AMAL Sachsen

AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt

Diese Webseite dient bis auf weiteres als Archiv der Arbeit des Beratungsprojektes
AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt in den Jahren 2001-2008.
Für die Beratung ist seit Anfang 2008 die Operberatung RAA Sachsen zuständig.

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AMAL – Newsletter 02 // 2006

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AMAL – Newsletter 02 // 2006

Die elfte Ausgabe unseres Newsletters ist nun da. Wenn Ihnen etwas fehlen sollte oder Sie mehr zu unserer Arbeit erfahren möchten, dann schreiben Sie uns eine Email oder klicken Sie auf unsere Homepage www.amal-sachsen.de.
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INHALT

AKTUELLES

* Angstzonen in Sachsen

* AMAL ist Träger des Julius-Rumpf-Preises 2006

* Mitarbeiter von AMAL wird zur Zielscheibe rassistischer Diskriminierungen

* World Cup - Racism Help Call

PRESSE

* SOS Brandenburg

* Alltägliches Anderssein

BERATUNGSARBEIT

* Löbau: Rassistische Alltagserfahrungen und ein Übergriff

VERANSTALTUNGSTIPPS

* Sport und Diskussion im Cafe Courage Döbeln

* Faetzigcamp 2006

* Mondiali Antirazzisti

* Respect06 in Pirna/Graupa

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AKTUELLES

+++ Angstzonen in Sachsen

Nach den Übergriffen auf Ermyas M. in Potsdam und Giyasettin Sayan in Berlin sowie der Reisewarnung des ehemaligen Regierungssprechers Uwe-Karsten Heye hat die Diskussion um rechte Gewalt wieder die Öffentlichkeit erreicht.
Auch die jüngst veröffentlichten Zahlen des Verfassungschutzes belegen eine Zunahme rechter Straf- und Gewalttaten.
Die genannten Übergriffe hätten ebenso in Sachsen geschehen können und auch die Reisewarnung ist von Brandenburg auf Sachsen übertragbar. Hierzu hat sich AMAL öffentlich geäußert http://www.amal-sachsen.de/news.php?art=261

Nun bleibt zu hoffen, daß den Reden von Politikern bis hin zu Kanzlerin Merkel über die Notwendigkeit des Engagements gegen Rechtsextremismus auch Taten in Hinblick auf die finanzielle Unterstützung dieses Engagements folgen.
AMAL erhält, ebenso wie seine Partnerprojekte in den Neuen Bundesländern, den Großteil seiner Finanzierung aus dem Bundesprogramm CIVITAS. Dieses Modellprogramm läuft jedoch 2006 aus. Nach derzeitigem Stand werden die Opferberatungsprojekte und die Mobilen Beratungsteams aus dem Folgeprogramm ab 2007 nicht mehr finanziert. Dieses Programm wurde vielmehr um die inhaltlichen Schwerpunkte „Linksextremismus“ und „Islamismus“ erweitert. Während man in der Großen Koalition noch über die Sinnhaftigkeit der konzeptionellen Erweiterung streitet, sehen die genannten Projekte einer Finanzierungslücke entgegen, die ihr Aus bedeuten könnte.

- Extremismus-Streit in großer Koalition: http://www.amal-sachsen.de/news.php?art=262
- Interview mit einer Kollegin der Opferperspektive Brandenburg: http://www.jungewelt.de/2006/05-31/019.php

+++ AMAL – Hilfe für Betroffene rechter Gewalt e.V. ist Träger des Julius-Rumpf-Preises 2006

Anfang des Jahres landete eine eMail von der Martin-Niemöller-Stiftung im Posteingang des Görlitzer Büros, in der mitgeteilt wurde, dass die Landtagsabgeordnete Astrid Günther-Schmidt (Bündnis90/Grüne) das Opferberatungsprojekt AMAL für den Julius-Rumpf-Preis 2006 vorgeschlagen hat. Im April erreichte uns dann die freudige Nachricht, dass unser Projekt unter 10 Bewerbern für den Preis ausgewählt wurde.

Als Förderung und Ermutigung versteht sich der im Jahr 2000 ins Leben gerufene Julius-Rumpf-Preis. Er wird von der Martin-Niemöller-Stiftung an Einzelne und Gruppen, die innerhalb oder außerhalb kirchlicher Strukturen mit ihrer Arbeit für Toleranz, gewaltfreie Konfliktlösungen, Mitmenschlichkeit und Versöhnung eintreten, verliehen. Die Auszeichnung soll an den unspektakulären, aber gradlinigen Widerstand Julius Rumpfs erinnern und das Vorbildhafte dieser Haltung würdigen.

AMAL freut sich über die unerwartete Preisträgerschaft. Wir empfinden den Preis als Bestätigung der geleisteten Beratungs- und Öffentlichkeitsarbeit und sehen uns in unserer Motivation bestärkt, weiterhin Betroffene zu unterstützen und das Thema rechte Gewalt aus Sicht der Betroffenen zu thematisieren.

+++ Palästinensischer AMAL-Mitarbeiter wird von Hausmeister angegriffen und aus Wohnung vertrieben

Leipzig: Am 12. Juni 2006, kurz vor 22 Uhr wurde Jamil J., ein aus Palästina stammender Mitarbeiter von AMAL Wurzen vom Hausmeister seines Wohnhauses und zwei seiner Bekannten in Leipzig tätlich angegriffen und rassistisch beleidigt. Als Jamil J. nach einer Weiterbildung in Begleitung eines Freundes am Abend nach Hause kam, erwartete ihn der angetrunkene Hausmeister mit seinen Freunden bereits im Hof, wo diese eine Party abhielten. Es fielen Worte wie „Kanake“ und „Scheiß Ausländer“. Außerdem waren noch die Ehefrau des Hausmeisters und eine Nachbarin anwesend, die sich couragiert in die Attacke einmischte.

Nach den rassistischen Beleidigungen packte der Hausmeister Jamil J. am Hals und würgte ihn. Dabei wurde sein T-Shirt zerrissen. Herr J. konnte sich jedoch befreien und rief die Polizei. Diese reagierte allerdings ungehalten und forderte ihn auf, doch einfach in seine Wohnung zu gehen, die Tür hinter sich zu schließen und am nächsten Tag Anzeige zu erstatten. Dabei wurde er zudem geduzt. Auf die Äußerung des Geschädigten, Anzeige erstatten zu wollen, antwortete der Beamte mit “Was erzählst du für einen Quatsch!“ und legte auf. Die Anzeige wurde dann kurze Zeit später auf dem Polizeirevier Nord persönlich erstattet und von einer netten und kompetenten Polizeibeamtin - so die Einschätzung des AMAL-Mitarbeiters - bearbeitet. Inzwischen läuft ein Ermittlungsverfahren gegen den Hausmeister wegen Körperverletzung.
Es gab bereits vorher diskriminierende Handlungen und Sachbeschädigungen, wie Jamil J. berichtet. Nunmehr wagt er sich nicht mehr alleine nach Hause und sieht sich genötigt umzuziehen. Er hat die Wohnung mittlerweile fristlos gekündigt und bekommt juristische Unterstützung durch eine Rechtsanwältin. Der Besitzer des Hauses will jedoch diese Kündigung nicht anerkennen und zweifelt den Tathergang an, so Jamil J. Die Täter hingegen haben einen Erfolg zu verbuchen: Sie haben einen aus ihrer Sicht unbeliebten ausländischen Bürger aus dem Haus vertrieben.

+++ World Cup - Racism Help Call
Das Beispiel Berlin-Brandenburg

Der Fußballweltmeisterschaft sehen wir mit eher gemischten Gefühlen entgegen. Neben aller Fußballbegeisterung rechnen wir mit rassistischen Hooligans aus aller Welt und Angriffen deutscher Neonazis auf ausländische Spieler und Fans. Gerade die rassistischen Angriffe der letzten Monate sprechen eine deutliche Sprache: In Deutschland ist es durchaus gefährlich für ausländische Menschen.

Was tun? Viele rassistische Angriffe werden nicht angezeigt, weil – so die Erfahrung – Opfer nur wenig Vertrauen in Polizei und Behörden haben. Hier könnte angesetzt werden. Im Allgemeinen vertrauen sich Opfer von Rassismus eher jemandem an, der oder die ihre Sprache spricht, der oder die zu Polizei, Behörden und Organisationen vermitteln kann, der oder die auf ihrer Seite steht. Das brachte Initiativen gegen Rassismus in Berlin und Brandenburg auf die Idee einer 24-Stunden Racism Help Line. Diese telefonische Hotline wird ab 8. Juni in mehreren Sprachen geschaltet sein.

Das Projekt wird u.a. unterstützt von: AstA der TU Berlin, Reach Out, Opferperspektive, ISD-Cybernomads, Ermittlungsausschuss, ARI, Plataforma, Netzwerk Moskito, Flüchtlingsinitiative Brandenburg, The Flüchtlings Voice und vor allem von etlichen Einzelpersonen.

Derzeit beraten mehrere antirassistische Organisationen und Initiativen aus Leipzig (Austragungsort für vier WM-Spiele) und Umgebung, die Idee aus Berlin-Brandenburg auch in Leipzig umzusetzen und so möglichen Opfern von rassistischen Hooligans und Neonazis schnelle Hilfe anzubieten.
http://www.cybernomads.net/cn/home.cfm?p=1416&CFID=12273644&CFTOKEN=53345992

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PRESSE

+++ SOS Brandenburg:
Beitrag über die Erfahrungen unseres Partnerprojektes in Brandenburg und aktuelle Studien über rechtsextreme Einstellungen http://www.jungle-world.com/seiten/2006/17/7625.php

+++ Alltägliches Anderssein - Wie Betroffene die Debatte um gefährliche Gebiete in Ostdeutschland erleben:
Ein Beitrag, der sich ganz den Ausgrenzugserfahrungen von Migranten in Sachsen widmet http://www.amal-sachsen.de/news.php?art=260

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BERATUNGSARBEIT

+++ Löbau: Rassistische Alltagserfahrungen und ein Übergriff

Nach einem offensichtlich rassistisch motivierten Übergriff auf einen jungen Mann aus Guinea am 10. Mai in Löbau (siehe Pressenmitteilung vom 16.05.2006, http://www.amal-sachsen.de/news.php?art=255), kam es in der Folgezeit zu mehreren Kontakten zwischen Mitarbeitern und dem Betroffenen. Unter anderem konnten Zeugen des Übergriffes auf George C. gefunden werden.

Der junge Mann stellte mit der Unterstützung von AMAL schließlich am 24. Mai einen Strafantrag wegen Körperverletzung bei der Staatsanwaltschaft Görlitz. Somit ist nun der offizielle Auftrag an die Strafverfolgungsbehörden ergangen, die Täter zu ermitteln.

Unklar bleibt unterdessen, warum die Polizei bislang davon ausgeht, Herr C. habe sich die Verletzungen selbst beigefügt und den Übergriff erfunden (so Polizeisprecher Uwe Horbaschk im MDR-Sachsenspiegel vom 18. Mai). Weder die Art der Verletzungen, noch die Tatsache, dass es unabhängige Zeugen für den Übergriff gibt, sprechen dafür.

Kaum Platz in der öffentlichen Berichterstattung fanden unterdessen die alltäglichen Beschimpfungen und Diskriminierungen von BewohnerInnen des Löbauer Asylheimes durch Schüler der nebenan liegenden Berufsschule. Wörter wie „Nigger“ gehören hier zum alltäglichen Sprachgebrauch, wenn Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern die Berufsschule passieren müssen. Physische Übergriffe wie auf George C. stellen somit nur die Spitze des Eisberges und einen kleinen Teil der breiten Palette fremdenfeindlicher Aktivitäten dar.

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VERANSTALTUNGSTIPPS

+++ 9. Juni 2006 – Sport und Diskussion im Cafe Courage in Döbeln

Ab 18:00 Uhr: WM-Eröffnungsspiel (Deutschland - Costa Rica) auf Großleinwand mit anschließender Info- und Diskussionsrunde zum Thema "Gewalt und Rassismus im Stadion & Was Fanprojekte dagegen tun".

+++ Faetzigcamp vom 7.- 9. Juli 2006

Das 4. Sommercamp mit Festivalcharakter und inhaltlich politischer Ausrichtung wird von verschiedenen selbstverwalteten Jugendvereinen aus Ostsachsen Region organisiert.
Mit einem breiten Spektrum an Workshops, Vorträgen und kulturellen Einlagen sollte dieses Camp, wie auch in den vergangenen Jahren, für alle eine sehr vielseitige und angenehme Bereicherung werden.
Weitere Informationen unter www.faetzig.de

+++ Mondiali Antirazzisti: 12.- 16. Juli 2006 Montecchio/Italien

Bereits zum fünften Mal findet die antirassistische Fußball WM in Italien statt. Selbst bei denen, die nicht als eingefleischte Fußballfreaks bezeichnet werden können, steigt die Begeisterung für dieses Turnier, da es bei weitem mehr als Fußball zu erleben gibt.
Mehrere Reisebusse werden mit ostsächsischen, polnischen und tschechischen Teams nach Italien fahren. Wer mit möchte oder Material über die letzten beiden WM haben will, sollte sich schnell bei Augen auf e.V. melden.
http://www.augenauf.net/index.php?whl=12030100&lg=de

+++ Respect06 in Pirna/Graupa

Am 15. Juli bekommt Ihr bei der Neuauflage des Respect-Festival in Pirna/Graupa eine Menge geboten: 10 Stunden Programm mit 10 Bands, darunter LETZTE INSTANZ, 44 LENINGRAD, POTHEAD,YELLOW CAP sowie TRANSSYLVANIANS, BANDA COMUNALE und ROBERT & THE ROBOTERS. Das Ganze als Open-Air und die Überschüsse kommen der Jugendarbeit in der Sächsischen Schweiz zu Gute. Mehr Infos unter: www.respect06.de


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