Chefredakteurin durch AMAL blieb bisher unbeantwortet.

Stand der Spendenkampagne für vietnamesischen Imbissbetreiber

11 Personen bzw. Institutionen folgten dem Spendenaufruf (www.amal-sachsen.de/news.php?art=217), den wir im September gestartet hatten, und spendeten über 640 Euro. Ein Teil des Geldes wurde Herrn N. bereits übergeben. Er war sehr erfreut über das Geld, zumal er nicht mit einem positiven Echo gerechnet hatte. Vielen Dank den Spendern! (Wenn Spendenquittungen benötigt werden, bitte bei uns melden.)
Die aufgebrachte Summe reicht jedoch bei weitem nicht aus, um den Sachschaden zu kompensieren. Ein Antrag auf finanzielle Unterstützung wurde mittlerweile bei einer Stiftung eingereicht. Parallel prüfen wir mit Herrn N. die Möglichkeit einer Schadensersatzklage gegen zwei verurteilte Täter. Da ein Erfolg hierbei ungewiss ist, erneuern wir unseren Aufruf und bitten weiterhin um Spenden für Herrn N.

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VERANSTALTUNGSTIPPS

Veranstaltungstipp vom Team Görlitz:

Buchlesung: Die Wahrheit über Emilie und Oskar Schindler.
13.12.2005 im Studentenclub Maus in Görlitz ab 19.30 Uhr

Die argentinische Autorin, Herausgeberin und Übersetzerin Erika Rosenberg ist im Rahmen ihrer dreimonatigen Europatour am Dienstag, den 13.12.2005 zu Gast in Görlitz. Ab 19.30 Uhr liest sie im Studentenclub "Maus" aus ihren Biografien "Ich, Emilie Schindler. Erinnerungen einer Unbeugsamen." und "Ich, Oskar Schindler. Die persönlichen Aufzeichnungen, Briefe und Dokumente."

Sie stellt darin Oskar Schindler vor und seine Ehefrau Emilie, die ihr Leben lang stets im Schatten ihres Mannes blieb. Zu Unrecht, wie die Autorin zeigt, riskierte sie doch ebenso ihr Leben für die Rettung von 1300 Juden vor der Vernichtung. In ihren Büchern beschreibt Erika Rosenberg, deren Eltern 1936 vor den Nazis nach Argentinien flohen, die Kindheit und die Ehe mit Oskar Schindler, den Einsatz zur Rettung von Juden und auch das harte Leben in der Emigration.
Sie informiert über die Rückkehr Oskar Schindlers nach Deutschland und seine Versuche in der BRD Fuß zu fassen. Natürlich ist auch Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" ein Thema. Doch der Film und sein Hauptprotagonist erscheinen nach der Beschäftigung mit Emilie Schindler in einem anderen Licht.

Die Lesung veranstaltet vom "HausundHof e.V." und unterstützt durch den Studentenrat der Hochschule und "Die Türmer e.V".

Veranstaltungstipp vom Team Wurzen:

14.12.2005, 19 Uhr, Leipzig, Moritzbastei
Diskussions-Veranstaltung: "Die Rechte auf den Weg in die Mitte"

Vortrag von Dr. Rainer Benthim zu "Der Rechten neue Kleider" - Veranstaltungsreihe "Neue Rechte"
Eine Veranstaltung der: Forschungsgruppe NPD und neue Rechte in Sachsen und des Stura Leipzig

16.12.2005, 19 Uhr, Leipzig, Gieszerstraße 16.
Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

Großes Benefiz der Roten Hilfe für Potsdamer AntifaschistInnen. Ein Höhepunkt ist das Zeitzeugengespräch mit Kurt Goldstein, Überlebender der Shoa und engagierter Antifaschist bis heute. Goldstein spricht und beantwortet Fragen zu seinem Leben zwischen spanischem Bürgerkrieg und Widerstand gegen den deutschen Faschismus. Ab 21 Uhr spielen Fry Antz aus Leipzig (Speedpunk), Joey's Amigos aus Straußberg (Punkrock), Attiitude Youth aus Berlin (Skatepunk) und Chaoskabinett aus Straußberg (Punkrock).
Infos: www.gieszer16.org


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