AMAL – Newsletter 01 // 2007
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AMAL – Newsletter 01 // 2007
Die vierzehnte Ausgabe unseres Newsletters ist nun da. Wenn Ihnen etwas fehlen sollte oder Sie mehr zu unserer Arbeit erfahren möchten, dann schreiben Sie uns eine e-mail oder klicken Sie auf unsere Homepage www.amal-sachsen.de.
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INHALT
AKTUELLES
* Perspektiven 2007
* 2006: Wöchentlich etwa vier rechtsextrem motivierte Übergriffe in Sachsen
PRESSE
* Mittweida: Bündnis gegen Rechts gegründet
BERATUNGSARBEIT
* Urteile im Fall Oderwitz
* Unterstützung für Zirkus Barny zahlt sich aus
VERANSTALTUNGSTIPPS
* Konzert im Jugendhaus Hammerstadt
* Zwei Buchlesungen in Leipzig
* Zirkus Barny tritt wieder auf
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AKTUELLES
Perspektiven 2007
Die ersten warmen Vorfrühlingstage liegen bereits hinter uns und das erste Quartal des Jahres ist - so scheint es - wie im Fluge vergangen. Die Sorgen um die Weiterfinanzierung sind uns allerdings erhalten geblieben. Im letzten Herbst wurde nach heftiger Kritik am drohenden Aus für Projekte gegen Rechtsextremismus eine vorläufige Weiterfinanzierung bis Ende Juni 2007 garantiert. In der verbleibenden Zeit sollte eine Perspektive für die Projekte entwickelt werden. Im Februar lag dann ein Konzept des Bundesfamilienmisisterium vor, das die Förderung von Kriseninterventionsteams vorsah, die bei Bedarf für 2-3 Monate Beratung vor Ort leisten sollten. Daraufhin regte sich erneut Kritik von Seiten der Wissenschaft sowie von den Projekten.
Nach der inhaltlichen Kritik an diesem Entwurf wurden dann punktuell Nachbesserungen vorgenommen und wir konnten am 10.3. in der Sächsischen Zeitung lesen: „Programm gegen Rechts kann fortgesetzt werden“. Die langfristige Beratung von Opfern rechtsextremer Gewalt könne aus dem Fünf-Millionen-Programm finanziert werden. Zu gern möchten wir diesem Artikel Glauben schenken. Allerdings sind noch zu viele Fragen offen, um unsere Arbeit inhaltlich sowie finanziell in Sicherheit zu wähnen. Sehr wahrscheinlich ist jedoch jetzt schon, dass die Projekte nicht mehr mit dem gleichen Fördervolumen unterstützt werden. Die Mittelvergabe wird über eine Landeskoordinierungsstelle laufen, die die Fördergelder beim Bund beantragen kann. Wie damit dann in Sachsen konkret verfahren wird, liegt zum jetzigen Zeitpunkt noch im Dunkeln. Wir hoffen, Ihnen und Euch im nächsten Newsletter mehr dazu berichten zu können. Am besten natürlich – und dafür werden wir uns mit allen Kräften einsetzen - dass die professionelle Unterstützung und Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt bei AMAL weitergeht.
Lesen Sie dazu auch einen Artikel aus der Lausitzer Rundschau:
http://www.amal-sachsen.de/news.php?art=415
2006: Wöchentlich etwa vier rechtsextrem motivierte Übergriffe in Sachsen
"Rechtsextreme Gewalt im Freistaat um ein Viertel gesunken", meldete die dpa im Februar. Entgegen dem Bundestrend habe es in Sachsen bei rechten Gewaltdelikten einen Rückgang um etwa 25 Prozent gegeben, wird ein Sprecher des Innenministeriums zitiert. Diese vorläufige Angabe steht jedoch im auffälligen Gegensatz zu unserer gemeinsamen Statistik mit der Opferberatung der RAA , nach der wir von einer Zunahme der Übergriffe um rund ein Viertel ausgehen müssen.
Im Beratungsgebiet von AMAL gab es dabei einen noch höheren Anstieg. Allein in den Landkreisen, in denen die Beratungsteams von AMAL aktiv sind, konnten 108 Übergriffe recherchiert werden. Das ist ein Anstieg von 50 Prozent zum Vorjahr (72 rechtsextreme Übergriffe in 2005). Besonders deutlich wurde das in den Landkreisen Bautzen (13), Chemnitzer Land (13) und Mittweida (17). Zum Bekanntwerden dieser Angriffe haben aus Sicht des Wurzner AMAL-Teams vor allem die Unterstützungsbereitschaft neuer Kooperationspartner beigetragen. Besonders im Landkreis Mittweida, in und aus dem die Kameradschaft „Sturm 34“ schon seit längerem sehr brutale Übergriffe organisiert.
Die Beratungsteams in Görlitz und Wurzen haben im letzten Jahr 188 Menschen durch 240 psychosoziale Beratungen unterstützt. Hinzu kommt noch eine große Anzahl von Begleitungen zu Polizei und Gericht, Hilfe bei der Suche nach Anwälten, Ärzten und Psychotherapeuten.
Die Besonderheit der Beratungsarbeit von AMAL liegt im aufsuchenden Ansatz. Nur durch dieses niedrigschwellige Angebot wird eine Vielzahl der Betroffenen rechtsextremer Übergriffe erreicht. Im Alltag bedeutet dies z.B., dass nur ein sehr geringer Teil der Beratungsgespräche in den jeweiligen Büros stattfindet. In mehr als 90 Prozent fahren die MitarbeiterInnen durchschnittlich 50 Kilometer in den Wohnort der Betroffenen. Vielen Menschen wäre es aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich, eine Beratung im weit entfernten Bürostandort wahrzunehmen. Hier spielen knappe finanzielle Ressourcen eine Rolle, aber auch strenge gesetzliche Vorgaben. Z.B. ist es AsylberwerberInnen nicht möglich, ohne weiteres ihren zugewiesenen Landkreis verlassen. Den BeraterInnen ermöglicht der spezielle Ansatz, die Situation vor Ort sowie das persönliche Umfeld der Betroffenen zu erfassen. Unserer Erfahrung nach kann so schnell eine vertrauensvolle Beratungsbasis geschaffen werden. Mehr Informationen zur aktuellen Beratungsarbeit gibt es einige Zeilen weiter.
Hierzu können Sie unsere gemeinsame Presseerklärung lesen:
http://www.amal-sachsen.de/news.php?art=388
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PRESSE
Mittweida: Bündnis gegen Rechts hat sich gegründet
Die Bürger im Landkreis machen mobil gegen die immer bedrohlicheren neonazistischen Aktivitäten in der Region: Am Dienstagabend ist in der Kreisstadt ein "Bündnis für Menschenwürde - gegen Rechtsextremismus im Landkreis Mittweida" gegründet worden. An der von Polizeikräften gesicherten Veranstaltung, die von fünf Vereinen der Region - den Muldentaler Jugendhäusern, der Sächsischen Landjugend, dem Jugend- und Kulturverein Schwarzbach, dem Städtischen Freizeitzentrum Mittweida sowie dem Christlichen Verein Junger Menschen - initiiert worden war, hatten rund 200 Teilnehmer aus allen Schichten der Bevölkerung teilgenommen.
Lesen Sie weiter auf unserer Homepage:
http://www.amal-sachsen.de/news.php?art=413
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BERATUNGSARBEIT
Urteile im Fall Oderwitz
Am 8. März ging der Prozess gegen acht Jugendliche aus Oderwitz wegen eines schweren Übergriffs auf einen 40jährigen Mann im Januar 2005 zu Ende. Das Amtsgericht Zittau verurteilte jedoch nur zwei der Angeklagten, die anderen Sechs wurden vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. So wurde der Hauptbeschuldigte Marcel H. wegen eines massiven Ellbogenschlages gegen den Hals des Geschädigten zu einer Haftstrafe von 6 Monaten ausgesetzt auf 2 Jahre zur Bewährung verurteilt. Ein weiterer wurde wegen der Sachbeschädigung am Grundstückszaun des Betroffenen zu einer Geldstrafe von 600 € verurteilt. Damit fand die juristische Aufarbeitung mehr als 2 Jahre nach dem Übergriff ein vorläufiges Ende.
Von Zufriedenheit mit dem Urteil und Genugtuung kann bei dem Hauptbetroffenen und seiner Lebensgefährtin, die als Zeugin aussagen musste, dennoch keine Rede sein. So wurde bspw. der rechtsextreme Tathintergrund vom Gericht fast völlig ausgeblendet, obwohl einige der Beschuldigten dem Umfeld der Gruppierung „Nationale Jugend Oderwitz“ zuzuordnen sind. Diese kameradschaftsähnliche Jugendclique trägt ihre Gesinnung u.a. durch entsprechend bestickte Bomberjacken offen zur Schau. Weiterhin ist es für die Betroffenen nur schwer zu ertragen, dass nur zwei Täter verurteilt wurden. Für sie waren alle an dem Übergriff beteiligt, auch wenn nicht jedem Verdächtigen eine konkrete Handlung nachzuweisen war. Ihrer Wahrnehmung nach haben sich die nun Freigesprochenen allein durch das Anfeuern der Täter und das Anheizen der gewalttätigen Stimmung mitschuldig gemacht.
Der brutale Übergriff sorgte vor zwei Jahren für mächtigen Wirbel in der kleinen oberlausitzer Gemeinde und hinterließ einen tiefen Einschnitt im Leben des damals 40jährigen Mike K. In der Neujahrsnacht 2005 sammelten sich etwa 12 Jugendliche - darunter zwei Mädchen – vor dem Haus des Oderwitzers. Aus der Gruppe heraus wurde er brutal zusammengeschlagen wobei Rufe wie „macht das Russenschwein kalt“ gebrüllt wurden. Schon zuvor klebten u.a. Aufkleber mit rechtsextremen Inhalt an der Haustür des Betroffenen, darüber hinaus gab es des öfteren Pöbeleien und Drohungen durch rechtsextreme Jugendliche. Die Verletzungen des Mannes waren lebensbedrohlich. So erlitt er infolge der Gewalteinwirkung eine Gehirnblutung, mehrere Rippenbrüche und ein Bauchtrauma. Zudem sind durch den Angriff bleibende Schäden verursacht worden. Das Sprachzentrum von Mike K. ist dauerhaft beeinträchtigt, eine Lähmung in der rechten Hand und in der rechten Gesichtshälfte zeugen noch heute von der Attacke in jener Nacht. „Wir sind froh, dass der Prozess nun erstmal vorbei ist und hoffen, dass nun endlich Ruhe ist. Doch eine wirkliche Genugtuung ist das Urteil für mich nicht. Ich kann jeden Tag wieder auf die Täter treffen, wir wohnen ja in einem kleinen Ort“ äußert sich der Oderwitzer zum Ausgang des Prozesses.
Während der drei Verhandlungstage musste eine Vielzahl von Zeugen aussagen, darunter medizinische Sachverständige, Gutachter des LKA, Polizeibeamte, Anwohner sowie die Lebensgefährtin des Geschädigten. Der Betroffene und Nebenkläger Mike K. wurde während des Prozesses durch die AMAL-Mitarbeiter begleitet und durch die Görlitzer Rechtsanwältin Ursel Kreusel juristisch vertreten. Diese zeigte sich im Laufe der Verhandlung bestürzt über das Auftreten einiger Angeklagter. „Selten habe ich ein so respektloses Auftreten vor Gericht erlebt. Der Eindruck drängt sich auf, dass es die Angeklagten mit der Wahrheit nicht so genau genommen haben“ äußerte sie in Hinblick auf die z. T. äußerst widersprüchlichen Angaben der Angeklagten. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt davon auszugehen, dass das Urteil rechtskräftig wird. Die Mitarbeiter von AMAL werden nun gemeinsam mit dem Betroffenen den Prozess nachbereiten und eventuell über weitere zivilrechtliche Schritte gegen den Haupttäter nachdenken.
Obertriebel: Zirkus Barny gastiert nach rechtsextremem Übergriff wieder
In der vierten Ausgabe unseres Newsletters im letzten Jahr berichteten wir von einem rechtsextremen Übergriff auf eine Zirkusfamilie im vogtländischen Obertriebel. Nachdem die Familie im Vorfeld von aufmarschierten Neonazis und deren Sympathisanten massiv bedroht worden war, zerstörten die Täter das Zirkuszelt samt Inventar. Die Familie lebte danach in großer Angst vor weiteren Übergriffen und sah sich zudem noch ihrer Existenzgrundlage beraubt. Die Solidarität im Ort war groß und es wurden Spenden für die Familie gesammelt. Mitarbeiter von AMAL unterstützten die Familie nach dem Angriff und durch eine Spendenkampagne konnten der Familie rund 5.800,00 Euro überreicht werden, auch die Amadeu Antonio Stiftung half dem Wanderzirkus mit 1.000,00 Euro aus dem Opferfond CURA.
Nun endlich ist es soweit: Der Wanderzirkus „Barny“ kann wieder auftreten.
Für die Solidarität und die Hilfe möchte sich die Familie mit einer Vorstellung bei allen UnterstützerInnen am 16.03. in Oelsnitz bedanken.
Hierzu auch ein Artikel der Sächsischen Zeitung:
http://www.amal-sachsen.de/news.php?art=417
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VERANSTALTUNGSTIPPS
EMO-HC-INDIE NOISE ROCK KONZERT:
Jugendhaus Hammerstadt, 24.03.2007
Mehr Infos unter:
http://www.kommaerzbanck.de/termine.php?status=1
Lesung:
Leipzig, 22.03.2007: 20:00 Uhr im Conne Island, Koburger Straße 3
Im Rahmen der Buchmesse 2007 liest Rocko Schamoni aus "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit" und anderen Texten.
Lesung im Rahmen der internationalen Woche gegen Rassismus:
Leipzig, 20. März 2007: 19.30 Uhr in der naTo, Karl- Liebknecht- Str. 46
„Zweiheimisch. Bikulturell leben in Deutschland“
Auftaktveranstaltung zum 15jährigen Jubiläum der iaf in den neuen Bundesländern: Einer der Autoren, Vito Avantario, und die Herausgeberin, Cornelia Spohn, sind eingeladen, aus dem Buch zu lesen. Außerdem wird einer der Portraitierten, Oliver Sanchez, da sein, um aus seiner Perspektive zu erzählen.
Zirkus:
Oelsnitz, 16.03.2007: Vorstellung des Wanderzirkus „Barny“
Die Familie Quaiser bedankt sich mit dieser Vorstellung bei allen UnterstützerInnen und SpenderInnen, die ihnen nach dem rechtsextremen Übergriff im letzten Jahr geholfen haben, den Zirkusbetrieb wieder aufnehmen zu können.